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20.01.2005

18:15 Uhr

Von der Problembranche zum Boomtown

Massenspeicher für die Massen

VonAxel Postinett

Das hat es lange nicht mehr gegeben: „Von Juni bis September haben wir fast wöchentlich neue Produktionslinien eröffnet“, berichtet Manfred Berger, Manager Emerging Markets Europa beim Festplattenhersteller Hitachi Global Storage (GST). Trotzdem konnte der japanische Konzern mit der Nachfrage nach den winzigen Ein-Zoll-Festplatten kaum mithalten, die MP3-Spieler wie Apple iPod mini, Creative Zen oder Rio Carbon antreiben.

Mini-Festplatte Mikey. Foto: Hitachi

Mini-Festplatte Mikey. Foto: Hitachi

LAS VEGAS/DÜSSELDORF Gut vier Millionen der Mini-Platten setzte Hitachi 2004 ab und dieses Jahr sollen es schon zehn Millionen sein: „Der MP3-Krieg hat begonnen und ich habe ihn erklärt“, hatte Sim Wong Hoo, CEO des Audiospezialisten Creative im November in richtung Apple getönt. Der US-Branchenverband CEA erwartet, dass 10 Millionen MP3-Spieler (mit Platte oder Flash-Speicher) dieses Jahr alleine in den USA verkauft werden, nach 6,9 Millionen im Vorjahr

Und die nächsten Käufer stehen schon vor der Tür: Handy-Hersteller rüsten für digitale Musikdienste auf. Der Erfolg des Mobilfunkbetreibers KDDI/AU in Japan elektrisiert die Branche. Nur 48 Tage nach dem Start im November, berichtet Eurotechnology.com, waren 1 Millionen Songs über einen UMTS-Dienst aus dem Mobilfunknetz geladen. Samsung hat bereits ein Handy mit Harddrive vorgestellt.

Aus einer trostlosen Pleitebranche ist quasi über Nacht Boomtown geworden. Hitachi erwartet gerade bei kleinen Platten für Konsumelektronik einen enormen Nachfragezuwachs. Der branchenweite Absatz von Ein-Zoll-Platten werde dieses Jahr bei 16 Mill Stück liegen, 2006 auf 26 Mill. Ansteigen und 2007 die Marke von 45 Millionen Stück übertreffen, erwarten die Marktforscher des japanischen Konzerns. "Alle Anbieter haben 2004 angefangen, vorsichtig die Preise anzuheben“, sagt Hans-Dieter Blaser, Executive Vice President Sales beim Marktführer Seagate.

Die Unternehmen haben es allerdings auch nötig. Anfang 2003 lag der Markt für PC und damit die Nachfrage nach klassischen 3,5-Zoll-Platten am Boden. Die stellen mit rund 190 Mill. Stück das größte Segment der Branche dar. MP-3-Festplattenspieler standen ganz am Anfang und Festplatten-Videorekorder hatten Exotencharakter. Die Renditen waren gering oder negativ, IBM verkaufte entnervt seine komplette Festplattensparte an Hitachi. Noch im abgelaufenen Quartal musste Seagate auf Grund eines harten Preiskampfes mit Konkurrent Maxtor - Nummer zwei des Weltmarktes - einen Gewinneinbruch um 30 Prozent melden. Das war allerdings deutlich besser als die Wall Street befürchtet hatte. Die Aktie legte zu. Merrill Lynch stufte Seagate vorsichtig von "verkaufen" auf "neutral" hoch.

Denn heute sieht der Ausblick selbst für die klobigen 3,5-Zoll-Veteranen so blendend aus, dass die Manager eigentlich den ganzen Tag Sonnenbrillen tragen müssten. Der Grund: Der Run auf Video-Festplattenrekorder hat gerade erst angefangen.

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