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22.02.2012

12:22 Uhr

Web-Bewertungen

Der Propagandakrieg im Internet

Bewertungen im Internet sind Segen und Fluch zugleich. Sie sorgen für Transparenz und zwingen Unternehmen zu gutem Service. Doch hinter den Kulissen werden Bewertungen auch gefälscht und Suchergebnisse manipuliert.

Die Deutschen sind anonymem Bewertungen im Netz gegenüber kritisch. Dennoch haben sie in ihrer Gesamtheit Gewicht für Kaufentscheidungen. dpa

Die Deutschen sind anonymem Bewertungen im Netz gegenüber kritisch. Dennoch haben sie in ihrer Gesamtheit Gewicht für Kaufentscheidungen.

DüsseldorfDas Internet hat Konsumenten eine scharfe Waffe in die Hand gegeben: Eine Bewertung auf einem der zahlreichen Portale ist schnell geschrieben und hat Gewicht. Besonders tragisch für Anbieter diverser Produkte und Dienstleistungen: Läuft alles glatt, ist Kunden eine Bewertung häufig nicht der Aufwand wert. Ist dagegen der Service schlecht oder der Kunde vom Produkt enttäuscht, nimmt er sich gerne ein paar Minuten Zeit, um Rache zu üben.

Für die Kunden sind das zunächst gute Nachrichten: Die Internet-Bewertungen setzen Anbieter unter Druck, exzellenten Service und Qualität zu liefern. Die Internet-Bewertungen sind für die Wahl der Kunden in vielen Bereichen inzwischen eine der stärksten Orientierungsquellen – noch vor Freunden und Bekannten. Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts DCM im April 2010 gaben 58,10 Prozent der Befragten an, Bewertungsportale oder Netzwerke im Internet als Informationsquelle für ihre Reiseplanung zu nutzen.

Da liegt die Versuchung nahe, Bewertungen zu manipulieren – für die Unternehmen ebenso wie für die Konkurrenz. Wie groß der Anteil gefälschter Bewertungen ist, lässt sich nicht seriös ermitteln. Im Gespräch mit ZDF Online behauptete ein professioneller Bewertungsfälscher, etwa 90 Prozent seiner Bewertungen seien tatsächlich erschienen. „Egal, ob negativ oder positiv“. Mit 42 Accounts will er im Monat rund 120 bis 150 Bewertungen geschrieben haben. Ich gehe davon aus, dass rund 20 Prozent der Hotelbewertungen gefälscht sind“, so der Insider.

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Um Kunden und Suchmaschinen zu überlisten, werden im Internet Empfehlungen manipuliert. Werbung und Inhalt verschwimmen dabei immer mehr.

Bei verschiedenen Tests unter anderem von „Stern TV“ und „Wiso“ gelang es auch Redaktionen, Falschbewertungen bei Hotelportalen unterzujubeln, ohne dass diese erkannt wurden. Andererseits ergibt sich bei einer größeren Zahl von Bewertungen häufig ein realistisches Bild des Angebots, das für Verbraucher sehr nützlich ist.

Entsprechend zwiegespalten sehen Verbraucher auch das Angebot: Einerseits gaben bei einer Umfrage der schweizerischen CMP AG  im Jahr 2011 67 Prozent der Befragten an, dass sie anonyme Bewertungen im Internet für tendenziell wenig glaubwürdig zu halten. Andererseits zeigen andere Befragungen, dass die Deutschen nicht alle anonymen Bewertungen über einen Kamm scheren und ihnen bei Entscheidung ein für oder gegen bestimmte Produkte ein großes Gewicht beimessen. Eine Befragung des Verbands Internet Reisevertrieb (IUBH) zeigte: Vor allem eine hohe Anzahl von Bewertungen sorgt für bei Kunden für den Eindruck der Glaubwürdigkeit.

Kommentare (1)

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KamilJan

22.02.2012, 13:57 Uhr

Wie heißt es doch so schön, ehrlich wehrt am längsten. Ein mieses Produkt lässt sich auf dauer nicht durchsetzten. Nimmt man als Beispiel die Deutsche Bahn: Die haetten auch 1,3 Milliarden in "No Badge" Aktionen investieren können, an der Meinung der Leute hätte es nichts geändert ;)

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