Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2012

10:09 Uhr

Web

Wo welcher Browser punktet

VonStephan Dörner

Auf den rasenden Aufstieg von Googles Browser Chrome reagiert die Konkurrenz. Firefox plant eine große technische Aufholjagd, Microsoft setzt auf eine ironische Werbekampagne. Ein Frontbericht von der Browser-Schlacht.

Kampf der Großen: Googles Chrome kämpft gegen Mozillas Firefox um Platz zwei hinter Microsofts Internet Explorer. Apple Safari ist vor allem auf dem Mac verbreitet. dpa

Kampf der Großen: Googles Chrome kämpft gegen Mozillas Firefox um Platz zwei hinter Microsofts Internet Explorer. Apple Safari ist vor allem auf dem Mac verbreitet.

Düsseldorf„Hast du deinen Eltern schon einmal gesagt, sie sollen den Internet Explorer nicht nutzen? Da bist du nicht der einzige“, heißt es in der jüngsten Werbe-Offensive von Microsoft. Die Botschaft: Wir haben verstanden – der Microsoft-Browser war lange schlecht, doch nun ist alles anders. Tatsächlich hat der Windows-Hersteller unter dem Druck der Konkurrenz von Google und Mozilla kräftig nachgebessert. Der aktuelle Internet Explorer 9 unterstützt moderne Webstandards deutlich besser als die Vorgängerversionen und hat auch an Geschwindigkeit noch einmal deutlich zugelegt. Die Veröffentlichung von Version 10 ist für das kommende Windows 8 geplant und soll neben dem dann aktuellen Windows nur noch auf Windows 7 lauffähig sein. Der Internet Explorer 10 soll vor allem neue Sicherheitsfunktionen bieten und neue Webstandards besser unterstützen.

Tatsächlich konnte Microsoft jüngst im Browser-Krieg verlorenes Terrain zurückerobern. Ging der Anteil von IE-Nutzern Jahre zurück, stellt eine aktuelle Studie von Net Applications einen kleinen Zuwachs fest. Microsofts Anteil im weltweiten Browser-Markt stieg demnach leicht von 52,8 Prozent im Februar auf 53,8 Prozent im März, während die Konkurrenten Firefox, Chrome, Safari und Opera alle leicht Marktanteile verloren.

Die Stärken und Schwächen der Browser

Internet Explorer

Internet Explorer

Microsoft verspricht in seiner ironischen Werbung nicht zu viel: War der Internet Explorer (kurz IE) früher ein Horror, vor dem jeder versierte Benutzer einen weiten Bogen machte, kann es die aktuelle Version 9 tatsächlich mit den beiden größten Konkurrenten Chrome und Firefox aufnehmen.

Stärken und Schwächen: Eine besondere Stärke des Microsoft-Browsers sind die Sicherheitsfunktionen. In einem Test des Fraunhofer SIT erkannte der aktuelle Microsoft-Browser Schadsoftware und bösartige Websites zuverlässiger als Apples Safari sowie inzwischen veraltete Versionen von Chrome und Firefox. Eine Schwäche ist dagegen die Behäbigkeit – mit den wieselflinken Browsern Chrome und Firefox kann es der IE noch nicht aufnehmen. Auch bei der Umsetzung der neuesten Webstandards ist Microsoft noch immer etwas hinterher – alleine schon, weil der Browser weniger häufig aktualisiert wird. Im Vergleich zum Firefox ist außerdem die Anzahl verfügbarer Erweiterungen sehr gering.

Mozilla Firefox

Mozilla Firefox

Mozillas Firefox war die erste ernstzunehmende Herausforderer, nachdem Microsoft die erste Runde um Browserkrieg gegen den Netscape Navigator gewonnen hatte. Der Firefox ist schnell, kann aber im Bereich Javascript-Performance aktuell nicht mehr ganz mit Googles Chrome mithalten. Die Ursprünge des Open-Source-Browsers gehen auf den von Netscape freigegebenen Code des Netscape Navigators zurück – von dem heute allerdings nicht mehr viel übrig sein dürfte.

Stärken und Schwächen: Der Firefox glänzt vor allem durch die Vielzahl von Erweiterungen, an deren Qualität und Anzahl kein anderer Browser herankommt. Damit lässt sich der Firefox so flexibel einrichten wie kein anderer Webbrowser.

Google Chrome

Google Chrome

Seit dem 28. März ist Version 18 von Googles Webbrowser Chrome verfügbar. Als Neuerungen bringt diese Version unter anderem neue Hardware-Beschleunigungen mit. Eine Stärke von Chrome ist nach wie vor die Geschwindigkeit. Besonders bei der Javscript-Performance hat Chrome gegenüber der Konkurrenz einen deutlichen Vorsprung. Das macht sich beispielsweise bei der Nutzung von Cloud-Applikationen wie Google Text und Tabellen bemerkbar. Google selbst bietet den bislang umfangreichsten App Store für Webapplikationen an, die direkt in Chrome ausgeführt werden. Chrome besitzt eine vereinheitlichte Such- und Adressleiste.

Stärken und Schwächen: Chromes Stärke und Schwäche zugleich ist seine aufgeräumtes Optik. Einerseits schafft die Platz für die Inhalte der Websites – andererseits ist sie aber nicht jedermanns Sache. Konfigurations-Freaks werden mit Chrome eher nicht glücklich. Die Nase vorn hat Chrome bei der Geschwindigkeit. Jüngsten Benchmarks zufolge ist vor allem die Performance bei Javascript überragend. Eine weitere Stärke sind die Synchronisations-Fähigkeiten von Chrome. Seit Android 4.0 lassen sich Bookmarks und andere Daten auch auf dem Smartphone oder Tablet mit Android synchronisieren. Eine klare Stärke von Chrome ist auch das Sandboxing-Konzept. So werden beispielsweise Flash-Prozesse bei Chrome isoliert vom restlichen System ausgeführt, damit Schadroutinen nicht übergreifen.

Apple Safari

Auch Apples eigener Browser ist bereits seit längerem nicht mehr nur für das Apple-eigene Mac OS X und iOS verfügbar. Bislang haben sich allerdings nur sehr wenig Windows-Nutzer für den Apple-Weg beim Browsen entschieden. Der Safari basiert auf der Open-Source-Webengine KHTML, die von der Linux-Oberfläche KDE stammt. Apple entwickelte diese zur Webengine Webkit weiter, die heute auch von Googles Chrome genutzt wird.

Stärken und Schwächen: Apples Safari ist nicht ganz so schnell wie Chrome – vor allem bei der Javascript-Performance. Größte Stärke des Browsers ist der Reader-Modus, der Websites mit viel Text ohne Werbung oder störende Navigation anzeigt. Außerdem achtet Apple auf eine gute Unterstützung der Webstandards. Der Safari bestand als einer der ersten Browser Acid- und Acid3-Test.

Opera

Opera ist ein kostenloser Browser der gleichnamigen norwegischen Firma. Frühere Versionen waren nur mit Werbung gratis - die hat Opera aber bereits vor Jahren abgeschafft. Opera richtet sich vor allem an Web-Profis.

Stärken und Schwächen: Opera bietet eine Menge Funktionen für Profis. So lassen sich beispielsweise Mausgesten festlegen, um neue Links auf eine vorher definierte Art zu öffnen. Außerdem können mehrere Fenster innerhalb eines Fensters geöffnet werden. Eine Schwäche ist die inzwischen oft unzureichende Unterstützung des Browsers durch viele moderne Websites. Die eher exotische Engine des Opera-Browsers wird bei der Optimierung von Websites häufig ignoriert. Dadurch werden einige Webangebote fehlerhaft dargestellt.

Epiphany

Epiphany

Epiphany ist der Standard-Browser der grafischen Oberfläche Gnome. Gnome ist eine grafische Open-Source-Oberfläche für Unix-Systeme. Zusammen mit KDE ist es die populärste Oberfläche für das freie Betriebssystem Linux. Obwohl die Mehrzahl der Linux-Distributoren auf Gnome als Standard-Oberfläche setzen, ist Epiphany meist nicht der voreingestellte Standard-Browser, sondern Mozilla Firefox. Eine Ausnahme bildet die bei Profis beliebte Linux-Distribution Debian GNU/Linux. Zur Darstellung von Websites nutzt Epiphany wie Apples Safari und Googles Chrome die Webengine Webkit. Das Design des Programms zielt auf eine möglichst aufgeräumte und einfach zu bedienende Benutzeroberfläche.

iCab

iCab ist einer der wenigen kommerziellen Webbrowser für den Mac. Der Browser ist vor allem für Webentwickler praktisch, da er sich zum Ziel gesetzt hat, ein möglichst standardkonformer Browser zu sein. Abweichungen von gültigen HTML-Standards werden auf Wunsch angezeigt. Eine weitere Stärke des Browsers sind die zahlreichen Filterfunktionen für unerwünschte Inhalte.

iCab ist neben Opera einer der wenigen grafischen Browser, die heute noch eine eigene Webengine nutzen und nicht auf die Engine der großen Browser zurückgreift - also Webkit (Safari, Chrome) oder Gecko (Firefox). Für iPhone, iPad und iPod touch existiert seit dem 29. Februar 2012 eine eigene Version namens iCab Mobile, die jüngst auf Version 5.7 aktualisiert wurde. Die Entwicklung der Desktop-Version verläuft dagegen schleppend. Aktuell ist immer noch Version 4.8a von Ende 2010 – seit dem hat sich in der sonstigen Browser-Welt einiges getan.

Lynx

Lynx ist ein Webbrowser, der nur Text darstellt – und ein echtes Urgestein der Browserwelt. Seine Wurzeln gehen zurück bis in das Jahr 1992. Damit dürfte er der Browser mit der längsten Enwticklungsgeschichte sein, der heute noch verbreitet ist.

Lynx wurde für die Kommandozeilen-Ansicht von Unix-Systemen und Unix-artigen Systemen wie Linux entwickelt. Der kostenlose Open-Source-Browser ist aber schon lange auch für Windows-Systeme erhältlich.

Praktisch ist Lynx für alle, die Ihre Website auf Barrierefreiheit testen wollen. Blinde haben zur Orientierung auf einer Website nur den Text. Mit Lynx lässt sich die eigen Website daher wunderbar auf eine problemlose Navigation testen: Ist Navigation auch ohne Bilder nutzbar? Haben alle verwendeten Bilder einen aussagkräftigen Alternativ-Titel (Alt-Tag), damit ihr Sinn auch von Blinden verstanden wird?

w3m

w3m

Wie Lynx ist auch w3m ein reiner Text-Browser – allerdings etwas komfortabler als dieser. So werden von w3m beispielsweise Tabellen verstanden und in der Darstellung der Website berücksichtigt.

Unterdessen dreht sich das Rad der Browserentwicklung bei Mozilla und Google immer schneller. Google bestimmt dabei inzwischen mit seinem erste Ende 2008 gestarteten Browser den Takt der Entwicklung auch bei der Mozilla-Stiftung, die den Firefox-Browser entwickelt. In nicht einmal vier Jahren hat Google ganze 18 Versionen von Chrome veröffentlicht. Seit Version 5 vom Juni 2011 dreht sich auch das Rad bei Firefox immer schneller. Seit dem wurden ganze fünf Versionen veröffentlicht, sodass der Mozilla-Browser inzwischen in Version 10 aktuell ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×