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15.03.2012

11:55 Uhr

Websuche

Google soll verstehen lernen

Revolution bei der Websuche von Google: Statt Listen blauer Links will Google künftig echte Antworten auf die Fragen der Nutzer liefern - und damit bessere Treffer. Es ist der Einstieg in die „semantische Suche“.

Der Internet-Riese plant eine der bislang größten Änderungen seiner Suche. Reuters

Der Internet-Riese plant eine der bislang größten Änderungen seiner Suche.

New YorkGoogle will seine Suchtechnologie generalüberholen und den Nutzern künftig bessere und treffsichere Fakten liefern. Der Internetkonzern arbeite zur Zeit an einem massiven Umbau der Suchfunktionalitäten, berichtete das „Wall Street Journal“ am Donnerstag. Die Suchmaschine soll dabei besser verstehen, wonach der Nutzer tatsächlich sucht.

Die Suche solle sich künftig danach ausrichten, wie Menschen die Welt verstehen, sagte Google-Manager Amit Singhal der Zeitung. Bislang habe man immer nur hoffen können, dass es irgendwo da draußen eine Website gibt, die tatsächlich die Antwort auf eine gestellte Frage enthält. Eine konkrete Frage nach den zehn tiefsten Seen in den USA etwa kann Google zwar beantworten. Die Antwort wird aber anhand der Schlüsselwörter generiert. Die Maschine wisse nicht, was Tiefe oder was ein See ist, erklärte das Unternehmen.

Was sich bei Google verändert hat

Google+ wird Pflicht

Hinter den Kulissen hat Google unbemerkt den Wachstums-Turbo für sein soziales Netzwerk Google+ eingeschaltet: Durch die Zusammenlegung mehrerer Dienste gibt es nur noch einen Google-Account. Wer sich bei einem Google-Service anmeldet – sei es die Videoplattform Youtube, Google Mail oder Google Text & Tabellen – wird mit den anderen Google-Services ebenfalls zwangsbeglückt. „Ihr Google-Konto umfasst mehr als nur Google Mail“, heißt es beispielsweise bei der Anmeldung zu dem Google-Dienst. Derselbe Text wird auch bei Youtube und anderen Google-Diensten angezeigt.

Einheitlicher Datenschutz

Google ändert seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern.

Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt heute 70 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Die Stiftung Warentest kritisiert die Bestimmungen als zu vage.

Panda-Update für das Ranking

„Panda“ heißt das jüngste und bisher radikalste Update in Googles Ranking-Mechanismus, mit dem der Suchmaschinengigant Suchmaschinen-Manipulatoren den Kampf ansagt. Im Februar 2011 traf es bereits viele englischsprachige Seiten in den USA, kurz darauf folge Großbritannien. Es gilt vor allem sogenannten „Content-Farmen“ - Websites, in der eine Vielzahl freier Mitarbeiter Texte wie am Fließband produzieren, die vor allem darauf abzielen, mittels bestimmter Schlüsselworte bei Google gefunden zu werden. Die Firmen wollen somit einen hohen Anteil an Google-Besuchen erzwingen und mit Online-Werbung Geld verdienen.

Google wird persönlicher

Unter dem Namen „Search, plus Your World“ (Suche - plus Deine Welt) kündigte Google im Januar 2012 an, die Suchergebnisse künftig stärker zu personalisieren.  „Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“, so Google. Noch ist es nur in der englischen Suche umgesetzt. Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurde. Ein Google-Manager erläuterte die Funktionsweise am Beispiel seines Schnautzer-Hundes Chikoo. Eine normale Suche bei google.com nach dem Begriff „Chikoo“ liefere derzeit vor allem Hinweise auf den Breiapfelbaum, der in Indien und Pakistan Chikoo genannt wird. Künftig könne er aber mit Hilfe der Suchmaschine auch schnell die Bilder aufstöbern, auf denen sein Hund zu sehen sei.

Veränderungen im Kleinen

Google schraubt ständig im Kleinen an den Google-Funktionalitäten herum. So wurde die Video-Suche in der Status-Bar durch eine Suche ersetzt, die nur noch Videos auf Googles eigener Plattform Google findet. Die eigentliche Videosuche lässt sich aber noch über http://www.google.com/videohp aufrufen. Ebenfalls geändert hat sich das Verhalten beim Wechsel von der Websuche auf Google News. Die Eingaben der Websuche gehen dabei verloren. Ebenfalls relativ neu ist die Umwidmung des Suchoperators +. Dieser dient nun dazu Profile aus Googles sozialem Netzwerk Google+ aufzurufen, statt eine wortgetreue Suche zu erzwingen. Diese lässt sich aber noch durchführen, indem das Wort in Anführungszeichen gesetzt wird.

Dabei geht es vor allem um die sogenannte semantische Suche: Statt einer Liste von Links soll der Anwender im Laufe der nächsten Monate mehr und mehr Fakten präsentiert bekommen, indem die Suchmaschine das Bedeutungsumfeld der Begriffe besser einordnet. Mit einer verbesserten Suchformel sollen neben der herkömmlichen Suche auch speziell Fragen nach Personen, Orten und Dingen erkannt werden. Singhal bestätigte im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ Kernaussagen eines Artikels des US-Blogs Mashable, das bereits im Februar über die anstehenden Veränderungen bei der Google-Suche berichtet hatte.

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Als Beispiele nennt die Zeitung etwa die Suche nach dem Namen „Google“. Die semantische Suche wäre in der Lage, das Unternehmen auch mit seinen Gründern Larry Page und Sergey Brin in Verbindung zu bringen und entsprechende Treffer anzuzeigen. Eine Suche nach dem Begriff „Lake Tahoe“ könnte statt einer langen Linkliste zunächst Fakten liefern, die Google über den See auf der Grenze der US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien kennt, wie etwa Details zu Lage und Höhe des Sees oder die Durchschnittstemperatur und der Salzgehalts des Wassers.

Kommentare (5)

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DaU

15.03.2012, 12:32 Uhr

Google Inc. hat schon längst verstanden.

serw

15.03.2012, 14:06 Uhr

DAS ist der erste Schritt alle SEO und andere Werbespezialisten gegen die Wand rennen zu lassen.
Goggle kontrolliert alle Antworten noch mehr und gibt erstmal die infos ab die es für wichtig hält. die Tragweite dieser Änderung ist größer als eion Laie denken mag

Das Ende der freien suche war schon lange eingeläutet worden.

weltenbrand

15.03.2012, 14:50 Uhr

@ serw

"Das Ende der freien Suche war schon lange eingeläutet worden." - Jetzt offenbart sich doch nur die banale Tatsache, dass Google immer schon vorrangig nur eins war: eine simple Werbeagentur, "gehyped" alias aufgeblasen zum "Master of the Universe".

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