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22.08.2011

14:33 Uhr

Whistleblower-Schlammschlacht

Aussteiger schreddert Wikileaks-Dateien

VonStephan Dörner

Wikileaks-Gründer Julian Assange und Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg teilen dieselben Ideale - und führen dennoch einen erbitterten Streit. Eine Auseinandersetzung, die die Hacker-Szene lähmt.

Bei Julian Assange in Ungnade gefallen: Daniel Domscheit-Berg. dpa/picture alliance

Bei Julian Assange in Ungnade gefallen: Daniel Domscheit-Berg.

DüsseldorfDer Streit zwischen Wikileaks-Gründer Julian Assange und die ehemalige Nummer zwei der Wistleblower-Plattform, Daniel Domscheit-Berg, ist endgültig eskaliert. Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg

zerstörte mehr als 3500 unveröffentlichte Dateien, die er beim Verlassen der Enthüllungsplattform mitgenommen hatte. Er habe die Dateien „in den letzten Tagen geschreddert, um sicherzustellen, dass die Quellen nicht gefährdet werden“, sagte Domscheit-Berg dem „Spiegel“.

Nach Angaben von Wikileaks enthielt das bis August 2010 zurückgehende Material unter anderem 60.000 E-Mails der rechtsextremen NPD und „Interna von rund 20 Neo-Nazi-Organisationen“. Außerdem seien darunter fünf Gigabyte an Daten der Bank of America gewesen, erklärte Wikileaks über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.

Damit gewinnt der Streit zwischen den führenden Köpfen der Whistleblower-Szene eine neue Qualität. Ein Streit, der auch vor dem Hintergrund zwei völlig unterschiedlicher Persönlichkeiten eskalierte. Der Australier Julian Assange gilt als schillernder Kopf der Enthüllungs-Plattform, steht gerne im Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit – und spart nicht mit großen Worten. Die klassischen Medien hätten versagt und ausgedient, verkündete er beispielsweise einmal – um dann später allerdings doch wieder mit ihnen zu kooperieren. Gerne verbreitete er in der Vergangenheit Mythen über seine Plattform Wikileaks, beispielsweise, die Plattform sei von chinesischen Dissidenten gegründet worden.

Ganz anders der Auftritt von Daniel Domscheit-Berg, der lange die Nummer zwei bei Wikileaks war. Bescheiden, fast schüchtern, wirkt er vor Medien und im Gespräch. Domscheit-Berg spricht bedächtig, leise, jeder seiner Sätze wirkt wohl überlegt.

Zwischen dem zurückhaltenden deutschen Informatiker und dem exzentrischen australischen Ex-Hacker entwickelte sich dennoch eine tiefe Freundschaft. Beide teilen dieselben Ideale. Es sind die Ideale der Hackerszene, deren zentrale Leitidee lautet: Informationen sollen frei sein. Damit Regierungen und Konzerne nicht länger ihre vermeintlich schmutzigen Geheimnisse vor der Öffentlichkeit verstecken können, gründete Assange eine Website, der Insider einfach anonym Informationen zuspielen können. Das faszinierte Domscheit-Berg bereits zu einer Zeit, als der Name Wikileaks noch völlig unbekannt war.

Kommentare (1)

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Pentdler

22.08.2011, 15:36 Uhr

Man kann aber auch echt die Sache verkomplizieren.

Wikileads wurde zuletzt genutzt, um die Unruhen im arabischen Lager zu initiieren. Das ist gelungen, also wird man auch wikileads nicht mehr benötigen.

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan,
er kann gehen.

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