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09.09.2011

15:06 Uhr

Wikileaks

Julian Assange und der arabische Frühling

Julian Assange enthüllt in einem Interview eine neue Seite: Als Wikileaks-Gründer sieht er sich offenbar als Wegbereiter der Protestbewegung in der arabischen Welt. Ansonsten teilt er gegen alte Feinde kräftig aus.

Wikileaks-Gründer Julian Assange. dapd

Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Düsseldorf/MünchenDie Arbeit der Enthüllungsplattform Wikileaks hat nach Meinung ihres Gründers maßgeblich zum arabischen Frühling beigetragen. „Das heißt nicht, dass unser Beitrag die Arbeit, den Mut und die Opfer der Aktivisten schmälert“, so der Australier im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Tunesier und Ägypter hätten über die Zustände in ihren Ländern durchaus Bescheid gewusst. „Die eigentliche Enthüllung war, dass Washington all das ebenfalls wusste. So konnte man die Korruption und die Folter nicht nur in den Ländern selbst, sondern auch in den USA und Europa nicht mehr leugnen, wo man diese Regimes ja unterstützt hat.“ Die externe Unterstützung der Regimes sei somit zur gleichen Zeit zusammengebrochen wie die interne.

Den wichtigsten Beitrag von Wikileaks sieht Assange darin, das Internet politisiert zu haben. „In fast jedem Land der Erde finden Sie eine junge Generation, die mit dem Internet groß geworden ist und unserer Ideologie folgt, dass das Recht der Menschen, frei zu kommunizieren, ein Grundrecht ist“. Assange sieht hier einen Konflikt zwischen Menschen, die „vom Fernsehen indoktriniert“ wurden und anderen, die „vom Internet geprägt wurden“. China sei dank des Internets das nächste Land auf der Schwelle zu Veränderung.

Assange: Domscheit-Berg war ein Spitzel

Ansonsten teilt Assange in dem Interview mit gewohnt heftigen Worten aus. „Angriffe staatlicher Institutionen auf Webseiten sind Kriegsverbrechen, genauso wie auf jede andere zivile Infrastruktur“, so der Australier. Nach der Veröffentlichung über China seien Angriffe auf Wikileaks beobachtet worden, die von Regierungsrechnern lanciert worden sind. Auch die US-Regierung griff er erneut scharf an. Die USA seien die „größte Spionagebehörde der Welt“. „Das Ausmaß der Überwachung ist unglaublich“.

Durch das Embargo der großen Zahlungsanbieter Paypal, Visa und Mastercard sieht Assange zudem die finanzielle Grundlage von Wikileaks gefährdet: „Das hat uns 90 Prozent unserer Einkünfte gekostet.“

Doch nicht nur auf China, die USA und Paypal ist der Mann zornig, der Konzerne und Geheimdienste zittern lässt. Vor allem gegen die ehemalige Nummer zwei bei Wikileaks, den Deutschen Daniel Domscheit-Berg, teilt er heftig aus. „Ich glaube, Domscheit-Berg ist ein Informant der Polizei“, so Assange – auch wenn er dafür auf Nachfrage keinen echten Beleg liefern kann. Erneut wirft er seinem ehemaligen Mitstreiter vor, unersetzbares Material mitgenommen und zerstört zu haben.

Assange steht derzeit in England unter Arrest. Ihm wird sexuelle Nötigung vorgeworfen.

Kommentare (1)

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09.09.2011, 15:40 Uhr

Die Idee mit den Enthüllungen der Regierungsschweinereien auf der ganzen Welt (vor allem aber den USA) finde ich gut und längst überfällig. Das man Assange das Beinn stellen will auch. Ich finde es aber daneben wie weit sich Assange nun aus dem Fenster lehnt, und sich unheimlich als Wichtigtuer (der er ja seit langem ist) und Messias dazustellen versucht.

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