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17.01.2012

14:49 Uhr

Wikipedia protestiert gegen Zensur-Gesetz

Darf ein Lexikon streiken?

VonStephan Dörner

Weltwissen mischt sich in die Politik ein: Das Online-Lexikon Wikipedia sieht sich durch zwei geplante US-Gesetze  bedroht und schaltet sich daher für 24 Stunden aus Protest selbst ab. Andere große Websites machen mit.

Die englische Version der Online-Enzyklopädie wird für 24 Stunden offline gehen, um den Protest der Aktivisten gegen SOPA zu unterstützen.

Die englische Version der Online-Enzyklopädie wird für 24 Stunden offline gehen, um den Protest der Aktivisten gegen SOPA zu unterstützen.

DüsseldorfDie Administratoren der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia fühlen sich bedroht: Beide Kammern des US-Kongresses diskutieren derzeit Gesetz, um den Kampf gegen Urheberrechts-Verletzungen im Internet zu verschärfen. Das Repräsentantenhaus debattiert über ein geplantes Gesetz namens Stop Online Piracy Act, kurz SOPA, der Senat diskutiert ein ganz ähnliches Gesetz unter dem Namen Protect IP Act, kurz PIPA. Damit die Entwürfe Gesetz werden, müssten beide Kammern des US-Kongresse - Repräsentantenhaus und Senat - sich auf einen Gesetztext einigen.

Beide Gesetz zielen dabei auf jene illegale Inhalte ab, auf welche die US-Justiz keinen direkten Zugriff hat. Deshalb richten sie sich an all jene, die Nutzern den Zugang zu solchen Inhalten ermöglichen. Das sind neben den DNS-Servern, die einer bestimmten Webadresse die passende IP-Adresse zuordnen auch Suchmaschinen – und als solche würde laut Wikipedia auch das Online-Lexikon gelten. „Als solche wäre die Wikipedia verpflichtet, all die Weblinks, die z.B. zum Verweis auf Quellen dienen, regelmäßig auf mögliche Urheberrechtsverstöße auf allen Unterseiten der verlinkten Websites zu überprüfen und gegebenenfalls zu entfernen“, schreiben die Wikipedia-Administratoren. Ansonsten könne die Website durch das neue Gesetz gesperrt werden.

Das Ziel des Gesetzes: SOPA und PIPA sollen Urheberrechtsverletzungen im Internet auch dann stoppen, wenn US-Behörden keinen Zugriff auf die Server haben, auf denen das illegal kopierte Material liegt. Nicht nur Netzaktivisten kritisieren den Gesetzentwurf scharf – auch Google, Twitter und zuletzt sogar US-Präsident Barack Obama fürchten um die Freiheit im Netz.

Ähnlichkeiten zur deutschen Debatte

Der Plan und die Diskussion darüber erinnern an die deutsche Netzsperren-Debatte, als die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen Seiten mit kinderpornografischen Inhalten aus dem Ausland sperren lassen wollte. Auch technisch sollen die Gesetze funktionieren wie die inzwischen gescheiterte deutsche Netzsperren-Initiative. Server, die für das Domain Name System (DNS) verantwortlich sind, sollen so manipuliert werden, dass sie einer Webadresse nicht mehr die richtige IP-Adresse zuordnen. Für alle, die sich mit dem Internet auskennen, sind solche Sperren leicht zu umgehen – sie tragen einfach einen alternativen DNS-Server in ihrer Konfiguration ein, notfalls aus dem Ausland.

Kommentare (4)

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Zutexter

17.01.2012, 16:53 Uhr

Das freieste Land der Erde? Vom Hubschrauber aus, in fernen Ländern nimmt man sich alle Freiheiten und wer es kritisiert, der ist gegen die Verteidigung der Freiheit.

Note

17.01.2012, 17:38 Uhr

Weltwissen? Lexikon? Wenn dieses hochgefährliche Werk, weil vielfach einfach falsch und bewusst manipuliert, vom Netz ist, ist das das das Beste, was der Menschheit passieren kann. Wie schrieb eine deutsche Computerzeitschrift: Wenn Sie richtige Informationen wollen, müssen Sie woanders schauen. Wer bitteschön auf der Welt will denn keine richtigen Informationen?

dummfug_

17.01.2012, 18:03 Uhr

Wie bitte? Jede Studie bisher belegte durchgehend gute Artikel. Und die Fehlerhäufigkeit/Artikel ist geringer, als beim Brockhaus. Dazu kommt die Tatsache, dass du die "bewusste Manipulation" jeder Zeit auf den Diskussionsseiten besprechen oder eben die Artikel selbst editieren kannst. Nützt das alles nicht, dann steht dir als ultima ratio die Löschdiskussion zur Verfügung.

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