Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

09:18 Uhr

Windows Vista

Bills Hängepartie

VonJens Koenen und Joachim Hofer

Windows Vista ist ab heute auch für Privatkunden erhältlich. Die Erwartungen von Microsoft und der Computerbranche generell sind gedämpft: Unternehmen und Verbraucher lassen sich Zeit mit der Umrüstung auf das neue Betriebssystem - und schauen sich nach Alternativen um.

Der Screenshot zeigt die 3-D-Flip-Funktion des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows Vista, hier in der Variante Home Premium. Quelle: dpa

Der Screenshot zeigt die 3-D-Flip-Funktion des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows Vista, hier in der Variante Home Premium.

REDMOND. Das waren noch Zeiten: Als Microsoft vor mittlerweile über 20 Jahren die ersten Versionen seines Betriebssystems Windows auf den Markt brachte, standen die Kunden vor den Kassen Schlange. Daraus wird dieses Mal wohl nichts. Auch wenn morgen mit dem Betriebssystem Vista, dem XP-Nachfolger, sowie der neuen Bürosoftware Office 2007 der größte „Produktlaunch in der Geschichte von Microsoft“ stattfinden wird, rechnen Marktforscher mit einem verhaltenen Verkaufsstart.

„Es wäre schön, aber ich glaube nicht, dass Vista in den nächsten Monaten den großen Schub bringen wird“, sagt Meike Escherich, PC-Analystin beim Marktforschungsinstitut Gartner. Dabei sind die Voraussetzungen gar nicht so schlecht. Auf rund 95 Prozent aller ausgelieferten Rechner wird derzeit ein Betriebssystem von Microsoft vorinstalliert. Das sollte eigentlich gute Geschäfte versprechen – für Microsoft, aber auch für die gesamte PC-Industrie. Denn Vista – als quasi Herz-Kreislaufsystem eines Computers – ist anspruchsvoll, braucht viel Arbeitsspeicher. Microsoft selbst hat vorgerechnet, dass nur rund ein Fünftel der derzeit 900 Millionen Rechner weltweit für Vista tauglich sind.

Doch die Kunden werden wohl erst nach und nach umstellen. Daran wird auch die Gutschein-Aktion von Microsoft nichts ändern. Weil sich die Einführung von Vista mehrfach verzögerte – eigentlich sollte das Programm bereits vor gut zwei Jahren auf den Markt kommen –, hatte der Konzern im wichtigen Weihnachtsgeschäft Gutscheine für ein „upgrade“ auf Vista verteilt. „Die Aktion sollte man nicht überbewerten. Fakt ist: Die Kunden wissen nicht, was Vista bringt. Auch die Verkäufer beklagen den Mangel an Informationsmaterial“, moniert Escherich von Gartner.

Auch eine andere Hoffnung wird sich wohl in Luft auflösen: Eigentlich sollte dank Vista der ruinöse Preiskampf in der PC-Branche eine Pause einlegen. Doch schon heute ist klar, dass daraus nichts wird. Die Kunden können sich freuen: Sie werden für die neuen Geräte kaum mehr bezahlen müssen. Entsprechend bescheiden sind mittlerweile die Erwartungen der Computerbranche.

„Den riesigen Aufschwung wird Vista sicher nicht auslösen“, sagt Thomas Karg, Marketingmanager von Fujitsu-Siemens Computers (FSC). Europas größter PC-Hersteller rechnet zwar damit, dass sich das Geschäft mit Privatkunden in diesem Frühjahr belebt. „Vista ist auf allen Rechnern vorinstalliert“, sagt Karg. Dafür hielten sich die Unternehmen, die Vista bereits seit Ende November erwerben können, derzeit noch auffallend zurück: „Die Umstellung in den Firmen wird dauern.“ Das bestätigt Gartner-Analystin Escherich: „Die großen Unternehmen brauchen noch 18 Monate für die Prüfung, ob etwa ihre Anwendungen reibungslos laufen.“ Hinzu kommt: „Bei vielen Konzernen stehen ganz andere Themen oben auf der Agenda“, sagt Tobias Ortwein, Analyst des Münchener IT-Beratungshauses Pierre Audoin Consultants. So würden die Firmen momentan verstärkt ihre betriebswirtschaftliche Software erneuern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×