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27.01.2010

16:18 Uhr

Wunderwaffe

iTunes bleibt das Maß aller Dinge

VonAxel Postinett

Wann immer Apple ein Produkt vorstellt, so wie nun die neue Wunderflunder Tablet, die Aufmerksamkeit und der Hype gehören der Hardware. Doch das wahre Killerprodukt lauert im Hintergrund: iTunes, Steve Jobs' Wunderwaffe, vor der es kein Entrinnen mehr gibt.

iTunes ist längst nicht mehr nur für den iPod wichtig. Quelle: ap

iTunes ist längst nicht mehr nur für den iPod wichtig.

SAN FRANCISCO. Jetzt soll angeblich ein neues Gerät einen neuen Hype auslösen. Der kalifornische Web-Guru, Start-up-Gründer und Multimillionär Jason Calacanis veröffentlichte am Mittwoch auf seinem Twitter-Konto ein paar Stunden vor der Präsentation angebliche Details des neuen Apple-Tablets. Das habe er seit zehn Tagen testen dürfen, um nun im Auftrag von Jobs Werbung zu machen.

Das Gerät, dessen Namen er noch nicht nennen dürfe, werde angeblich in drei Größen ab 599 Dollar erhältlich sein, einen stromsparenden OLED-Bildschirm haben, zwei Videokameras, einen HDTV-Tuner, 3G-Mobilfunk und WLan. Die Mobilfunkprovider AT&T sowie Verizon werden es vertreiben. Und nicht zu vergessen: "Es ist fantastisch für Zeitungen und Magazine geeignet", schwärmt Calacanis. "Vanity Fair" und "New York Times" will er schon in Farbe lesen.

Bücher aus dem iTunes-Store?

Alles erlogen? Vielleicht. Aber immerhin: Zwei Mitarbeiter des New Yorker Traditionsblatts arbeiten seit Wochen auf dem Apple-Campus in Cupertino mit, um dem Produkt den letzten Schliff zu verleihen. Ob die Hardwaredetails stimmen, sei dahingestellt. Aber welcher neue oder alte Inhalt auch immer mit dem Tablet kommen wird, er wird über iTunes vertrieben werden. Über 8,5 Mrd. verkaufte Musikstücke seit 2003 machen iTunes zum weltweit größten Online-Musikhändler. Dazu kommen drei Mrd. Downloads von iPhone-Apps. "Dieser Erfolg hat regelrechte Schockwellen durch die Mobile-Software-Industrie gesendet", stellt etwa Patrik Pfander von Futuresource anerkennend fest.

Apple habe 70 Prozent des Marktes in der Hand, den die britischen Marktforscher bis 2013 auf rund 15 Mrd. Dollar anwachsen sehen. Dazu kommen TV-Shows, Hollywood-Filme und bald auch Apps für das Tablet sowie Bücher und Zeitungen. Das "Wall Street Journal" will wissen, dass Hardcover-Bücher auf dem Gerät zwischen 12,99 und 14,99 Dollar kosten werden. Der Verlag bekommt 70 Prozent des Preises und Apple behält 30 Prozent für seine Distribution.

Mit solch klaren Vereinbarungen und simplen Preismodellen wie dem 99-Cent-Song hat Apple die verschlafene und selbstzufriedene Musikindustrie in eine digitale Goldgrube verwandelt und Gegner wie Sony oder Microsoft vom Markt gefegt. iPhone und iPod müssen mit iTunes befüllt werden, andere Geräte dürfen nicht dran, und andere Software darf nicht auf iPhones. Eine Abhängigkeit, die für Verlage ein großer Nachteil sein kann.

Kommentare (1)

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vaettchen

28.01.2010, 08:50 Uhr

Kein Mensch braucht iTunes und einen iPod.

Es sind die Verbraucher, die sich freiwillig in Abhaengigkeit begeben und dammit dafuer sorgen, dass sich Apple's Taschen fuellen. Dabei gibt es Musik satt ohne Digital Restriction, und Player, die mehr koennen und billiger sind als Apple's blendstueck.

Mit ACTA vor der Tuere wird es wichtiger denn je, NEiN zu sagen zu all denen, die uns Verbrauchern die Rechte ueber das, was wir gekauft haben, beschneiden wollen.

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