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24.02.2012

08:37 Uhr

Zugeständnisse beim Datenschutz

Internetfirmen legen sich selbst an die Kette

VonAstrid Dörner, Axel Postinett

Große US-Internetfirmen machen Zugeständnisse beim Datenschutz. Der Vorstoß fällt zusammen mit einer Reihe von neuen Initiativen für mehr Transparenz und Sicherheit. Doch der Netzgemeinde geht das nicht weit genug.

Mobilfunkmesse Mobile World in Barcelona: Die Selbstverpflichtung der US-Internetkonzerne geht vielen Nutzern nicht weit genug. dpa

Mobilfunkmesse Mobile World in Barcelona: Die Selbstverpflichtung der US-Internetkonzerne geht vielen Nutzern nicht weit genug.

New York/San FranciscoEs ist ein wachsweicher Vorstoß: Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung will die kalifornische Generalstaatsanwältin Kamala Harris den Wildwuchs beim Missbrauch privater Daten durch Smartphone- oder Tablet-Software bekämpfen. Allerdings gibt es auch in Zukunft keine Einschränkungen bei der Möglichkeit, etwa komplette Adressbücher von den Mobilgeräten auszulesen und auf Firmenservern zu speichern. Die Softwareanbieter müssen dies nur ausdrücklich ankündigen und sich die Zustimmung des Kunden holen. Den Internetnutzern bleibt kaum eine Wahl: Verweigern sie die Zustimmung, wird die gesamte Software nicht installiert.

Die Betreiber der Plattformen für das Herunterladen kleiner Anwendungsprogramme wie etwa Apples App Store müssen zudem die Softwarehersteller verpflichten, Regeln für den Datenschutz in ihre Apps aufzunehmen. Ist dies erst einmal geschehen, lassen sich Verstöße gegen diese Regeln juristisch nach dem kalifornischen Online Privacy Protection Act ahnden. Alle Branchengrößen von Apple über Google und Microsoft bis zu Amazon, HP und RIM hätten dem Vorschlag zugestimmt, erklärte Harris.

Markt für Apps

App Store

Pionier beim Einsatz von Miniprogrammen ist Apple. Für den Smartphone-Renner iPhone gibt es mehr als eine halbe Million Apps. Sie werden über den konzerneigenen App-Store angeboten und von Apple überprüft. Fürs iPad gibt es mehr als 160 000 Anwendungen.

Android Market

Größter Konkurrent ist die App-Plattform für Smartphones, die auf dem Betriebssystem Android laufen. Die dort angebotene Zahl von Applikationen ist mittlerweile genauso hoch wie beim App Store, da sich die Android-Handys rasant verbreiten. Hinter diese beiden Marktplätze fallen die Angebote von Blackberry oder Microsoft weit zurück.

Im Internet hält sich die Freude über die Neuregelung allerdings in Grenzen. „Datenschutzbestimmungen schützen die Privatsphäre nicht“, kritisiert Marc Rotenberg vom Electronic Privacy Information Center. „Es wäre besser gewesen, den Zugriff auf Privatdaten auf das zum Betrieb der App notwendige Maß zu beschränken“, erklärte er dem Nachrichtendienst Cnet.

In den vergangenen Monaten haben sich Fälle gehäuft, in denen Internetkonzerne ungefragt und im großen Stil Daten ihrer Nutzer gesammelt haben. Das hat Internetnutzer, Politiker und Regulierungsbehörden aufgeschreckt, das Thema Datenschutz wird derzeit in den USA heiß diskutiert. Der Vorstoß aus Kalifornien fällt zusammen mit einer Reihe von neuen Initiativen für mehr Transparenz und Sicherheit, die US-Präsident Barack Obama gestern angekündigt hat.

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