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06.06.2011

11:33 Uhr

Zukunftstrend Cloud-Computing

Die riskante Milliardenwette der IT-Konzerne

VonJens Koenen

Cloud-Computing ist der Trend schlechthin bei den IT-Riesen. Die Investitionen in die wolkige Hoffnung kosten die Unternehmen Milliarden. Doch ein Flop ist nicht ausgeschlossen.

Den enormen Investitionen in Cloud Computing steht die Hoffnung auf lukrative Umsätze gegenüber. Quelle: dpa

Den enormen Investitionen in Cloud Computing steht die Hoffnung auf lukrative Umsätze gegenüber.

FrankfurtDer Softwarekonzern Microsoft setzt einen hohen Einsatz auf eine Karte. Und die heißt Cloud-Computing. Bei dem vielbeschworenen Megatrend der IT-Branche mieten Unternehmen und Privatleute Speicherkapazität, Rechenleistung und PC-Programme aus dem Internet, statt sie wie bislang selbst zu kaufen. Die IT-Firmen bieten die Kapazitäten auf Abruf an, müssen dafür aber mit Milliardeninvestitionen in Vorleistung gehen.

"Wir investieren stark in Rechenzentren und haben ein System aufgebaut, um gegen Ausfälle gerüstet zu sein. Wir sind vorbereitet", sagt Kurt DelBene, bei Microsoft weltweit verantwortlich für die Bürosoftware Office, dem Handelsblatt. Er gehört als Nachfolger des auf den Nokia-Chefposten gewechselten Stephen Elop zum Führungsteam um Microsoft-Chef Steve Ballmer. Doch der Top-Manager hat ein Problem. Wie schnell sich die Investitionen rechnen, ja, ob sie sich überhaupt rechnen, das weiß keiner. "Es ist Spekulation, wie schnell der Wechsel gehen wird", räumt er freimütig ein.

Microsofts Problem ist das einer ganzen Branche. Mit IBM, Hewlett-Packard, Google, Amazon oder SAP haben fast alle IT-Riesen ihre Geldbeutel für die wolkige Hoffnung weit geöffnet. Gerade erst hat der neue HP-Chef Léo Apotheker erklärt, den Konzern stärker auf die Cloud (Englisch für Wolke) ausrichten zu wollen. SAP ist vor wenigen Tagen mit dem Computer-Hersteller Dell eine Partnerschaft in Sachen Cloud eingegangen. Die Unternehmen investieren massiv in einen Trend, von dem niemand weiß, ob er überhaupt kommt. Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft.

Denn eines ist schon heute klar: Es ist eine teure Wette. Microsoft-Chef Ballmer hat Milliardeninvestitionen angekündigt. Allein die erforderlichen Rechenzentren verschlingen Unsummen. In Chicago hat Microsoft ein neues Datencenter mit gewaltigen Dimensionen eröffnet. Die Rechner stehen dabei in Transportcontainern und können enger zusammengerückt werden, wenn die Nachfrage steigt und neue Rechner hinzukommen müssen. Noch aber ist jede Menge Platz in den Containern der Zukunft.

Über 500 Millionen Dollar gibt der IT-Riese allein für das Datenwunder in Chicago aus. Hinzu kommen ähnliche Investments an anderen Plätzen rund um die Erde. Auch die Vermarktung des neuen Trends kostet Geld. Allein in Deutschland hat Microsoft dafür 100 Millionen Euro bereitgestellt.

FAQ: Was ist Cloud Computing?

Virtualisierung

Die Virtualisierung von Servern ist bereits seit vielen Jahren ein anhaltender Trend, auf den heute kaum ein Unternehmen bei der Nutzung seiner IT verzichten möchte. Virtualisierung erlaubt eine deutlich flexiblere Nutzung der Hardware: Ein Server wird dabei aufgeteilt in beliebig viele virtuelle Server. Unter dem Betriebssystem Linux wird dabei vor allem auf die bekannten Virtualisierungs-Lösungen Xen und KVM zurückgegriffen. Virtualisierung ist eine wichtige technologische Voraussetzung für das Cloud Computing – doch nicht dasselbe. Beim Cloud Computing geht es um den gesamten Prozess des flexiblen Bereitstellens von Rechenressourcen, Daten und Anwendungen über eine standardisierte Schnittstelle.


Cloud Computing

Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es nicht. Cloud Computing beschreibt kein komplett neues Prinzip, sondern den technologischen Trend, IT-Ressourcen nur dann auf Bedarf über ein Netzwerk bereitzustellen und abzurechnen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Die eigentliche Arbeit läuft auf den Servern, Endgeräte können auch Smartphones oder Netbooks sein, die selbst nur über vergleichsweise geringe Prozessor- und Speicherausstattung verfügen.

Um die IT-Ressourcen dynamisch - also je nach Bedarf - anzubieten, werden sie per Software abstrahiert. Statt eines echten Servers mietet man beispielsweise eine sogenannte virtuelle Maschine, deren Speicher- und Prozessorausstattung sich dynamisch den Anforderungen entsprechend vergrößert oder verkleinert. Rechenkraft aus der Cloud ist damit deutlich skalierbarer, als eine herkömmliche IT-Infrastruktur: Bei Spitzenlasten stehen Ressourcen sofort zur Verfügung, werden die Ressourcen nicht benötigt, müssen sie auch nicht bezahlt werden.

Aus dieser Abstraktion leitet sich wohl auch der Begriff ab: So wurden in Powerpoint-Präsentationen abstrahierte Netzwerke aus Computern häufig schwammig als Wolke dargestellt, um sich die Details des Netzwerks zu sparen - ebenso, wie ein Cloud-Kunde sich nicht mehr um die Details seiner IT-Infrastruktur kümmern muss.

Bei der Cloud gibt es alles "as a Service", also auf Abruf - Rechenkraft und Speicher (Infrastructure as a Service), Plattformen samt Programmierumgebung (Platform as a Service) und Software (Software as a Service). Die genannten Ansätze bestehen auch parallel zum Cloud Computing - die Cloud vereint sie alle.

Infrastructure as a Service (IaaS)

Infrastructure as a Service ist die "nackteste" Form des Cloud Computings: Gemietet werden nur reine Rechenkraft und Datenspeicher nach Bedarf. Dazu werden die Server beim Cloud-Anbieter virtualisiert: Statt physikalisch vorhandener Einzelserver mietet der Kunde eine oder viele virtualisierte Umgebungen, die je nach Bedarf mehr oder weniger Speicher und Prozessorleistung zugeteilt bekommen.

Platform as a Service (PaaS)

Bei der Platform as a Service (PaaS) mietet der Kunde mehr als nur die nackte Rechenkraft mit Betriebssystem - es ist bereits eine Laufzeitumgebung wie Microsofts Azure-Plattform oder Googles Programmierschnittstelle vorhanden.

Software as a Service (SaaS)

Software as a Service (SaaS) bezeichnet die Bereitstellung von Software, die auf Servern ausgeführt wird. Je nach verwendeter Technologie kommen dabei verschiedene Konzepte zum Einsatz. Für Adobes Programmiersprache AIR muss beispielsweise ein spezielles Programm auf den Endgeräten ausgeführt werden, das für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist.

Meist aber werden Anwendungen über das Web angeboten - können also auf jedem Gerät ausgeführt werden, auf dem ein Browser installiert ist. Dazu gehören beispielsweise Googles Webapps, die mit der Google App Engine erstellt wurden.

Private Cloud und Public Cloud

Neben der reinen Form der Cloud - der Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet - gibt es auch die private Cloud. Dabei wird die Cloud-Technologie dazu genutzt, eine Cloud im eigenen Unternehmen aufzubauen. Das kann Vorteile für die Datensicherheit und Compliance bieten - auch wenn inzwischen fast alle Public-Cloud-Anbieter ihre Dienste nach EU-konformer Regulierung anbieten. Oft wird eine private Cloud mit dem zusätzlichen Mieten einer Public-Cloud-Dienstleistung kombiniert - die dann beispielsweise bei Belastungsspitzen oder dem Ausfall von Teilen der eigenen IT-Infrastruktur einspringt. Man spricht dann von einer Hybrid Cloud.

Kommentare (7)

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ccmehil

06.06.2011, 11:50 Uhr

Ich finde es total doof, dass hinter den Firmennamen immer so Kurse angedeutet sind. Das ist total 90er. Wenn das Handelsblatt die Internettechnologie selber nur für Unfug verwenden kann, dann soll es auch nicht über die Cloud berichten.

Account gelöscht!

06.06.2011, 13:58 Uhr

Würden Sie vertrauliche betriebliche Informationen in eine externe "Cloud" blasen ? Nach all den täglichen Skandalen der sog. "Sozialen Netzwerke" ?

zephyroz

06.06.2011, 17:10 Uhr

Wie wahr. Endlich mal ein Artikel, der zum Nachdenken anregt. In der IT Industrie wird viel zu viel technische Spielerei als Fortschriftt verkauft. Warum soll denn ein Mittelständler plötzlich seine Server ins anonyme Internet verlagern? Ohne Kontrolle und mit ungewisser Sicherheit. Wenn selbst große und größte Konzerne (zB. Sony) ihre Daten nicht verschlossen halten können, ist das Ganze nicht das Papier wert, auf dem die Werbung steht.

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