Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2016

07:30 Uhr

Energiewende in Deutschland

Die doppelte Kernspaltung

VonJürgen Flauger

Die Energiewende in Deutschland hat die großen Stromproduzenten Eon und RWE in die Bredouille gebracht. Sie haben drastisch darauf reagiert. Jetzt gibt es statt zwei gleich vier Unternehmen.

Eon-Chef Johannes Teyssen überrraschte Ende 2014 die Öffentlichkeit mit seinem Plan überrascht, den Branchenriesen in zwei Teile aufzuspalten. dpa

Eon

Eon-Chef Johannes Teyssen überrraschte Ende 2014 die Öffentlichkeit mit seinem Plan überrascht, den Branchenriesen in zwei Teile aufzuspalten.

DüsseldorfEnde 2015, in der Woche vor Weihnachten, kamen beim Energiekonzern Eon die  Möbelpacker. Zehn Lastwagen fuhren ständig zwischen verschiedenen Standorten in  den beiden Städten Düsseldorf und Essen im Westen Deutschlands hin und her. 40.000 Umzugskartons wurden ein- und ausgepackt, 1200 Schreibtische verschoben, 3200 Mitarbeiter wechselten ihr Büro.

Hinter der logistischen Herausforderung steckte aber ein noch viel größeres unternehmerisches Abenteuer. Bis zum Jahreswechsel vollzog der bis dahin größte Strom- und Gasversorger Europas eine spektakuläre Spaltung. Die Eon SE konzentriert sich seither komplett auf das Geschäft mit den erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netzen. Der Konzern verließ den bisherigen Stammsitz in Düsseldorf, in der Nähe des Rheinufers, und zog nach Essen um.

Von der alten Konzernzentrale aus wird seither ein komplett neues Unternehmen gesteuert: Uniper. In diese Gesellschaft hat Eon die Kohle- und Gaskraftwerke, das Trading und die Gasproduktion abgespalten ­– also die alte Energiewelt.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte ein gutes Jahr zuvor, Ende 2014, die Öffentlichkeit mit seinem Plan überrascht, den Branchenriesen in zwei Teile aufzuspalten. Seit einigen Wochen ist das Projekt nun komplett abgeschlossen. Nachdem Eon und Uniper Ende des Jahres ihre Arbeit aufgenommen haben, hat Eon Anfang September auch die Kontrolle abgegeben. Am 12. September ging Uniper an der Börse. „Wir haben es geschafft“, sagte Teyssen sichtlich zufrieden – und wünschte „Uniper und Ihren Mitarbeitern alles Gute“.

Das neue Unternehmen kann die guten Wünsche gebrauchen – genau wie Eon selbst auch. Teyssen hatte sich für den Weg nicht aus einer Position der Stärke heraus entschieden, sondern weil er keinen anderen Ausweg aus einer existenzbedrohenden Krise gesehen hatte. Die Energiewende in Deutschland hat nicht nur die Energieversorgung radikal geändert, sie hat auch den Markt durcheinander gewirbelt.

Die Krise der deutschen Energiekonzerne begann im Jahr 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Deutschland reagierte so entschlossen wie kein zweites Land auf den GAU. Die Bundesregierung besiegelte den Atomausstieg und beschleunigte die Energiewende.  Die Betreiber von Wind- und Solaranlagen, die ihren Strom per Gesetz zu hohen Preisen und vorrangig ins Netz einspeisen dürfen, setzten ihren Siegeszug fort. Der Anteil an der Stromerzeugung lag 2015 schon bei 30 Prozent – zehn Jahre zuvor waren es nur zehn Prozent.

Im selben Maße werden aber die Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt. Für sie bleibt ein immer kleinerer Anteil der Nachfrage, um den sie konkurrieren können. Die steigenden Überkapazitäten schlagen sich entsprechend im Preis nieder. Konnten die Betreiber konventioneller Kraftwerke 2011 im Großhandel für eine Megawattstunde Strom noch mehr als 50 Euro erzielen, sind es derzeit kaum mehr als 25 Euro. Bei diesen Preisen werden immer mehr Kraftwerke zum Verlustgeschäft. Die Stromproduzenten mussten Milliarden abschreiben, bauten Stellen ab und drückten die Kosten. Eon wird in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge einen Milliardenverlust verbuchen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×