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16.11.2016

17:34 Uhr

Senvion

Das Kreuz mit den Branchenriesen

VonFranz Hubik

Zu klein, zu unprofitabel, zu abhängig: Der Hamburger Windturbinenbauer Senvion droht im Wettkampf mit Konzernen zerrieben zu werden. Die Firma hat weniger Aufträge für die Installation neuer Windräder als im Vorjahr.

Statt in luftige Höhen zu wachsen, setzt Senvion gerade zum Sturzflug an. dpa

Senvion

Statt in luftige Höhen zu wachsen, setzt Senvion gerade zum Sturzflug an.

DüsseldorfSchon einmal hat Jürgen Geißinger bewiesen, dass er einen Mittelständler in völlig neue Dimensionen katapultieren kann. In seinen 15 Jahren als Schaeffler-Chef hat der heute 57-Jährige den Umsatz des Wälzlagerkonzerns aus Herzogenaurach verfünffacht und Schaeffler dank einer waghalsigen Fusion mit dem Konkurrenten Continental zu einem der größten Automobilzulieferer der Welt ausgebaut.

Seit Weihnachten 2015 hat Geißniger nun einen neuen Job. Als Vorstandsvorsitzender und Minderheitseigner der Windenergiefirma Senvion will er wieder schnell nach oben und für explosives Wachstum sorgen. Statt mit Wälzlagern dieses Mal eben mit Windturbinen. Doch der kühne Plan des Ingenieurs geht bisher nicht auf. Im Gegenteil.

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In den ersten neun Geschäftsmonaten trudelten nicht einmal halb so viele Aufträge für die Installation neuer Windräder ein wie noch im Vorjahr. Statt in luftige Höhen zu wachsen, setzt Senvion gerade zum Sturzflug an. Die Marktanteile bröckeln, die Expansion ins Ausland stockt und die Konkurrenz enteilt.

„Senvion wird 2017 bestenfalls stagnieren“, sagte Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Research, dem Handelsblatt. Denn der Auftragseingang von heute ist der Umsatz von morgen. Die Erlöse könnten im nächsten Jahr auf unter zwei Milliarden Euro schrumpfen.

Manav Sharma beschwichtigt. „Der ganze Markt ist rückläufig. Es gibt einen großen Preisdruck. Aber wir finden unseren Weg zum Wachstum“, erklärte der Finanzvorstand von Senvion dem Handelsblatt. Sharma hofft auf ein sehr gutes viertes Quartal. „Wir stehen kurz davor, weitere große Aufträge in Chile, Skandinavien und Argentinien zu vermelden“, sagte Sharma.

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An der Börse herrscht weniger Zuversicht. Die Aktie von Senvion sackte am Dienstag um teils fast vier Prozent ab. Senvion befindet sich in einem Dilemma. Die Hamburger drohen im umkämpften Windenergiegeschäft zerrieben zu werden. Größe wird zum entscheidenden Faktor. Senvion ist fünfmal kleiner als Branchenriesen wie Vestas oder Siemens. Die Folge: „Die Firma gerät bei den Kosten verstärkt ins Hintertreffen“, sagte Dirke Briese von Windresearch.

Für den Branchenkenner ist klar: „Senvion bräuchte einen starken Partner.“ Der ist aber nicht in Sicht. Jürgen Geißinger wusste freilich schon immer zu überraschen.

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