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04.11.2016

10:17 Uhr

Zero mika

Marokko verbannt Plastiktüten

VonHassan El Arif
Quelle:L'economiste Marokko

Um gegen Umweltschäden vorzugehen, setzt Marokko auf eine drastische Maßnahme: Das Königreich hat ein vollständiges Verbot von Plastiktüten beschlossen. Die Aktion „Zero Mika“ soll umweltfreundliche Alternativen fördern.

Wegen fehlender Entsorgungs- und Recyclingvorrichtungen landet Plastikmüll in Marokko vielfach mitten in der Landschaft. Reuters

Müllplatz in Marokkos Hauptstadt Rabat

Wegen fehlender Entsorgungs- und Recyclingvorrichtungen landet Plastikmüll in Marokko vielfach mitten in der Landschaft.

In Marokko sind Plastiktüten eine landesweite Plage. Jährlich verbrauchen marokkanische Privathaushalte etwa 25 Milliarden solcher kurzlebigen Verpackungen – nur in den USA ist der Plastiktütenverbrauch weltweit noch höher. Wegen fehlender Entsorgungs- und Recyclingvorrichtungen landen die Tüten in Marokko vielfach mitten in der Landschaft, was zu katastrophalen Umweltschäden führt – etwa einem Meer aus Plastiktüten, das die nächsten 400 Jahre überdauern wird.

Marokko hat aber entschieden, gegen die Plastiktütenplage vorzugehen. Mit dem Programm „Zero Mika“ („Mika“ bedeutet Plastik auf Arabisch) will das Königreich Kunststofftüten so schnell wie möglich abschaffen. In anderen Ländern brauchten Regierungen mehrere Versuche bis ein Verbot tatsächlich eingeführt werden konnte. In Marokko trat am 1. Juli 2016 aber bereits ein gesetzliches Verbot in Kraft, dass die Herstellung, Vermarktung und den Import von Kunststofftüten untersagt.

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„Zero Mika“ hat es dabei vor allem auf die Hauptverursacher der Plastikplage abgesehen: Einwegplastiktüten, die man an jeder Supermarktkasse findet. Andere Taschenarten wie beispielsweise Kühltaschen und Müllbeutel sind zumindest vorerst noch erlaubt.

Strenge Kontrollen sind ein wesentlicher Aspekt der Verbotsstrategie. Drei Behörden arbeiten Hand in Hand mit den betroffenen Gruppen: Das Industrieministerium kollaboriert mit Fabriken, das Innenministerium mit Einzelhändlern und die Zollverwaltung kümmert sich um den Import. Für Verstöße gegen das Gesetz drohen hohe Geldstrafen. Je nach Art des Verstoßes drohen Strafen von bis zu einer Million marokkanische Dirham (ca. 90.000 Euro).

Industriekonzerne, die bisher Plastiktüten hergestellt haben, müssen ihr Produktportfolio völlig umstellen. Um zu verhindern, dass sie ihr Geschäft aufgeben oder in der Übergangszeit viel Personal abbauen müssen, hat die Regierung einen Umwandlungsplan in Höhe von 200 Millionen Dirham durchgesetzt (ca. 20 Millionen Euro). Der Staat unterstützt Unternehmen finanziell dabei, wenn sie ihre Produktion auf umweltfreundliche Verpackungen umstellen.

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