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28.09.2011

16:04 Uhr

Kommentar

Amazon hat die Tablet-Welt verstanden

VonStephan Dörner

Amazon bricht mit der Strategie der üblichen Tablet-Konkurrenz und zielt auf die größte Schwachstelle von Apples iPad ab. Eine erfolgversprechende Taktik.

Amazons Kindle Fire. Reuters

Amazons Kindle Fire.

DüsseldorfAmazon hat die Gesetze der Tablet-Welt verstanden: Das Amazon-Tablet kann nicht mehr als Apples iPad, sondern weniger – und könnte genau dadurch zum gefährlichsten Konkurrenten des Branchenprimus' werden.

Als Steve Jobs Anfang 2010 das iPad präsentierte, war die erste Reaktion eingefleischter Technik-Freaks pure Enttäuschung: „Kein USB-Anschluss?“, „Kein Flash?“, „Keine Möglichkeit der Speichererweiterung über SD-Karten?“ waren die ersten ungläubigen Reaktionen.

Doch Apple wusste offenbar wieder einmal besser, was die Kunden wollten. Statt das alte Mantra der PC-Industrie – höher, schneller, weiter – zu wiederholen, setzte Apple auf Einfachheit und Eleganz. Und siehe da: Nicht nur die Privathaushalte wurden von den schicken Flachcomputern erobert, auch in immer mehr Büros wird das alte Klicken und Klacken von Maus und Tastatur beim mobilen Computereinsatz durch stilles Wischen abgelöst.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Das Geheimnis des iPads: Es ist kein mobiler PC im Tablet-Format, sondern kann deutlich weniger – und genau das macht das Tablet für viele so attraktiv. Um Hardware und das Dateisystem muss sich der Nutzer nicht kümmern, Anwendungen werden mit einem Klick installiert, Viren und Würmer sind kein Thema. Das Tablet ist damit auch kein Ersatz für den herkömmlichen Computer, sondern eine Ergänzung, die einfach Spaß macht.

Kommentare (1)

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Daniel

28.09.2011, 15:37 Uhr

Ich kann dem Kommentar nicht zustimmen.
1. Dass das IPad keinen Slot für Speicherkarten hat und keine Flash-Videos abspielen kann ist ein schlechter Witz, kein Feature.
2. Günstigere Alternativen gab und gibt es schon länger. Viele davon scheiterten u.a. daran, dass an der falschen Stelle (am Display) gespart wurde.
3. Ansätze mit eigenen Betriebssystemen wie bei HP oder das sagenumwobene WeTab waren und sind zum Scheitern verurteilt, weil die Entwicklergemeinde für Apps viel zu klein ist.

Wenn Amazon bessere Chancen hat als andere, dann zum einen durch die gewaltige Menge an Inhalten, die man in der Hinterhand hat. Filme und EBooks (so sie denn lauffähig sind) gepaart mit den zur Verfügung stehenden Android Apps. Und zum anderen (und vor allem) durch die gewaltige Marktmacht ! Amazon erreicht zig Millionen Kunden in aller Welt täglich und hat es voll in der Hand, jedem davon das Amazon-Tablet und nach dessen Kauf die passenden Inhalte auf der ersten Seite zu präsentieren.

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