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23.08.2011

17:45 Uhr

Kommentar

Der iPad-Killer ist möglich - zum richtigen Preis

VonStephan Dörner

Viele iPad-Killer wurden angekündigt, wirklich erfolgreich war bisher keiner. HP verramscht sein TouchPad inzwischen mit Verlust. Ist gegen Apple gar kein Kraut gewachsen? Ein Kommentar.

Apples iPad 2. Das Apple-Gerät beherrscht den Tablet-Markt bislang fast allein. AFP

Apples iPad 2. Das Apple-Gerät beherrscht den Tablet-Markt bislang fast allein.

DüsseldorfApple ist auf dem Tablet-Markt bislang übermächtig. Experten bescheinigen dem Kult-Konzern in dem stark wachsenden Produktsegment einen Marktanteil von 70 bis 90 Prozent. All die Android-Tablets, die als iPad-Killer angetreten sind, waren bislang chancenlos - so auch das Touchpad des großen Computerherstellers Hewlett-Packard (HP).

Dieser hat sein Hightech-Produkt nun zu Billigstpreisen verramscht. Und siehe da: Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Der Ansturm war so groß, dass der Online-Shop von HP sogar zusammengebrochen ist. Was lernen wir daraus: Der Preis macht's.

iPad-Konkurrenten zu iPad-Preisen liegen wie Blei in den Regalen. Möglicherweise sehen es die Käufer schlicht nicht ein, warum sie für eine Android-Copy genauso viel wie für das Original zahlen sollen, das zumal noch mit einer schönen bunten App-Welt und einem starkem Image punktet. Der erfolgreiche HP-Schlussverkauf zeigt aber auch, wie groß das Interesse an einem Tablet-Computer generell ist. Es gibt offensichtlich eine Menge potenzieller Käufer, die mit einem iPad liebäugeln, denen Apples Wundermaschine aber schlicht zu teuer ist. Das kann die gesamte Apple-Konkurrenz aus dem Touchpad-Scherbenhaufen lernen.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Auch ein Gerät wie das Touchpad, das nun weder besonders sexy noch besonders toll ist, kann auf dem Tablet-Markt seine Kunden finden - wenn der Preis stimmt. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, erst recht nicht für die Anbieter von Tablets. Technologiekonzerne wie Samsung oder HTC haben diese Erfahrung auch schon bei den Smartphones gemacht.

Inzwischen werden mehr Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem verkauft als iPhones. Der Trick: Android-Smartphones haben einen Markt für die Luxusliner unter den Handys erobert, den Apple gar nicht erreicht hat: Kunden, die unterwegs surfen und Apps nutzen wollen, aber nicht bereit sind, dafür mehr als 500 Euro auszugeben oder einen entsprechend teuren Mobilfunkvertrag abzuschließen.

Doch ganz so einfach lässt sich dieses Erfolgsmodell nicht auf die Tablet-Welt übertragen. Bei den Preisen ist die Luft nach unten deutlich dünner als bei den Smartphones. Apple hat gelernt und den Preis des iPads bewusst niedriger angesetzt, als von Analysten erwartet. Die Marge ist – völlig untypisch für Apple – relativ gering. Die Belohnung: Eine beispiellose Marktmacht, die sich nicht so einfach brechen lässt.

Und den iPad-Konkurrenten mit ihren bislang geringen Stückzahlen dürfte es deutlich schwerer fallen, ähnlich niedrige Einkaufspreise bei den Zulieferern durchzudrücken, wie dem Massenabnehmer Apple. Ganz abgesehen davon, dass der Kauf eines iPad-Konkurrenten bislang auch nicht über den Vertrag mit einem Mobilfunkprovider quersubventioniert wird.

Trotz allem: An einer Preissenkung der iPad-Klone führt wohl letztlich kein Weg vorbei, wenn Apple das Feld nicht alleine überlassen werden soll. Diese Einsicht dämmert langsam auch den Tablet-Herstellern, die nach und nach ihre Preise senken – wenn auch oft noch zaghaft. Ein mutigerer Schritt würde sich durchaus lohnen, denn Marktforscher sagen dem Tablet-Markt eine rosige Zukunft voraus. Von HP lernen, heißt also siegen lernen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.08.2011, 18:22 Uhr

"Von HP lernen, heißt also siegen lernen."

Das ist jetzt Satire, oder? HP haut die Dinger unter Fabrikationspreis raus - und selbst damit sind sie heillos überteuert. Ein IT-Gerät, dessen Betriebssystem nicht weiterentwickelt wird und für das niemand mehr Apps entwickelt, ist wertlos. Was macht HP eigentlich, wenn der Garantiefall eintritt? Die können doch höchstens noch den Kaufpreis erstatten.

chr234

23.08.2011, 18:41 Uhr

Die Botschaft ist also, dass ein Gerät reissenden Absatz findet, wenn es weit unter Herstellungskosten verkauft wird.

Das ist ja nun keine sonderlich überraschende Sache. Wer würde nicht eine Obsttüte für 1 Euro kaufen, wenn dort Äpfel im Wert von 2 Euro und Birnen im Wert von 1,50 drin sind.

Wir Apple Konkurrenten hieraus etwas lernen sollen, ist mir schleierhaft. Denn unter Herstellungskosten verkaufen, kann sich keiner der Antroid Tablet Hersteller leisten, denn die verdienen an der Hardware.

Hans

23.08.2011, 20:49 Uhr

Wer glaubt denn tatsächlich diese Zahlen?
Aufgrund der Stückliste vom IPAD wurden die Lieferanten und Preise weltweit ermittelt. Dabei kam heraus, dass die Einzelteile einen Wert von ca. 70 USD haben. Nicht 700, sondern 70! Und da die Produkte in China zuzsammengebaut werden, wird es wohl kaum teurer, da Rabatte und Skonti für die Einzelteile bei der Analyse keine Berücksichtigung fanden.

Man sollte nicht alles glauben was einem publiziert wird. Häufig ist das eine ganz eigene Marketing-Strategie. Und da das Produkt von HP schlechter als das IPAD ist, könnte man davon ausgehen, dass demnach auch die Materialien sich nicht mit dem IPAD messen können.

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