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28.01.2015

14:46 Uhr

Laufuhren im Test

Coach mit Konditionsproblemen

VonJoachim Hofer

So ist der Personal Trainer immer dabei: Laufuhren überwachen den Puls, messen die Strecke und geben hilfreiche Tipps. Doch die Modelle von Adidas und Tomtom haben selbst Probleme mit der Ausdauer. Ein Test.

Trainer am Handgelenk: Die MiCoach-Uhr von Adidas hilft Läufern, das richtige Tempo zu finden. Adidas

Trainer am Handgelenk: Die MiCoach-Uhr von Adidas hilft Läufern, das richtige Tempo zu finden.

MünchenIch komme nicht mehr los von den Dingern. Wann auch immer ich die Joggingschuhe aus dem Regal hole, greife ich auch zur Laufuhr. Ein Minicomputer fürs Handgelenk gehören für mich inzwischen zum Joggen dazu wie die eng anliegende Hose und das atmungsaktive Shirt. Häufig jedoch fliegt die Uhr gleich wieder in die Ecke, weil die Batterie leer ist. Dann ist der Frust groß, denn was ist im Internetzeitalter schon ein Lauf wert, der nicht irgendwie dokumentiert ist?

Drei verschiedene Laufuhren habe ich in den vergangenen Monaten ausprobiert: Micoach Smart Run von Adidas, und Multisport Cardio sowie die etwas einfachere GPS-Sportuhr von Tomtom. Und bei allen hat mich am meisten gestört, dass ihnen laufend der Saft ausging – mitunter mitten auf der Strecke.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Doch warum sollte sich jemand dann überhaupt die Mühe machen, eine Laufuhr zu tragen, wenn sie doch so häufig schlapp macht? Die Antwort ist einfach: Es ist schlichtweg schön zu sehen, wo, wie lange und wie schnell ich renne. Dazu kommt, dass die Uhren den Puls messen und ich so erkennen kann, ob ich besser etwas langsamer mache oder noch einen Gang zulegen kann. Über Wochen und Monate lässt sich so sehen, wie fit ich bin. Wer viel unterwegs ist kann auf Karten im Internet auch nachvollziehen, an welch unterschiedlichen Orten er übers Jahr hinweg so gelaufen ist.

Und das sind nur die Basisfunktionen. Wer will, der kann sich ganze Trainingspläne auf den Internetseiten der Anbieter erstellen, zum Beispiel zur Vorbereitung auf einen Marathon. In einem Kalender gibt die Software dann an, wann, wie lange und wie intensiv ein Sportler sich bewegen sollte, um das große Ziel zu erreichen. Die Laufuhr ersetzt so den persönlichen Trainer.

Doch manches Mal macht der Coach schlapp. Am schlimmsten ist es bei der „Micoach“-Uhr von Adidas. Die ist schick, vielseitig und hat einen eleganten, berührungsempfindlichen Farbbildschirm. Leider schluckt der Kleinstrechner so viel Strom, dass er praktisch jeden Tag an die Steckdose muss, ob er nun im Einsatz war oder nicht. Etwas besser ist es bei den zwei Modellen von Tomtom, die ich nacheinander trug, der Multisport Cardio und der GPS-Sportuhr: Ihre monochromen Displays sind zwar nicht so schön anzusehen, und sie können lange nicht so viel wie die Konkurrenz von Adidas; dafür halten sie aber auch schon einmal ein paar Tage durch.

Bei Adidas werden die beim Sport gesammelten Daten drahtlos und ohne weiteres Zutun des Trägers ins Netz übertragen, bei Tomtom geht es über Bluetooth oder Kabel. Das heißt: Wer sich so eine Uhr kauft, der muss in jedem Fall bereit sein, viele Informationen über sich und seinen körperlichen Zustand an den Hersteller abzugeben. Ohne die Verbindung mit den Servern der Marken sind die Uhren praktisch nutzlos. Wer will, der kann natürlich seine gesammelten Daten auch weiterreichen, an Trainingspartner, an Freunde, über Facebook und Twitter im Prinzip an die ganze Welt.

Wichtig auch: Die Uhren sind nicht nur fürs Laufen gemacht, sie zeichnen die Bahnen im Schwimmbecken genauso auf wie die Runden mit dem Fahrrad oder auf der Loipe. Mitunter dauert es aber eine gefühlte Ewigkeit, bis die Uhr die GPS-Verbindung aufgebaut hat und dann auch die Entfernung misst. So ist es auch mit der Herzfrequenz. Früher war ein Brustgurt nötig, um den Puls zu messen. Jetzt schickt der Kleinstrechner einen Lichtstrahl durch die Haut. Bis das funktioniert, vergeht aber ab und zu einige Zeit, bei Minusgraden im Freien ist das ganz schön lästig.

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