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12.06.2013

10:02 Uhr

Leit-Artikel Chromebook C7

Der goldene Käfig von Google

VonChristof Kerkmann

Eine Google zum Mitnehmen, bitte! Das Chromebook C7 von Acer ist eigentlich kein Mini-Notebook, sondern ein platinegewordenes Portal mit den Online-Diensten des Konzerns. Was taugt der Gegenentwurf zum Windows-Rechner?

Google steht im Mittelpunkt: Ohne ein Nutzerkonto beim Internet-Riesen lässt sich das Chromebook nicht sinnvoll nutzen. Christof Kerkmann

Google steht im Mittelpunkt: Ohne ein Nutzerkonto beim Internet-Riesen lässt sich das Chromebook nicht sinnvoll nutzen.

DüsseldorfÄußerlich sieht es aus wie ein normales Notebook der 300-Euro-Klasse. Doch wer das Chromebook C7 von Acer einschaltet, bemerkt schnell, was daran so anders ist: Statt einer Benutzeroberfläche im Windows-Stil finden Nutzer wenig mehr als den Browser Chrome. Sämtliche Programme liegen nicht auf der Festplatte, sondern werden aus dem Internet geladen, ebenso die eigenen Dokumente. Das Gerät ist ein Netzcomputer, ein platinegewordenes Portal. Wie praktikabel das ist, zeigt der Test von Handelsblatt Online.

Die Besonderheit des Gerätes liegt im Betriebssystem: Installiert ist nicht Windows, sondern Chrome OS. Das stammt von Google. Der US-Konzern hat die quelloffene Linux-Software als Grundlage genommen und für seine eigenen Online-Dienste optimiert. Das ist schon bei der Einrichtung zu spüren: Ohne Wlan-Verbindung lässt sich das Gerät nicht in Betrieb nehmen, ebenso wenig ohne Nutzerkonto bei dem Internet-Riesen. Mehr braucht es aber nicht, schon nach wenigen Minuten ist das Gerät startklar.

Vor- und Nachteile von Chromebooks

Eine Vision von Google

Mit dem Betriebssystem Chrome OS, 2009 vorgestellt, zeigt der Internetkonzern Google, wie er sich die Computer der Zukunft vorstellt. Auf Rechnern mit der Software werden keine Programme lokal installiert, die Anwendungen laufen stattdessen alle im Browser. Welche Vor- und Nachteile hat dieser Ansatz?

Schnelle Einrichtung

Da auf Chromebooks außerdem dem Browser keine Programme lokal installiert sind, geht die Einrichtung schnell – alles was Anwender brauchen, sind ein Internetzugang und ein Nutzerkonto bei Google.

Automatische Updates

Notebooks mit dem Google-Betriebssystem Chrome OS werden ganz ohne Zutun der Nutzer aktualisiert – so müssen sie keine Updates installieren. Das dient auch der Sicherheit, weil sich weniger Lücken auftun.

Aktuelle Daten

Chromebooks legen Daten wie Dokumente, Tabellen und Fotos in der Cloud ab, also auf Servern im Internet. Dadurch greifen Nutzer immer auf die aktuelle Version zu.

Günstige Hardware

Auf Chromebooks kommen nur Web-Anwendungen zum Einsatz – die Rechenarbeit wird nicht auf dem Computer selbst erledigt, sondern auf den Servern im Rechenzentrum. Daher reicht eine vergleichsweise beschränkte Hardware aus. Die meisten Chromebooks sind daher relativ günstig. Mit einer Ausnahme: Google verlangte für sein selbst entwickeltes Nobelgerät Chromebook Pixel in den USA zunächst rund 1300 Dollar.

Nutzlos ohne Wlan

Weil alle Anwendungen im Browser laufen, sind Chromebooks ohne Internetverbindung nur bedingt nützlich. Ein Teil der Apps hat zwar einen Offline-Modus, doch besonders komfortabel ist das Arbeit ohne Wlan nicht.

Kleines Software-Angebot

Nutzer können lediglich Web-Anwendungen aus dem Chrome App Store von Google installieren. Im Vergleich zu langen etablierten Betriebssystemen wie Windows ist die Auswahl noch relativ klein. Gerade an Spezial-Software mangelt es. Google setzt allerdings darauf, dass immer mehr Software übers Web angeboten wird.

Keine Kontrolle über die Daten

Da alle Daten auf den Servern von Google liegen, geben Nutzer die Kontrolle darüber ab. Das dürfte so manchen Skeptiker abschrecken.

Wer bislang mit Windows arbeitet, wird sich erst mal umgucken müssen. Denn der Desktop ist leergeräumt, noch nicht mal ein Papierkorb ist dort zu sehen. Und wo Microsoft jahrelang den Startknopf platzierte, prangt das Logo vom Google-Browser Chrome, dem Herzstück des Netz-Computers. Eine symbolträchtige Anordnung. Nicht weit daneben ist immerhin ein alternatives Start-Knöpfchen, das ein Fenster mit den installierten Anwendungen zum Vorschein bringt. Weil all das gewöhnungsbedürftig ist, hat der Internet-Konzern eine übersichtliche Anleitung gebastelt, die sich beim ersten Start öffnet. Löblich.

Anders als bei einem Windows-Rechner üblich werden die Anwendungen nicht auf der Festplatte installiert, sie laufen stattdessen komplett online. Ob Youtube, Google Maps oder Spiele: Alles öffnet sich als Website im Browser. Dieses Konzept kennen die meisten Nutzer von ihren E-Mails, die sich online abrufen lassen – Google überträgt es auf alle Programme.

Die vorinstallierten Anwendungen stammen allesamt vom Internet-Konzern: der Browser Chrome und die Suche natürlich, außerdem der Online-Speicher Drive, Mail, Kalender und Textverarbeitung, dazu Youtube, das Soziale Netzwerk Google+ und die Medienplattform Google Play.

Kommentare (1)

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NSATochter

12.06.2013, 19:06 Uhr

Man muss schon sehr menschenfeindlich sein, um sich in solche Abhängikeit zur inoffiziellen NSA Tochter zu begeben.
Alle eigenen Daten griffbereit und sortiert für Big Brother.
Würde Hitler wiedergeboren werden, dann würde es bestimmt auch mit DO NO EVIL auf Wählerstimmen gehen.

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