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28.08.2013

10:00 Uhr

Leit-Artikel Fensterputzroboter Winbot

Stark gegen Staub, schwach gegen Vogeldreck

VonJoachim Hofer

Durchblick ohne Zeitverschwendung: Das verspricht der Fensterputzroboter Winbot 710. Tatsächlich sorgt das Gerät für mehr Sauberkeit. Der Test zeigt aber: Ganz ohne Handarbeit geht es auch mit elektronischer Hilfe nicht.

Der elektrische Meister Proper im Einsatz: Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer hat den Fensterputzroboter Winbot 710 ausprobiert. Joachim Hofer

Der elektrische Meister Proper im Einsatz: Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer hat den Fensterputzroboter Winbot 710 ausprobiert.

MünchenMeine Frau sagt: „Das Ding ist super.“ Ich sage: „Aber da sind noch Schlieren an den Fenstern.“ Sagt sie: „Die hat’s auch, wenn du geputzt hast.“ Da hat sie Recht.

Daher vorneweg: Der Fensterputzroboter Winbot ist fabelhaft für all jene Menschen, die partout keine Lust haben, die Scheiben zuhause selbst zu reinigen. Und die es nicht stört, wenn das Ergebnis nicht ganz perfekt ist. Einen guten Blick verschafft der Apparat allemal.

Doch der Reihe nach: Das Gerät sieht aus wie ein etwas zu groß geratenes Waffeleisen. Genauso einfach wie ein Waffeleisen ist der Roboter auch in Gang zu setzen.  Ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung, ein paar Spritzer Fensterputzmittel auf ein Mikrofasertuch, dann das Gerät auf die Scheibe gesetzt.

Ein paar Sekunden später hat sich das fleißige Helferlein festgesaugt, lässt seine Kunststoffketten rattern und legt kreuz und quer los, bis jeder Zentimeter vom Staub des Sommers befreit ist. Bei größeren Fenstern kann das schon einmal einige Minuten dauern. Anschließend ertönt ein freundliches Piepsen, und der Winbot steht für den nächsten Einsatz zur Verfügung.

Haushaltsroboter: Spielzeug oder echte Hilfe?

Bekannt aus Industrie und Medizin

Roboter kommen schon seit Jahrzehnten in der Industrie zum Einsatz, etwa in Autofabriken, wo sie Bleche zusammenschweißen. Auch in der Medizin gibt es viele Einsatzszenarien.

Ein wachsender Markt

Haushaltsroboter sind ein relativ junger Trend – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Massenmarkt. Die elektronischen Haushaltshelfer könnten aber ein lukratives Geschäft werden: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Bundesbürger kann sich laut einer Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom vorstellen, einen Roboter zur Unterstützung bei der Haus- oder Gartenarbeit einzusetzen.

Staubsaugroboter

Wohl am beliebtesten sind Staubsaugroboter – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Markt. Mittlerweile sind die elektronischen Helfer erschwinglich geworden, die günstigsten Modelle gibt es ab rund 200 Euro. Zu den bekanntesten Geräten zählt der Roomba, den die US-Firma iRobot herstellt.

Rasenmähroboter

Im Sommer hört man sie in Nachbars Garten: Immer mehr Hobbygärtner lassen Roboter den Rasen mähen. Weil diese nicht so leistungsfähig sind wie ein großer Mäher, kreiseln sie permanent, sofern sie nicht gerade an der Ladestation sind. Die meisten Geräte orientiert sich anhand von Begrenzungsdrähten, Gartenstühle entdecken und umfahren sie mithilfe Sensoren. Erste Gartenhelfer kamen in den 90er Jahren auf den Markt. Geräte kosten ab rund 1000 Euro.

Alleskönner für den Haushalt

Forscher arbeiten bereits an selbstlernenden Robotern, die nicht nur staubsaugen, sondern auch kochen und waschen können. Bis solche Geräte erschwinglich sind und in den Haushalt einziehen, dürften aber noch Jahrzehnte vergehen.

Ein Roboter zum Kuscheln

In Japan kommen in Alten- und Pflegeheimen schon seit Jahren eine Roboter-Robbe zum Einsatz. Mit Bewegungen und Lauten soll das Plüschtier bei den Bewohnern positive Gefühle wecken. Auch immer mehr Einrichtungen in Deutschland arbeiten mit dem Gerät. Wichtig: Es darf nicht als Ersatz für menschliche Zuwendung dienen.

In Prospekt schreibt Hersteller Ecovacs: „Wir sind sicher, dass Ihr neu erworbenes Gerät Ihnen helfen wird, wertvolle Zeit für schöne Dinge zu gewinnen, während Sie Ihr Haus sauber halten.“ Das freilich ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Roboter nimmt dem geneigten Nutzer nicht alle Arbeit ab. Nach wie vor müssen die Rahmen per Hand gereinigt werden.

Damit nicht genug: Eine Scheibe muss mindestens 60 cm auf 46 cm messen, damit der Winbot überhaupt loslegen kann. Zudem kapituliert er vor fiesem Dreck wie Vogelkacke. Den verschmiert die Maschine gegebenenfalls in dauerndem Kreisen lustvoll und ohne Ende.

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