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09.04.2014

10:06 Uhr

Leit-Artikel Google Chromecast

Smart-TV zum Schnäppchenpreis

VonSebastian Schaal

Mit dem Chromecast startet Google seinen zweiten Angriff aufs Wohnzimmer. Für nur 35 Euro macht das Zubehör den Fernseher zum internettauglichen Smart-TV. Dabei vermeidet der Konzern Fehler der Vergangenheit.

Handelsblatt Techniktest

Wenn der Fernseher smart wird

Handelsblatt Techniktest: Wenn der Fernseher smart wird

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DüsseldorfEs war im Sommer 2012: Wenige Tage vor dem Halbfinale der Fußball-EM ging mein alter Fernseher kaputt. Ersatz musste her, und zwar schnell. Die Auswahl im Elektronikmarkt war riesig, die Preisspanne auch – und ich entschied mich für ein Modell mit guter Bildqualität, aber ohne Internetverbindung. Deutschland-Italien wurde ja bei den Öffentlich-Rechtlichen in HD übertragen, nicht per Youtube gestreamt. Der Verkäufer resignierte angesichts meiner Beratungsresistenz.

Die Fußball-EM war schnell vorbei, die folgenden Olympischen Spiele in London auch – und ohne die ausufernden Sportübertragungen kehrten die alltäglichen Sehgewohnheiten zurück. Wegen des teilweise trostlosen TV-Programms blieb die Flimmerkiste öfters aus, per Youtube oder Streaming-Portale wie Maxdome wurde das Abendprogramm aus Serien, Filmen oder Kurzvideos zusammengestellt – auf dem Laptop. Hätte ich auf den Verkäufer gehört...

Seit März in Deutschland auf dem Markt

Über eine Settop-Box hätte ich zwar in der Zwischenzeit das Internet auf meinen nicht-smarten Flachbildfernseher bringen können, doch wirklich überzeugt hat mich keine Lösung: Umständlich in der Bedienung, zu geringes Serien-Angebot oder schlichtweg zu teuer. Aufhorchen ließ mich erst der Chromecast von Google, eine Miniatur-Lösung zum Miniatur-Preis.

Der Chromecast in aller Kürze

Worum handelt es sich?

Einen kleinen HDMI-Stick, mit dem Inhalte aus dem Internet in guter Qualität auf dem TV-Bildschirm abgespielt werden können. Die Videos werden von einem Smartphone, Tablet oder Laptop über den Chromecast auf den Fernseher gestreamt. So können nicht-smarte Fernseher über ein Hintertürchen doch zum Smart-TV werden.

Was sagt die Werbung?

Als der Chromecast im vergangenen Sommer in den USA auf dem Markt kam, versprach die Werbung etwas zu viel: Alle Chromecast-Käufer sollten das Streamingportal Netflix drei Monate lang kostenlos nutzen können. Wegen des überwältigenden Andrangs – binnen 24 Stunden war das Gerät bei Amazon ausverkauft – wurde die Werbeaktion nach nur einem Tag wieder eingestellt.

Was ist in der Verpackung?

Neben dem Chromecast-Stick ist ein USB-Kabel zur Stromversorgung, ein Netzteil und ein kurzes HDMI-Verlängerungskabel in der Box. Netzteil und Verlängerungskabel braucht aber nicht jeder Nutzer. Eine ausführliche Anleitung gibt es nur online.

Was ist gelungen?

Einstecken, einrichten, loslegen: Die einfache Bedienung des Chromecast ist gelungen. Wer bereits öfters Video-Apps verwendet hat, muss sich nicht groß umgewöhnen – mit einem Fingertipp wird das Video auf dem TV abgespielt. Läuft das Video einmal, kann der Nutzer die Video-App verlassen und das Smartphone oder Tablet andersweitig als Second Screen verwenden – Facebook, Twitter und Co.

Was ist nicht so gut gelungen?

Noch ist die Auswahl an Chromecast-kompatiblen Apps recht gering, doch sie dürfte schnell wachsen. Die Verarbeitung des Geräts ist in Ordnung, aber nicht besonders hochwertig. Das ist aber auch nicht so wichtig, wenn der Chromecast einmal an der Rückseite des Fernsehers eingesteckt wird und danach aus dem Blickfeld verschwindet.

Wie viel kostet es?

Der Chromecast kostet 35 Euro – deutlich weniger als vergleichbare Settop-Boxen.

Ist es empfehlenswert?

Wer ein Fernsehgerät mit HDMI-Anschluss, aber ohne Smart-TV-Funktionen hat, kann sich diese einfach und günstig mit dem Chromecast auf den Bildschirm holen. Auch wer einen Smart-TV hat, aber der fummeligen Bedienung über die TV-Fernbedienung überdrüssig ist, bekommt mit dem HDMI-Stick und seiner Smartphone-Bedienung eine Alternative.

Der HDMI-Stick soll genau das schaffen, woran die integrierten Lösungen vieler TV-Hersteller bislang gescheitert sind: Inhalte aus dem Internet in guter Qualität schnell und einfach auf den Fernsehbildschirm bringen. Und das für 35 Euro. Meine Aufmerksamkeit hatte Google damit gewonnen, als Chromecast im vergangenen Sommer vorgestellt wurde. Seit Mitte März ist das gerade einmal daumengroße Gerät auch in Deutschland erhältlich.

Auspacken, einstecken, einrichten – fertig. So verspricht es zumindest Google. Auch in der Praxis ist es fast so einfach: In der Verpackung befinden sich neben dem Stick selbst nur ein USB-Kabel zur Stromversorgung, ein Netzteil sowie ein HDMI-Extender, falls für den Chromecast am HDMI-Anschluss wegen anderer Kabel kein Platz ist. Eine richtige Anleitung fehlt, nur die ersten drei Schritte sind auf der Innenseite der Verpackung abgedruckt: Den Stick an den Fernseher und Strom anschließen, mit der TV-Fernbedienung auf den passenden HDMI-Eingang wechseln und dann das Gerät über Smartphone, Tablet oder Laptop einrichten.

Kommentare (3)

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09.04.2014, 11:36 Uhr

Wer braucht so etwas? HDMI-Kabel vom Laptop zum Fernseher und fertig. Funktioniert dann auch mit jedem Browser und allen Anwendungen. Dazu braucht man weder Apps, Updates oder sonstiges. Und die 35 EUR bekomme ich auch anders unter.

Account gelöscht!

09.04.2014, 12:58 Uhr

Ja, z. B. für ein 10 m langes HDMI-Kabel für mindestens 9 Euro, einschließlich viel Spaß beim ständigen Kabelgedöns.

Dennoch warte ich auf noch komfortablere beziehungsweise auf weiterentwickelte Lösungen, das ist immer noch nicht das Optimale.

Account gelöscht!

10.04.2014, 10:04 Uhr

Leider hat der Autor sich nicht ganz mit der Materie vertraut gemacht
"Obwohl die Videodaten von meinem Smartphone kommen, geht das Gerät nicht als „Second Screen“ verloren. So muss beispielsweise die Youtube-App nicht geöffnet bleiben. Während im Hintergrund die Videos per Wlan an den Fernseher übertragen werden, ...auch eine Schwäche: Die Doppelbelastung und das Versenden großer Datenmengen über das Netzwerk saugen den Smartphone- oder Tablet-Akku schnell leer."

Das stimmt so nicht!
Darin besteht ja gerade die Besonderheit. Der Chromecast holt sich die Inhalte von Youtube etc. direkt aus dem Netz, OHNE Umweg über das Tablet oder Smartphone. Man könnte es sogar ausschalten!
Leider funktioniert das Spiegeln des Smartphones (noch) nicht. Ausnahme: gerootetes Nexus 5
ARD und ZDF Mediatheken lassen sich mit der App "Mediathekcast" über Chrome wiedergeben.
Alle ChromecastApps lassen sich übersichtlich mit der CastStore App anzeigen. Alle Apps im Playstore.
Fazit für mich: Tolle, preiswerte Sache für Altfernsehbesitzer.

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