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27.02.2013

12:08 Uhr

„Leit-Artikel“ Gopro Hero 3

Die Kamera für Autodach und Weltraumanzug

VonSebastian Schaal

Der Name steht als Synonym für Action-Kameras: Gopro. Mit dem neuen Modell Hero 3 verspricht der Marktführer gestochen scharfe Bilder. Doch was taugt das Gerät im Alltag? Der Test zeigt: Ohne teures Zubehör nicht viel.

Die Gopro Hero 3 ist so kompakt wie eine Streichholzschachtel. Allerdings ist sie ohne das sperrige Gehäuse relativ nutzlos. Sebastian Schaal

Die Gopro Hero 3 ist so kompakt wie eine Streichholzschachtel. Allerdings ist sie ohne das sperrige Gehäuse relativ nutzlos.

Wir alle kennen noch die spektakulären Bilder, als der Extremsportler Felix Baumgartner im Oktober 2012 aus fast 39 Kilometern in Richtung Erde sprang. Doch kaum hatte er die Raumkapsel verlassen, war er nur noch verschwommen aus der Ferne zu sehen – eine Kamera auf dem Boden filmte ihn.

Es gibt aber weitere Aufnahmen von Baumgartners Rekordleistung: An seinem eigens entwickelten Raumanzug waren einige kleine Kameras befestigt, die später den Sprung aus Baumgartners Sicht zeigten. Das war kein sündhaft teures Profi-Gerät, sondern sogenannte Actioncams, genauer gesagt das Modell Hero 3 vom Marktführer Gopro.

Ungefähr so groß wie eine Streichholzschachtel kann sie aus Positionen filmen, die für andere Kameras unmöglich sind – egal ob am Ski-Helm, dem Lenker des Mountainbikes oder beim Tauchen. Oder eben an einem Raumanzug.

Überraschend ist die Größe der Kamera: Sie ist wirklich klein, weil sie – freundlich ausgedrückt – auf das Wesentliche reduziert ist. Drei Tasten, ein Akku, das war's. Das Objektiv lässt sich nicht austauschen, ein großes Display gibt es nur gegen Aufpreis.

Gerade für Anfänger ist das Display aber sehr wichtig, weil sonst der Bildausschnitt wegen des extremen Weitwinkels falsch eingeschätzt wird. Wer ein iPhone oder ein iPad sein Eigen nennt, kann die Gopro mit ein paar Sekunden Verzögerung auch über WLAN steuern.

Bei den ersten Gehversuchen mit der Kamera ist die sehr reduzierte Bedienung kein großes Problem. Die Menüs sind simpel und leicht verständlich aufgebaut, die Funktionen der beiden großen Tasten gehen schnell in Fleisch und Blut über. Die dritte Taste an der Seite des Gehäuses dient nur zum An- und Abschalten des WLAN. Minuspunkt: Wer bei den ersten Versuchen nicht auf „Learning by doing“ setzt, sondern eine Anleitung bevorzugt, muss diese erst im Internet suchen.

Der Kameramarkt in Deutschland

Der Absatz sinkt

Es wird zwar so viel fotografiert wie nie, trotzdem sinkt der Absatz von Digitalkameras: 2012 waren es nach Angaben von Statista 7,9 Millionen Stück, rund 700.000 weniger als im Vorjahr. Weil Smartphones passable Bilder liefern, kaufen sich immer weniger Menschen eine Kompaktkamera.

Höhere Preise

Der Durchschnittspreis stieg zuletzt von 206 auf 233 Euro – die Branche verkauft weniger, dafür aber hochwertigere Geräte.

Spiegelreflexkameras sind gefragt

Hochwertige Geräte sind dagegen weiter gefragt. 2012 verkauften die Hersteller nach einer Prognose von Statista 980.000 Spiegelreflex- sowie 180.000 Systemkameras. Der Umsatz mit diesen Geräten stieg von 674 Millionen auf 720 Millionen Euro.

Objektive als Zusatzgeschäft

Mit Wechselobjektiven machen die Kamera- und Zubehörhersteller ein nettes Zusatzgeschäft. Der Absatz stieg auf 1,72 Millionen Stück, der Umsatz legte leicht auf 500 Millionen Euro Umsatz zu.

Fast jeder hat eine Kamera

Digitalkameras sind längst etwas für die Masse: 2011 gab es laut Statista in 71 Prozent aller deutschen Haushalte ein Gerät. Heute dürften es noch mehr sein.

Canon vor Nikon

Unter den Kamerabesitzern in Deutschland ist Canon die beliebteste Marke, 14,4 Prozent nennen den japanischen Hersteller. Auf den Plätzen 2, 3 und 4 folgen Nikon (9,4 Prozent), Sony (8,8 Prozent) und Kodak (8,5 Prozent).

Die ersten Testbilder in den eigenen vier Wänden sind vielversprechend. Alle Aufnahmen sind gestochen scharf, nur die Tonqualität ist wie zu erwarten mäßig. Wo soll bei dieser Größe und Bildqualität noch ein hochwertiges Mikrofon hin? Sobald die Kamera im wasserdichten Gehäuse steckt, kommen sowieso kaum noch Geräusche von der Außenwelt an das Mikrofon.

Neben den Standard-HD-Auflösungen unterstützt das Topmodell der Hero 3, die sogenannte „Black Edition“ auch noch deutlich größere Auflösungen, bis hin zum 4K-Standard. Einen nennenswerten Unterschied zwischen 1280x720 Pixeln und 1920x1440 Pixeln kann ich selbst auf dem großen Computermonitor nicht feststellen. Schon aber zu 4K-Aufnahmen: Da die Gopro hier nur noch 12 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann, verwackeln die Filmsequenzen sehr leicht. Bei 720p sind es bis zu 100 Bilder pro Sekunde, womit auch ansprechende Zeitlupen (auf etwa ein Viertel der Echtzeit) möglich sind.

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