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04.09.2013

09:26 Uhr

Leit-Artikel Huawei Ascend Mate

Smartphone auf Wachstumshormonen

VonChristof Kerkmann

Wie groß darf ein Smartphone sein? Fast so groß wie ein Tablet-Computer – meint zumindest Huawei. Das Ascend Mate des chinesischen Herstellers hat XXL-Format. Doch im Test war nicht alles riesig.

Größer als die Handfläche: Das Huawei Ascend Mate ist ein Riese. Christof Kerkmann

Größer als die Handfläche: Das Huawei Ascend Mate ist ein Riese.

Je größer, desto besser: Die Smartphone-Hersteller unterziehen ihre Produkte einer Wachstumskur. Huawei verteilt die Hormone besonders großzügig: Der chinesische Hersteller, in Deutschland noch relativ unbekannt, verkauft mit dem Ascend Mate ein Gerät, das nur wenig kleiner, wenn auch deutlich dünner als ein Taschenbuch ist. Unser Test zeigt: Bei Videos oder Websites kann es seine Stärken ausspielen, beim Telefonieren sorgt es aber für unfreiwillige Komik.

Die Riesen-Smartphones sind im Trend, immer mehr Geräte messen 4,3 Zoll oder mehr in der Diagonalen. Die Branche hat dafür das Kunstwort „Phablet“ erfunden – Phone und Tablet in einem. Das Ascend Mate liegt am oberen Ende der Skala: Der Bildschirm misst 6,1 Zoll in der Diagonalen, also 15,5 Zentimeter. So mancher Tablet-Computer ist nur ein knappes Zoll größer.

Huawei – der unbekannte Riese

Der Riese aus Shenzen

Huawei ist das größte private Unternehmen in China. Seinen Sitz hat es in der Metropole Shenzhen. Weltweit sind 150.000 Mitarbeiter für den Konzern aktiv. Jeder dritte Erdbewohner benutzt heute schon Technik von Huawei in irgendeiner Form.

1600 Mitarbeiter in Deutschland

Die Europazentrale von Huawei ist in Düsseldorf. In Deutschland arbeiten 1600 Mitarbeiter an 18 Standorten. Zu den Kunden zählen die großen Mobilfunker Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und E-Plus.

Nummer 1 bei Netzwerktechnik

Groß geworden ist Huawei mit Netzwerktechnik – hier ist das Unternehmen die Nummer 1 vor dem schwedischen Hersteller Ericsson.

Vorbehalte in den USA

Allerdings wird dieser Aufstieg mit Argwohn beäugt. Der US-Kongress bezeichnete die chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE als „Gefahr für die nationale Sicherheit“, weil sie unter der Kontrolle Pekings stünden. Die Firmen weisen das zurück.

Smartphones als zweites Standbein

Seit einigen Jahren macht Huawei auch in Smartphones. Im Heimatmarkt China ist das Unternehmen bereits einer der größten Anbieter, weltweit steht es damit auf Platz 3. Mit hochwertigen Modellen will der chinesische Konzern jetzt seine Position in den Industrieländern stärken – auch in Deutschland. Verbrauchergeräte – neben Smartphones beispielsweise auch Surf-Sticks – sollen künftig mehr zum Umsatz beisteuern.

Große Zukäufe geplant?

Das Selbstbewusstsein der Chinesen zeigt sich an einer Episode: Ein Vorstandsmitglied ließ gegenüber der Presse verlauten, dass man über einen Kauf von Nokia nachdenke. Auch wenn das Unternehmen diese Meldung später dementierte (und mittlerweile Microsoft den Kauf des einstigen Marktführers angekündigt hat), ist klar, dass Huawei expandieren will.

Wenig bekannte Marke

In Deutschland ist Huawei bislang allerdings wenig bekannt. Erst seit September 2011 tritt das Unternehmen unter eigener Marke auf. Um die Präsenz zu erhöhen, will es über die Mobilfunkanbieter Geräte auf den Markt bringen – das sorgt für Sichtbarkeit. Zudem stellte das Unternehmen Anfang 2013 den neuen Slogan „Make it possible“ vor. Die vergleichsweise niedrigen Preise könnten der Bekannt- und Beliebtheit helfen.

Mit einer Hand können das Gerät daher nur Profi-Basketballer umfassen, auch die Bedienung mit einer Hand, zum Beispiel in der S-Bahn, ist wegen der großen Fläche beschwerlich und strengt die Daumen an. Huawei hat deswegen eine Einhandtastatur entwickelt, die Nutzer ohne großen Aufwand einrichten können. Diese geht nicht über die volle Breite des Bildschirms.

Die Tasten sind damit leichter erreichbar, allerdings fallen sie auch kleiner aus – beim Tippen langt man schnell daneben. Erleichtert wird die Bedienung mit einer Hand aber durch die rutschfeste gummierte Rückseite (auf der man dank matter Oberfläche auch keine Fettfinger sieht).

Über die Größe des Gerätes mag man streiten, über die Qualität nicht: Das Ascend Mate ist sauber verarbeitet und ordentlich (wenn auch nicht überragend) ausgestattet. Der Vierkernprozessor reicht im Alltag aus, auch wenn er bei voller Belastung gelegentlich Denkpausen einlegt und das Gerät heiß werden lässt. Der interne Speicher ist nicht üppig portioniert, lässt sich aber mit einer Micro-SD-Karte erweitern.

Und der Bildschirm leuchtet so farbecht und kräftig, dass man auch bei Sonnenschein noch etwas erkennt - auch wenn die Auflösung nicht ganz so hoch ist wie bei Spitzengeräten der Konkurrenz: Samsung Galaxy S4 und HTC One bieten Full-HD (1080x1920 Pixel), das Ascend Mate nur HD (720x1280 Pixel). Trotzdem ist das Bild ausgezeichnet, auch die Kanten sind nicht pixelig.

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