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07.08.2013

09:11 Uhr

Leit-Artikel: Huawei Ascend P6

Dünn, heiß, billig

VonChristoph Henrichs

Huawei will den Smartphone-Markt aufmischen: Das Ascend P6 soll eine günstige Alternative zu iPhone, Galaxy und Co sein. Im Test überzeugt das derzeit dünnste Smartphone der Welt in vielen, aber nicht allen Disziplinen.

Das Huawei Ascend P6 im Test

Video: Das Huawei Ascend P6 im Test

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Huawei ist als Smartphone-Hersteller in Deutschland bislang kaum in Erscheinung getreten – der chinesische Konzern ist wenn überhaupt als Netzwerkausrüster bekannt. Das sollen diverse Geräte zum Kampfpreis ändern, zum Beispiel das Ascend P6, beworben als „dünnstes Smartphone der Welt“. Kann es mit etablierten Konkurrenten wie dem iPhone oder dem Galaxy S4 mithalten?

Auf den ersten Blick auf jeden Fall: Das Huawei-Gerät ähnelt dem iPhone. Es ist zwar größer als das Apple-Gerät, nimmt aber beim Design deutliche Anleihen. Die Optik des P6 ist jedenfalls sehr ansprechend. Das Aluminium-Gehäuse zeigt klare Kante, wenige Rundungen und ist sauber verarbeitet. Gleichzeitig ist das P6 mit 120 Gramm Gewicht sehr leicht und mit 7 Millimetern Höhe sehr schlank – laut Werbung das dünnste Smartphone der Welt. Augenscheinlich hat Huawei ein hochwertiges Produkt gefertigt, das eine gewisse Eleganz ausstrahlt.

Der Bildschirm ist – wie mittlerweile bei den meisten Smartphones –4,7 Zoll groß. Für mich ist das überdimensioniert: Ich habe keine Pranke, mit der ich das P6 festhalten kann, während der Daumen über das Display huscht. Sobald es in entlegene Ecken des Displays geht, stößt meine Hand an ihre Grenzen, verliert den Halt und das P6-Gehäuse droht aus der Hand zu rutschen. Um etwas zu schreiben, muss ich beide Hände nutzen. Für eine schnelle SMS an der Fußgängerampel ist das unpraktisch.

Huawei – der unbekannte Riese

Der Riese aus Shenzen

Huawei ist das größte private Unternehmen in China. Seinen Sitz hat es in der Metropole Shenzhen. Weltweit sind 150.000 Mitarbeiter für den Konzern aktiv. Jeder dritte Erdbewohner benutzt heute schon Technik von Huawei in irgendeiner Form.

1600 Mitarbeiter in Deutschland

Die Europazentrale von Huawei ist in Düsseldorf. In Deutschland arbeiten 1600 Mitarbeiter an 18 Standorten. Zu den Kunden zählen die großen Mobilfunker Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und E-Plus.

Nummer 1 bei Netzwerktechnik

Groß geworden ist Huawei mit Netzwerktechnik – hier ist das Unternehmen die Nummer 1 vor dem schwedischen Hersteller Ericsson.

Vorbehalte in den USA

Allerdings wird dieser Aufstieg mit Argwohn beäugt. Der US-Kongress bezeichnete die chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE als „Gefahr für die nationale Sicherheit“, weil sie unter der Kontrolle Pekings stünden. Die Firmen weisen das zurück.

Smartphones als zweites Standbein

Seit einigen Jahren macht Huawei auch in Smartphones. Im Heimatmarkt China ist das Unternehmen bereits einer der größten Anbieter, weltweit steht es damit auf Platz 3. Mit hochwertigen Modellen will der chinesische Konzern jetzt seine Position in den Industrieländern stärken – auch in Deutschland. Verbrauchergeräte – neben Smartphones beispielsweise auch Surf-Sticks – sollen künftig mehr zum Umsatz beisteuern.

Große Zukäufe geplant?

Das Selbstbewusstsein der Chinesen zeigt sich an einer Episode: Ein Vorstandsmitglied ließ gegenüber der Presse verlauten, dass man über einen Kauf von Nokia nachdenke. Auch wenn das Unternehmen diese Meldung später dementierte (und mittlerweile Microsoft den Kauf des einstigen Marktführers angekündigt hat), ist klar, dass Huawei expandieren will.

Wenig bekannte Marke

In Deutschland ist Huawei bislang allerdings wenig bekannt. Erst seit September 2011 tritt das Unternehmen unter eigener Marke auf. Um die Präsenz zu erhöhen, will es über die Mobilfunkanbieter Geräte auf den Markt bringen – das sorgt für Sichtbarkeit. Zudem stellte das Unternehmen Anfang 2013 den neuen Slogan „Make it possible“ vor. Die vergleichsweise niedrigen Preise könnten der Bekannt- und Beliebtheit helfen.

Das Display kann sich durchaus sehen lassen. Die Auflösung ist höher als beim iPhone 5, das Auge erkennt keine einzelnen Pixel. Die Videos sehen scharf aus, Helligkeit und Kontrast sind tadellos und ausgewogen, die Farben kräftig. Auch bei Sonnenlicht kann ich noch etwas erkennen.

Die Rechenleistung des etwas älteren Vierkernprozessors ist im Vergleich zu den Spitzenmodellen der Konkurrenz mäßig, das fällt im Alltag allerdings selten auf. Etwas knapp bemessen ist auch der interne Speicher. Wer viel mit dem Gerät macht, füllt die nutzbaren fünf Gigabyte schnell. Immerhin kann ich eine SD-Karte nachrüsten und Apps auf diese verschieben. Auch auf den Mobilfunkturbo LTE hat Huawei verzichtet.

Als Betriebssystem ist die Android-Version 4.2 installiert. Darüber hat Huawei seine eigene Oberfläche gelegt, die „Emotion UI“ heißt. Aus 16 Designs kann ich auswählen. Auch sonst lässt sich das Äußere anpassen: Von der Farbgebung des Menüs über das Anlegen von Favoriten bis hin zu frei wählbaren Shortcuts. Was Android-Kennern auffällt: Den Ordner mit sämtlichen Apps gibt es nicht, stattdessen sind beispielsweise die Sozialen Netzwerke oder Google-Anwendungen jeweils in einem eigenen Fach abgelegt.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.08.2013, 11:02 Uhr

Kann mit dem Ding auch ordentlich telefonieren, auch bei schwächerer Netzleistung? Daran mangelt es nämlich bei den meisten Smartphones, besonders denen von Apple. Seltsamerweise wird diese Grundfunktion in den meisten Tests aber gar nicht mehr erwähnt.

Account gelöscht!

07.08.2013, 11:31 Uhr

Da haben Sie Recht - interessanterweise rücken aber auch die Hersteller andere Funktionen in den Mittelpunkt.

Die Sprachqualität des P6 ist ordentlich, der Gesprächspartner klingt klar, allerdings ist die Freisprechfunktion recht leise.

Hb-Reader

07.08.2013, 16:53 Uhr

Was mich als Handelsblatt-Leser interessiert ist, inwiefern sich mittlerweile WindowsPhone als Alternative zu iOS von Apple oder zu Android eignet. Habe gehört bei dem Microsoft-basierten Betriebssystem soll sich einiges getan haben, so dass es sich häufig als die beste Kaufentscheidung darstellen würde.

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