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14.08.2013

11:12 Uhr

Leit-Artikel Lenovo Miix 10

Ein nicht eingelöstes Versprechen

VonMartin Dowideit

Das Lenovo Miix 10 soll Tablet und Notebook in einem sein. Das Gerät ist günstiger als manch direkter Konkurrent, wird inklusive Tastatur ausgeliefert – doch unser Test zeigt: Es hat Konstruktionsfehler.

Technik-Test

Das Lenovo Ideapad Miix10 im Handelsblatt-Testvideo

Technik-Test: Das Lenovo Ideapad Miix10 im Handelsblatt-Testvideo

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DüsseldorfIn der Redaktion haben wir kurz diskutiert: Darf das Wort „fimpschich“ in einem Text auftauchen? Die einen meinten, den Ausdruck kenne kein Mensch. Die anderen sagten, zumindest im Rheinland verstünde es jeder. Wie auch immer: „Fimpschich“ ist das perfekte Wort, um den ersten Eindruck zu beschreiben, den das Lenovo Miix 10 hinterlässt, ein Tablet-Computer, der mit einer Anstecktastatur zum Notebook werden soll. Für die Nicht-Rheinländer: Der Begriff bedeutet so viel wie „schwach gebaut“, „wackelig“.

Die Einschätzung erklärt sich wohl dadurch, dass ich in der gleichen Geräteklasse zuletzt ein Microsoft Surface Pro getestet hatte. Das konnte mich zwar nicht restlos begeistern, aber es war deutlich besser verarbeitet als das Lenovo-Gerät. Denn die Kante zwischen Display und Rückseite ist beim Miix 10 spürbar, der Deckel des SD-Karten-Einschubs wirkt extrem zerbrechlich, der Lautstärkeknopf ist billigstes Plastik.

Mit Hybrid-Rechnern gegen die Krise

PC-Markt im Umbruch

Der Computermarkt ist im Umbruch: Klassische PCs und Notebooks sind immer weniger gefragt, Tablet-Computer und Smartphones boomen. Während vor allem Apple und Samsung vom Boom der mobilen Geräte profitieren, leiden viele andere PC-Hersteller.

So innovativ wie lange nicht

Für die Verbraucher ist die Krise der Computerbranche gar nicht so schlecht: Die Hersteller sind so innovativ wie lange nicht, um die Kunden von ihren Produkten zu überzeugen. Sie probieren derzeit, welche Formate und Funktionen bei den Kunden ankommen.

Touchscreen wird Standard

Lange waren berührungsempfindliche Bildschirme den mobilen Geräten vorenthalten. Doch spätestens mit der Einführung von Windows 8 haben auch immer mehr PCs einen Touchscreen – das neue Betriebssystem von Microsoft ist für die Bedienung mit dem Finger optimiert.

Lauter Hybridwesen

„2 in 1“ oder gar „3 in 1“: Die Hersteller werben mit zahlreichen Hybridwesen. Diverse Notebooks lassen sich mit Schiebe- oder Klappmechanismen zu Tablet-Computern verwandeln, umgekehrt lassen sich viele Flachrechner mit einer Tastatur zu einem passablen Notebook-Ersatz aufrüsten. Zudem gibt es All-in-One-PCs, die sich auch für den Einsatz in der Horizontalen eignen. Die Grenzen verwischen immer mehr.

Microsoft Surface als Vorreiter

Vorreiter der Tablet-Notebook-Hybriden ist Microsoft: Der Software-Hersteller hat mit dem Surface einen eigenen Rechner auf den Markt gebracht, der die Vorzüge der beiden Gerätekategorien vereinen soll. Doch auch etliche andere Hersteller haben ähnliche Geräte im Angebot.

Zwei Betriebssysteme in einem Gehäuse

Für Android gibt es hunderttausende Apps, mit Windows kann man besser arbeiten. Um diese Vorzüge zu vereinen, bringen einige Hersteller Geräte mit beiden Betriebssystemen auf den Markt, etwa Asus mit dem Transformer Book Trio. Allerdings stellt sich angesichts der Preise oft die Frage: Könnte man diese Geräte nicht auch separat kaufen – für weniger Geld?

Trend zum „All in one“

Immer mehr Hersteller setzen auf das Prinzip „All in One“: Ein Computer, bei dem die gesamte Technik in einem schlanken Monitor steckt. Auch hier gibt es viele Mischwesen: Lenovo, Dell und Sony bieten Geräte an, die sich auch als große Tablet-Computer nutzen lassen.

Auch Intel ist im Umbruch

Der Umbruch des PC-Marktes trifft auch Intel: Der Chiphersteller ist die Nummer 1, wenn es um PC-Prozessoren geht, ist bei mobilen Geräten jedoch ein Nischenanbieter. Mit stromsparenden Chips will der Konzern Anschluss finden – in einigen Smartphones und Tablets ist bereits „Intel Inside“.

Allerdings ist der direkte Vergleich ein wenig unfair, das gebe ich zu. Schließlich kostet das Lenovo-Modell mit allem Drum und Dran nur 500 Euro. Das Microsoft-Gerät war zur Einführung inklusive einer (bei Lenovo direkt mitgelieferten) Tastatur doppelt so teuer.

Doch auch wenn man den Preisvorteil berücksichtigt, macht das Miix 10 wenig Spaß. Das Gerät in die Halterung des Schutzdeckels zu stecken, ist alles andere als selbsterklärend – eine Anleitung liegt daher bei. Das Einklipsen in die vorgesehen schwarzen Plastikhalterungen und eine stützende Kante hakelt. Was gut ist: Die eine Seite des Schutzdeckels ist gleichzeitig eine Tastatur. Auf ihr zu schreiben, gelingt aber nicht gerade leise.

Das Tablet ist zwar mit einer Vollversion von Windows 8 ausgestattet und damit für die Bedienung per Touch-Display ausgelegt. Doch begibt man sich in die klassische Windows-Welt, fehlt schnell ein Touchpad oder Trackball, um etwa Textstellen in Dokumenten oder Eingabezeilen im Internet-Browser schneller und gezielter ansteuern zu können als per Fingerdruck auf dem Bildschirm. Dabei bewirbt Lenovo das Miix als „eine erschwingliche Kombination aus Tablet und Notebook“.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Der Anschluss eines externen Geräts über den Micro-USB-Anschluss ist nicht sinnvoll möglich. Denn der ist an der unteren Gehäusekante angebracht ist – und diese ist verdeckt, wenn der Magnetschnapper das Gerät mit der Tastatur verbindet. Eine externe Festplatte kann so nur im reinen Tablet-Modus angestöpselt werden. Entweder Tastatur oder Zubehör.

Wie die Konkurrenz kann auch das Lenovo Miix 10 mit angedockter Tastatur eigentlich nur in einem Winkel aufgestellt werden. Doch durch den flexiblen Buchdeckelrücken passt es sich etwa besser an den Schoß an und kann daher gut auf der Couch genutzt werden.

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