Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2013

10:37 Uhr

Leit-Artikel Lumia 925

Nokias Slim-Fit-Smartphone

VonAxel Postinett

Ein Smartphone auf Abspeckkur: Das Lumia 925 ist schlanker und eleganter als sein Vorgänger. Das Gerät ist zwar nicht mehr das neueste Nokia-Modell, aber womöglich das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Test.

Bereits ab rund 400 Euro zu haben: das Lumia 925 von Nokia.

Bereits ab rund 400 Euro zu haben: das Lumia 925 von Nokia.

Nokia legt derzeit eine hohe Schlagzahl an den Tag. Das Lumia 925 ist noch nicht lange auf dem Markt, da kommt schon das neue Flaggschiff 1020 heraus. Trotzdem ist das ältere Gerät weiterhin einen Blick wert: Denn für deutlich weniger Geld gibt es fast genau so viel Leistung und eine bessere Optik.

Das Lumia 925 macht auf Anhieb einen attraktiven Eindruck. Es ist deutlich schlanker und leichter als der bauchige Vorgänger Lumia 920. Und es sieht mit einem attraktiven, mehrteiligen Metallrahmen sowie einer nicht ganz so attraktiven Plastikrückseite gut aus. Die Abspeckkur hat sich gelohnt. Die drahtlose Ladefunktion des bauchigen Vorgängers 920 musste dafür zwar weichen, aber der Verlust ist zu verschmerzen.

Die Technologie ist in weiten Teilen identisch mit dem Lumia 920. Da werkelt ein gerade noch zeitgemäßer 1,5 Ghz-Prozessor und ein Gigabyte Arbeitsspeicher ist für die Programmausführung da. Erst das neue Lumia 1020 hat zwei Gigabyte RAM. Faustregel: je mehr RAM-Speicher vorhanden ist, um so mehr Programme können parallel ausgeführt werden. Ein GB ist allerdings schon ziemlich gut und das 925 hält jedem Vergleich stand. Aber Fakt ist: Das 925 hat die Technologie des vergangenen Jahres unter der Haube. Die ist nicht schlecht, aber immerhin.

Windows Phone 8

Außen ähnlich, innen neu

Auch wenn Windows Phone 8 (WP 8) nach einer Fortsetzung von Version 7 klingt und mit dem Kachel-Design ähnlich aussieht: Microsoft wagte im Herbst 2012 einen echten Neuanfang. Denn das mobile Betriebssystem hat nicht mehr den alten Systemkern, der über Jahre zum Einsatz kam. Stattdessen nutzt WP 8 den gleichen Kern wie die PC-Software Windows 8. Das macht die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geräten leichter, außerdem können Entwickler einen Teil ihrer Software auf beiden Systemen verwenden und somit leichter Apps entwickeln.

Mehr Vielfalt bei der Hardware

Microsoft setzte den Hardware-Herstellern mit Windows Phone 7 enge Grenzen – das hat mit dem Nachfolgesystem ein Ende: Es erlaubt Mehrkern-Prozessoren, hochauflösende Displays und unterstützt die Nachfunktechnologie NFC, die etwa beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz kommt. Außerdem können Micro-SD-Karten nachgerüstet werden und so den Speicher aufrüsten.

Kacheln basteln erlaubt

WP 8 gibt den Nutzern mehr Gestaltungsfreiheit: Sie können die Kacheln auf dem Startbildschirm vergrößern oder verkleinern und neu anordnen, außerdem gibt es neue Oberflächen-Motive. Zudem bereichern einige Dienste das Kachel-System: der Internet Explorer 10 etwa, der für Touchscreens optimiert ist und Java-Script deutlich schneller verarbeiten soll. Außerdem hat Microsoft seinen Internet-Telefoniedienst Skype für die neuen Windows-Systeme überarbeitet und tief ins System integriert, ebenso den Online-Speicher Skydrive.

Eine Spielecke für Kinder

Wenn die Kinder gerne mit dem Smartphone der Eltern spielen, geht das oft schief. Deswegen hat Microsoft für Windows Phone 8 eine „Kinderecke“ entwickelt, die wie ein Gastzugang am PC funktioniert. In diesem abgesicherten Bereich können Nutzer beispielsweise bestimmte Spiele ablegen.

Nokia-Navigation kostenlos an Bord

Ein Pluspunkt sind die Kartendienste von Nokia, die künftig nicht nur auf den Geräten des finnischen Herstellers vorinstalliert sind, sondern fester Bestandteil von WP 8 sind und somit auf den anderen Smartphones ebenfalls laufen.

App-Auswahl ist noch durchwachsen

Die Software ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Smartphone-Systems – zum Start von Windows Phone 8 im Herbst 2012 konnte Microsoft das Angebot auf 120.000 Apps weiten, 46 der 50 beliebtesten Smartphone-Anwendungen waren im Windows Store verfügbar. Zum Vergleich: Zu dem Zeitpunkt hatten Google und Apple jeweils mehr als 700.000 Apps im Angebot. Die Auswahl für Windows-Phone-Geräte ist in den letzten Monaten allerdings stetig gewachsen.

Was fehlt: Ein Mitteilungszentrum

Die Kacheln auf dem Bildschirm aktualisieren sich zwar automatisch, das Mailprogramm zeigt beispielsweise die Zahl der ungelesenen Nachrichten an. Ein Mitteilungszentrum, wie man es vom iPhone und Android-Geräten kennt, fehlt aber. Zudem unterstützte das Betriebssystem zunächst UKW-Radios nicht – diese Funktion schiebt Microsoft aber mit einem Firmware-Update nach.

Das Gerät hat je nach Ausstattung 16 oder 32 Gigabyte internen Speicher. Ein Problem bei allen Lumia-Modellen: Es gibt keinen SD-Kartenslot mehr, um die Kapazität zu erweitern. Die alte iPhone-Krankheit greift immer mehr um sich. Als magerer Ersatz bietet sich Microsofts Online-Speicher Skydrive. Im Test zeigten sich die geballten Nachteile dieser Technik angesichts des löchrigen und schwachen T-Mobile-Netzes in den USA. All zu oft war schlicht kein Zugang zu den Inhalten im Webspeicher zu bekommen. In Deutschland ist die Situation bedingt besser – je nach Netzabdeckung.

Als Software kommt Windows Phone 8 in der Nokia-eigenen Version „Amber“ zum Einsatz. Neben den Standardverbesserungen, die Microsoft kurzfristig mit seinem Update GDR2 für viele Windows-Geräte verschiedener Hersteller liefert, hat Nokia ein paar eigene Schmankerl eingebaut. Das 925 ist das erste Windows Phone mit GDR2, ein Zeichen der engen Partnerschaft zwischen Microsoft und Nokia, die bereits vor der angekündigten Übernahme des Handyherstellers eng ist.

Der augenfälligste und witzigste Unterschied zu vielen anderen Geräten ist die permanent sichtbare Uhr auf dem Lockscreen. Ist das nicht genial? Wir sind dank „Glance“, so nennt sich die Funktion, endlich wieder da, wo wir vor Einführung des iPhones schon einmal waren. Damals war die permanente Digitaluhr Standard auf jedem billigen Handy. Aus der Tasche ziehen, drauf schauen, fertig. Heute gähnt uns eine große schwarze Fläche entgegen, bis man mindestens einen Knopf drückt.

Ob in der Kneipe oder auf Veranstaltungen (ja, sogar auf der Hausmesse von Google), die kleine Digitaluhr des Lumias löste überall ein erstaunlich positives Feedback aus. Niemand hatte irgendwie drüber nachgedacht, aber wenn man es dann sieht, will man es nicht mehr missen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×