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17.07.2013

12:18 Uhr

Leit-Artikel Lytro-Kamera

Erst knipsen, dann scharf stellen

VonChristof Kerkmann

Die Vorstellung ist faszinierend: Mit der Lytro-Kamera erst das Foto machen und anschließend festlegen, was zu erkennen sein soll. Unser Test zeigt aber: Das erste Gerät mit dieser Technologie hat noch Kinderkrankheiten.

Video

Das kann die Lytro

Video: Das kann die Lytro

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DüsseldorfDas Startup Lytro hat eine fotografische Revolution angekündigt: Mit seiner neuen Kamera, so das Versprechen, könne man erst knipsen und dann scharf stellen – bislang zum Bedauern vieler Hobbyfotografen ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Klick auf den Eiffelturm im Hintergrund, und der Rest verschwimmt. Noch ein Klick und die Familie im Vordergrund rückt in den Fokus, während das Bauwerk unscharf wird. Das US-Unternehmen spricht von lebendigen Bildern.

Diesen Effekt ermöglicht die Lichtfeld-Technologie. Forscher arbeiten daran seit den 90er Jahren, der Informatiker und Lytro-Gründer Ren Ng von der Eliteuniversität Stanford hat sie massentauglich gemacht. In dieser Woche bringt seine Firma das erste Gerät für Amateure auch in Deutschland auf den Markt. Im Test von Handelsblatt Online zeigte die Kamera faszinierende Effekte, aber auch einige Schwächen.

Dass die Lytro anders ist, wird schon an der Form deutlich: Sie ist ein klobiger Quader. Das Aluminium-Gehäuse ist elf Zentimeter lang und misst vier mal vier Zentimeter im Querschnitt. Dieses Format ist der Lichtfeld-Technik geschuldet, hat aber einen großen Nachteil: In die Hosentasche passt dieser Klotz nur mit Schwierigkeiten. Das Design ist dezent bis minimalistisch gehalten. Vorn besteht das Gehäuse aus Aluminium, hinten sorgt ein Silikonmantel für Griffigkeit. Die wenigen Bedienelemente sind unauffällig angebracht: unten ein Knopf zum Ein- und Ausschalten, oben der Auslöser und ein Schieber für den Zoom.

Testtagebuch Lytro

Schicker Magnetdeckel

Der Kameradeckel wird magnetisch befestigt. Schick - aber unpraktisch: Weil er nicht am Objektiv festklemmt, fällt er leicht ab, wenn man die Kamera aus den Tiefen des Rucksacks holt.

Monitor im Miniformat

Auf dem kleinen quadratischen Monitor kann ich oft nur erahnen, wie sich der Schärfeneffekt auf die Bilder auswirkt. Für mehr sind 2,75 Zentimeter Höhe und Breite zu klein.

Die ersten Bilder enttäuschen

Nachdem ich die ersten Fotos auf den PC übertragen habe, bin ich enttäuscht: Die Aufnahmen im Büro sind nicht besonders lebendig. Einfach abdrücken ist nicht sinnvoll – damit sich der Schärfeeffekt einstellt, braucht man Vorder- und Hintergrund.

Auf der Suche nach Blumen und Hundespielzeug

Nach einiger Zeit entwickelt man einen Blick dafür, welche Szenen sich für die Lytro eignen. Faustregel: Mindestens zwei Gegenstände sollten ein Stück voneinander entfernt sein. Blumen oder herumliegendes Hundespielzeug eignen sich prima als Vordergrund. Manchmal gelingen mit der Lytro echte Wow-Effekte.

Ohne Licht wird's körnig

Einen Blitz hat die Kamera nicht an Bord – als ich in der Dämmerung fotografiere, wird das Bild trotz der großen Blende arg körnig.

Auflösung wie ein Smartphone

Eine Auflösung in Megapixel gibt der Hersteller nicht an. Wandelt man die Bilder ins JPG-Format um, sind es jedoch maximal 1080x1080 Pixel. Manche Smartphone-Kamera hat eine bessere Auflösung.

Google Translate statt Übersetzer?

Die Übersetzung der Installationsanleitung für die Desktop-Software ist holprig. „Die Lytro-Anwendung wird auf Ihrer Lytro-Kamera vorbelastet“, heißt es da – hier gibt es offenbar ein Missverständnis über die Bedeutung von „charge“. Und weiter: „Einfach verstopfen Sie Ihre Kamera in Ihren Computer mit dem Mikro-USB-Kabel und beginnen Sie den Installierungsprozeß. Nachdem die Installierung komplett ist, trennen Sie und replug in Ihrer Kamera. Wenn Sie eine andere Kopie benötigen von der Anwendung laden Sie sie einfach hier herunter.” Gute Reise!

Schnell verbunden dank WLAN

Lytro hat die Kamera mit WLAN ausgestattet. Das erleichtert die Übertragung von Bildern auf den PC oder aufs Smartphone erheblich. Die Einrichtung ist in weniger als einer Minute erledigt.

Gleich mit dem iPhone posten

Seit kurzem gibt es eine iPhone-App, die Bilder von der Lytro gleich auf der Website der Firma oder bei Facebook postet. Das klappt auf Anhieb prima – eine sinnvolle Erweiterung.

Mehr braucht es auch nicht. Denn die Tüftler aus Kalifornien haben ein Verfahren zur Reife gebracht, mit dem man im Nachhinein festlegen kann, welcher Bildbereich scharf zu sehen ist – die Lichtfeld-Technologie. Sie erfasst alle optischen Informationen einer Szene durch viele kleine Linsen, darunter auch die Richtung der Lichtstrahlen und die Intensität der Farben.

Daraus kann die Software in einem aufwendigen Verfahren unterschiedliche Bilder errechnen – mal ist die Person im Vordergrund scharf zu sehen, mal das Denkmal im Hintergrund. Weil es bei diesem Verfahren nicht um Bildpunkte geht, bemisst Lytro die Kapazität des Sensors nicht in Megapixeln, sondern in Megaray. Elf Millionen Lichtstrahlen erfasst dieses Modell.

Erst fotografieren, dann scharf stellen, ganz ohne Wartezeit: All das klingt nach einer perfekten Kamera für Gelegenheitsknipser. Doch das erste Gerät des US-Startups Lytro hat einige Kinderkrankheiten.

Kommentare (2)

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loetrograf

17.07.2013, 13:57 Uhr

Habe die Kamera bereits 1Jahr im Einsatz. Totale Begeisterung!
Https://pictures.Lytro.com/loehlifant

Der Lötrograf

Account gelöscht!

17.07.2013, 14:30 Uhr

Welche Erfahrungen haben Sie denn mit dem Gerät gemacht? Was war gut, was weniger?

Und: Dürfen wir ein Foto bei uns einbinden?

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