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21.08.2013

11:11 Uhr

Leit-Artikel Metawatch Frame

Ein Sekretär für das Handgelenk

VonDana Heide

„Freiheit für die Hände“ verspricht die Smartwatch von Hersteller Metawatch. Im Test von Handelsblatt Online überzeugt die Uhr in Verbindung mit dem Smartphone als praktischer Helfer. Doch es hakt noch an vielen Stellen.

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DüsseldorfEs wäre wahrscheinlich anders, wenn die Uhr von Apple stammte. Dann könnte ich mich mit der Smartwatch an meinem Handgelenk als Trendsetter mit hohem Budget für Technik präsentieren. Apple rückt aber mit seiner kolportierten iWatch noch nicht raus, und so nehme ich mit der Metawatch Frame Vorlieb – und fühle mich nicht wie eine hippe Trendsetterin, sondern eher wie ein Computer-Nerd.

Das Gerät stammt von der Firma Metawatch, ein amerikanisches Start-up, das sich auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Anschubfinanzierung gesichert hat. Seit kurzem hat es einen Vertriebspartner in Deutschland, so dass wir das Gerät auch hier kaufen können, ohne Probleme mit dem Zoll.

Die Zielgruppe dieser Uhr scheint klar: Männer. Das Gerät ist so groß, dass es in der Breite mein Handgelenk überragt. Der Tragekomfort lässt für mich daher zu wünschen übrig, ich bin oft erleichtert, wenn ich sie am Abend ablege. Auch sonst ist das Modell, das immerhin rund 200 Euro kostet, und vom Unternehmen als „elegant“ beworben wird, nicht gerade eine Augenweide. Das schwarze Lederband wirft bereits nach ein paar Tagen Tragen kleine Fältchen.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Gerüchte um Apple

Offiziell ist noch nichts, doch Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer Smartwatch. Den Namen „iWatch“ hat das Unternehmen offenbar bereits in mehreren Ländern schützen lassen. 100 Entwickler sollen an dem Geheimprojekt beteiligt sein. Auch Microsoft wird großes Interesse an diesem Markt nachgesagt. Google bestätigte, ein Start-up mit Smartwatch-Technologie übernommen zu haben. Der Wettbewerb dürfte also hart werden.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Das Design scheint nicht im Vordergrund gestanden zu haben: Ein Farbdisplay hat die Uhr nicht. Mit der schwarz-gelben Pixeloptik erinnert der Bildschirm an die frühen Gameboys. Da sind andere Hersteller weiter: Die italienische I’m Watch etwa hat ein Farbdisplay und ansprechende Icons.

Doch ein Design á la Apple scheint auch nicht gewollt bei der Metawatch. Im Laufe des Tests wird immer deutlicher: Metawatch richtet sich eher an Tüftler mit viel IT-Verstand als an Otto Normalverbraucher. So können Entwickler im Open-Source-System an eigenen Apps für die Uhr arbeiten.

Ebenfalls sehr bezeichnend ist, dass Metawatch zwei Webseiten betreibt: metawatch.eu und metawatch.org. Die erste Webseite richtet sich an potenzielle Käufer und ist sehr schlicht und seriös: weißer Hintergrund, hübsches Webdesign, gut ausgeleuchtete Fotos von glücklichen Menschen. Das Portal metawatch.org richtet sich dagegen eher an Entwickler. Es ist ist fast komplett in schwarz gehalten – auf der Startseite prangt ein roter Button, der eine zur Faust geballte und in die Luft gestreckte Hand inklusive Armbanduhr zeigt. „Join the Revolution“ steht großspurig am Rand – mach mit bei der Revolution.

Doch auch ohne eine IT-Expertin zu sein und die Welt der Smartwatches revolutionieren zu wollen: Für meinen Job ist die Uhr sehr hilfreich. Sie ist mein kleiner Sekretär. Via Bluetooth ist sie mit dem Kalender auf meinem Smartphone verbunden und erinnert mich mit zartem Vibrieren frühzeitig an Termine. Auch wenn ich morgens vor dem Kleiderschrank stehe, hilft mir die Uhr: Wetter und aktuelle Temperatur werden mir stets angezeigt.

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