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05.06.2013

10:11 Uhr

„Leit-Artikel“ Microsoft Surface Pro

Der Computer mit Doppelleben

VonMartin Dowideit

Die Idee ist gut: Das Surface Pro von Microsoft ist ein Tablet-Computer, der gleichzeitig den Heim-PC ersetzen soll. Der Test von Handelsblatt Online zeigt: Das Gerät ist edel, hat aber gewöhnungsbedürftige Schwächen.

Ein Tablet-Computer mit Anstecktastatur: das Surface Pro von Microsoft.

Ein Tablet-Computer mit Anstecktastatur: das Surface Pro von Microsoft.

Das Gewicht fällt sofort auf. Wer ein iPad oder anderes Tablet nutzt, dem liegen die etwas mehr als 900 Gramm des Surface Pro schwer in der Hand. Außerdem ist das Gerät von Microsoft mit 1,35 Zentimetern dicker als die meisten Konkurrenten, das iPad beispielsweise misst nur 0,94 Zentimeter. Doch die zusätzlichen Millimeter und Gramm haben ihren Grund: Das Surface Pro soll gleichzeitig auch ein PC sein. Die Amerikaner wollen die eierlegende Wollmilchsau geschaffen haben.

Das Gerät macht – wie der kleine Bruder Surface RT – einen tollen äußeren Eindruck. Die mattgraue Metallhülle aus einer Magnesiumlegierung wirkt widerstandsfähig und der integrierte Ständer wackelt nach dem Aufklappen keinen Millimeter. Ein magnetischer Schnappmechanismus macht den Anschluss einer gleichzeitig als Deckel fungierenden Tastatur zum Kinderspiel. Per Magnet lässt sich auch das Ladekabel an das Gerät anschließen – allerdings ist das Steckerformat kein bekannter Standard. Das mitgelieferte Netzteil überzeugt aber durch eine integrierte USB-Ladeschnittstelle etwa für ein Handy.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Unter dem Tastaturdeckel verbirgt sich ein kristallklares Display (Auflösung 1920 x 1080 Pixel, Full HD), das gestochen scharfe Bilder, Grafiken und Texte liefert, aber relativ stark spiegelt und selbst in indirektem Sonnenlicht schnell an seine Darstellungsgrenzen kommt. Bedient werden kann das Tablet-Laptop entweder per Fingerberührung, per Tastatur oder mitgeliefertem Stift. Über eine (einzelne) USB-Schnittstelle kann etwa auch eine Maus angeschlossen werden.

Ein Schalter am Rand erweckt das Gerät zum Leben und startet die Kachel-Darstellung des Windows-8-Betriebssystems – in weniger als zehn Sekunden. Zu den integrierten Apps zählen etwa Nachrichten- und Wetterangebote, aber auch der Internet-Telefoniedienst Skype, der Microsoft gehört. Ein Wischen vom rechten Rand öffnet das wichtige Optionsmenü. Dort ist auch der Start-Knopf versteckt, der aus allen Anwendungen die Rückkehr zum Heimat-Bildschirm ermöglicht.

Ein Tippen auf die „Desktop“-Kachel zeigt die andere Seite des Geräts, die für eingefleischte Tablet-Liebhaber wohl die dunkle Seite ist: Windows in seiner gewohnten Desktop-Ansicht, die anders als die Windows-8-Oberfläche mit keinen Programmen bestückt ist. Der von früheren Windows-Versionen bekannte Startknopf fehlt allerdings.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

05.06.2013, 12:41 Uhr

Microsoft: ich bin schon ein fan, MS hat meist gute Ideen (auch in der Software), es fehlen aber auch immer die letzten 10% um es richtig gut zu machen!!!
wenn das surface pro jetzt noch ein integriertes umts modul, besseren Akku, entspiegeltes Display und einen Standard-mini-HDMI anschluss bekommt ist es genau das was ich seit 1 jahr suche!
wirklich ein tolles Konzept, ich warte aber auf die 2. Generation oder einen anderen Hersteller, der schneller ist ...

Himmel

05.06.2013, 13:46 Uhr

Leider habe ich mir kein Surface pro gekauft. Nach zwei Jahre des Wartens habe ich mir wegen des Preises einen Androiden von Sony gekauft, aber nach Tagen des Probierens und Erkennens, dass vieles nicht geht, es schon bereut. Hätte ich nur die 500 Eu mehr ausgegeben. Wer bisher mit einem Windows PC umgehen kann und sich die Anschaffung eines ersten Tablets überlegt, sollte sich die Android- und Windows 8-Welt vorher genau ansehen und ausprobieren. Mein TIP: Wer in der Android-Welt nicht versiert ist, sollte einen Surface pro wählen. Das erspart tagelanges (herum) probieren und feststellen was alles nicht geht.

Account gelöscht!

05.06.2013, 14:17 Uhr

ja, man sollte vorher schon bedenken, ob man ein "surfbrett" für die couch will (apple & android), oder doch vollwertige PC-Funktionen als tablet-notebook hybriden (windows 8)...

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