Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2013

09:21 Uhr

Leit-Artikel Ricoh Theta

Die Kamera mit dem Rundumblick

VonSabrina Störkel

Spezielle Kompaktkameras ergänzen immer häufiger das eigene Smartphone. Die Theta von Ricoh macht mit einem Knopfdruck 360-Grad-Panoramabilder. Im Test hat es Klick gemacht – trotz einiger Problemchen.

Handelsblatt Techniktest - Video

Theta-tête in 3D – Das kann Ricoh Theta

Handelsblatt Techniktest - Video : Theta-tête in 3D – Das kann Ricoh Theta

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Fotos kann mit dem Smartphone jeder schießen. Eine zusätzliche Kompaktkamera macht daher nur Sinn, wenn diese etwas Besonderes kann – wie es die Ricoh Theta verspricht. Mit nur einem Knopfdruck erzeugen ihre zwei gegenüberliegenden Linsen samt der integrierten Software ein vollsphärisches Panoramabild. Im Test von Handelsblatt Online entstanden dabei faszinierende Aufnahmen, auch wenn es an einigen Stellen hakte.

360-Grad-Panoramen sind nichts Neues. Fertigt man aber die Bilder mit einer hochwertigen Ausrüstung an und bearbeitet sie anschließend am PC, ist der Aufwand enorm. Lässt man dagegen eine Smartphone-App viele Einzelaufnahmen zusammenpuzzeln, ist die Qualität nicht besonders gut. Die Theta soll es besser machen: Das Gerät im Format einer Fernbedienung hat an gegenüberliegenden Seiten zwei Objektive, deren Aufnahmen es anschließend zusammensetzt. Mit einer Ansichts-Software kann ich mich in diesem Panorama bewegen.

Bei ersten Herumprobieren stelle ich fest: Für das Ergebnis ist entscheidend, wo man die Aufnahmen macht. Die ersten Bilder im heimischen Arbeitszimmer sind zwar im Handumdrehen gemacht, geben aber nicht viel her.

Darum nehme ich Theta überall mit hin: Zur Erstsemesterbegrüßung im Fußballstadion, vorbei an einer Helge-Schneider-Filmpremiere, auf ein Konzert und in die Düsseldorfer Altstadt; auf die Arbeit, in die Mittagspause zwischen Banktürmen und Hochhäusern. Die Aufnahmen sind auf der Online-Plattform theta360.com zu sehen.

Aber meine Skepsis, die nach den ersten Versuchen aufgekommen ist, will noch nicht so recht weichen. Schnappschüsse im Dämmerlicht oder aus der Hüfte geschossen sind verwischt und grobkörnig, Gesichter lassen sich selten gut erkennen. Panoramen „problemlos und in jeder Situation“ verspricht Ricoh. Und ich denke: Das ist etwas dick aufgetragen. Zumal bei Fotos, die man mit dem Gerät in der Hand schießt, der Daumen immer zu sehen ist. Und ob mir das zusagt, da bin ich mir nicht so sicher.

Was Theta noch fehlt

Mehr Halt gratis

Optional kann man in das Stativgewinde ein Trageband fürs Handgelenk einschrauben. Dieses ist in verschiedenen Farben separat erhältlich. Bei einem Preis von 400 Euro müsste dieses Zubehör noch drin sein.

Objektivabdeckung

Den beiden Glubschaugen fehlt eine Augenklappe. Da sie deutlich hervorstehen, täte man gut daran, sie zu schützen. Vor allem, wenn man sie für spontane Schnappschüsse in der Hosentasche trägt, um sie nicht erst aus der mitgelieferten Tasche befreien zu müssen.

Mehr Einstellungsmöglichkeiten

Die Qualität der Aufnahmen würde sich durch manuelle Einstellungsmöglichkeiten der Kamera enorm verbessern lassen. Zusätzlich bekämen Fotografen noch mehr Gestaltungsspielraum. Damit die Theta als Kamera ernst genommen wird, muss Hersteller Ricoh in diesem Punkt noch aufrüsten.

Selbstauslöser

Eine typische Kamerafunktion, die bei Theta fehlt: der Selbstauslöser. Dieser ist nicht nur sinnvoll, wenn man gerade mal kein Smartphone dabei oder keine Hand mehr frei hat.

Intervallaufnahmen

Eine tolles Feature wären Serienbilder in festgelegten Zeitintervallen.

Video-Funktionen

Die meisten Kameras können auch Videos aufzeichnen. Das wäre auch für die Theta spannend.

Mehr Funktionen für theta360.com

Die Theta-Plattform theta360.com ist noch nicht besonders ausgereift. Bislang kann sie wenig mehr, als die hochgeladenen Panoramabilder sphärisch darzustellen. Das heißt: Kein adäquater Datenschutz, keine Privatsphäre-Einstellung, keine Sortier-, keine Kommentier-, keine Verlinkungsoption. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Plattform mit steigenden Nutzerzahlen entwickelt – oder ob Ricoh weiter allein auf Facebook, Twitter und Co. zählt.

RAW-Format für die Profis

Will man aus Theta mehr herausholen als schöne Urlaubsfotos, dann gibt das jpeg-Format nicht viel her. Für eine anständige Nachbearbeitung der Aufnahmen wären Dateien im RAW-Format unverzichtbar, da sie mehr Bildinformationen enthalten.

Aufrüstung für Profis

Sollte die Kamera eines Tages tatsächlich Features wie Videoaufnahme und hochauflösende Panoramen bekommen, wären wären ein externer Speicher und austauschbarer Akku Pflicht. Bei der aktuellen Version kommen Speicherkapazität und Akkulaufzeit indes kaum an ihre Grenzen.

Die WLAN-Funktion verschafft Abhilfe: Die Kamera verfügt zwar nicht über einen klassischen Selbstauslöser, lässt sich aber mit dem iPhone verbinden. Mit der kostenlosen App lassen sich Aufnahmen aus der Ferne auslösen – schraubt man die Kamera auf ein Stativ, ist der Finger nicht zu sehen. Die Bilder lassen sich direkt aufs Mobiltelefon übertragen und dort betrachten. Wenn man möchte, kann man das Gerät auch so konfigurieren, dass es die Standortdaten aufzeichnet.

Die Bedienung der App funktioniert recht einfach. Allerdings überlässt es Ricoh dem Kunden herauszufinden, dass nur über die App eine manuelle Reglung der Bildhelligkeit vorgenommen werden kann. Einmal eingestellt, bleibt die Einstellung beibehalten, auch wenn die Kamera ohne WLAN-Verbindung genutzt wird.

Die Steuerung per WLAN gelingt aber nicht immer. Die Verbindung will manchmal nicht auf Anhieb klappen, manchmal reißt sie ab, wenn der Sperrbildschirm des iPhones einsetzt. Dumm, wenn das beim Gruppenbild in der Boxhalle passiert.

Immerhin, die Bilder, die ich Theta beim Training entlockt habe, begeistern mich. Die gute Hallenausleuchtung erweist sich als vorteilhaft, ebenso das verwendete Stativ. Aber es muss ja auch ohne gehen. Überschwänglich packe ich die Kamera ein, auf das Stativ verzichte ich – bei Sonnenschein am Rhein. Und auch hier, ein paar Wolken ziehen über den blauen Himmel, zeigt sich Theta von ihrer guten Seite.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×