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20.11.2013

09:13 Uhr

Leit-Artikel Samsung Galaxy Gear

Auf den Spuren von Knight Rider

VonAlexander Möthe

Samsung bleibt am Puls der Zeit: Der Konzern hat mit der Galaxy Gear seine erste Smartwatch herausgebracht. Die funktioniert im Test gar nicht schlecht, ist aber nicht mehr als ein Spielzeug für Gadget-Enthusiasten.

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Hilfe, meine Armbanduhr vibriert

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DüsseldorfHilfe, meine Uhr will mit mir sprechen! Der erste Anruf mit der Samsung-Smartwatch Galaxy Gear hat schon etwas Befremdliches. Wenn sich Armbanduhren normalerweise bemerkbar machen, dann geschieht das durch leises Ticken (analog) oder häufig deplatziertes Piepsen (digital). Die Gear hingegen meldet mit einem Vibrieren, dass aus dem Smartphone ein Anruf eingeht – sie funktioniert nur im Doppelpack mit einem Mobiltelefon als Basisstation.

Mit dieser Funktion spricht die Gear eine ganze Generation junger Erwachsener an, die seit ihrer Fernseh-Sozialisierung in den 80er Jahren mit „Knight Rider“ von einer schlauen Uhr träumen. Einer Uhr, die sich als Kommunikationsgerät, Bordcomputer oder Geheimagentenausrüstung ans Handgelenk schmiegt.

Aber hält das Gerät, was es verspricht? Zum Test steht die Samsung Galaxy Gear mit vier Gigabyte internem Speicher, 800 Megahertz Prozessor, einer 1,9-Megabyte-Kamera und einem 1,63 Zoll kleinen LED-Display bei einem Gewicht von 73,8 Gramm. Kostenpunkt: rund 300 Euro.

Alleine nicht besonders smart

„Gear“ bedeutet übersetzt „Ausrüstung“, aber auch „Steuerung“. Beides bringt gut auf den Punkt, was diese Smartwatch, also eine Kreuzung aus Smartphone und Armbanduhr, macht: Die Galaxy Gear ist ein Zubehör, sie steuert ein anderes Gerät – in diesem Fall ausschließlich einige wenige Samsung-Smartphones. Denn damit Uhr und Smartphone sich verstehen, wird die App „Gear Manager“ benötigt, die wiederum nur auf dem Betriebssystem Android 4.3 Jellybean läuft. Diese Version ist erst für wenige Geräte angepasst worden.

Kompatibel ist die Smartwatch derzeit mit Samsung Galaxy S4, Galaxy Note 3 und dem Tablet-Computer Galaxy Note 10.1 2014 Edition. Der Hersteller verspricht, dass sich nach dem Update auf Android 4.3 auch S3 und Note 2 mit der Gear verstehen. Wer keines dieser Geräte hat, kann mit der Computer-Uhr wenig anfangen.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Gerüchte um Apple

Offiziell ist noch nichts, doch Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer Smartwatch. Den Namen „iWatch“ hat das Unternehmen offenbar bereits in mehreren Ländern schützen lassen. 100 Entwickler sollen an dem Geheimprojekt beteiligt sein. Auch Microsoft wird großes Interesse an diesem Markt nachgesagt. Google bestätigte, ein Start-up mit Smartwatch-Technologie übernommen zu haben. Der Wettbewerb dürfte also hart werden.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Ist der „Gear Manager“ installiert, läuft der Kontakt zwischen Smartwatch und Mobilegerät absolut reibungslos. Ein Kontakt genügt, schon koppeln sich die Geräte per Nahfunk-Technologie NFC und Bluetooth. In der Testphase kam es nicht einmal zu einer Störung oder einem ungewolltem Abbruch der Verbindung. Das allein ist schon aller Ehren wert. Allerdings ändert sich nichts an der klassischen Bluetooth-Reichweite, sprich: Rund um die Entfernungsmarke von zehn Metern wird es kritisch mit dem Signal.

Nicht schießen, aber telefonieren

Was kann sie denn nun, diese Smartwatch? Nun, sie kann keine Gummigeschosse oder Druckluftpatronen abfeuern (wie die Geräte im Yps-Heft oder im James-Bond-Film), eine Taschenrechnerfunktion ist beim Start auch nicht an Bord. Aber es lässt sich damit immerhin der beste Freund und Partner anrufen (wie bei Knight Rider). 

Die Grundfunktionen der Gear sind überschaubar und größtenteils intuitiv geregelt. Anrufe werden ohne Zeitverzögerung weitergeleitet und können per Fingerwisch oder Sprachbefehl angenommen oder abgewiesen werden. Auch SMS werden gelesen, für E-Mails gibt es zumindest Benachrichtigungen. Mit einem Update, das erst nach dem Test veröffentlicht wurde, zeigt die Uhr auch den kompletten Inhalt der Nachricht.

Darüber hinaus sind nur wenige Apps vorinstalliert, etwa ein Schrittzähler und eine Kalender-Schnittstelle. Zusätzliche Anwendungen zu installieren, ist umständlich: Im Samsung Store gibt nur eine sehr kleine Auswahl. Bei der Installation muss die App vielfach erst einmal auf dem Handy oder Tablet eingerichtet werden.

Recht brauchbar funktioniert die Notiz-Anwendung Evernote. Auch Atooma, eine App mit der bestimmte Aktionsabläufe im Muster „Wenn..., dann...“ definieren lassen, erweist sich als durchaus sinnvoll. Sie macht der Gear beispielsweise klar, dass sie auf Vibration stellen soll, wenn man das Handgelenk schüttelt. Wer beim Joggen zwei Geräte mit sich führen will, darf sich über verschiedene Fitness-Apps freuen.

Vollkommen überflüssig dagegen sind Angebote wie der Wine Scanner: Der sagt einem, welchen Wein man gerade vor sich hat – wenn man das Etikett fotografiert. Es gib auch Berichte, dass normale Android-Anwendungen auf der Gear ans Laufen gebracht wurden. Aber der Großteil der Apps scheitert am winzigen Display und der geringen Rechenleistung.

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