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23.04.2014

10:11 Uhr

Leit-Artikel Samsung Gear Fit

Schlechtes Gewissen am Handgelenk

VonChristof Kerkmann

Mehr Bewegung! Die Smartwatch Gear Fit ist eine unausgesprochene Aufforderung: Sie zeigt nicht nur Anrufe und E-Mails an, sie motiviert auch mit Medaillen zu mehr Aktivität. Doch bei der Auswertung patzt die Computeruhr.

Handelsblatt-Technikttest

Samsungs beste Smartwatch

Handelsblatt-Technikttest: Samsungs beste Smartwatch

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DüsseldorfSchon die paar Meter vom Schreibtisch zur Kaffeeküche zählen. Und der Weg zur Straßenbahn erst recht. Forscher und Fitness-Trainer plädieren für mehr Bewegung im Alltag – 10.000 Schritte pro Tag sollen den Menschen gesünder und schlanker machen. Die Technikbranche hat das passende Geschäftsmodell für diese Empfehlung entdeckt, zahlreiche Hersteller wollen mit ihren Fitness-Armbändern dazu motivieren, öfter zu Fuß zu gehen.

Samsung baut einen solchen Motivator in seine neue Smartwatch Gear Fit ein, die seit kurzem im Handel ist: Das Gerät zeigt also nicht nur Anrufe und E-Mails, die auf dem Smartphone eingehen, mit einem sanften Vibrieren an, sondern vermisst dank eines Bewegungssensors auch gelaufene Strecken und den Schlaf in der Nacht. Während es mehr Bewusstsein für die Bewegung im Alltag schafft, dürfte es Fitness-Begeisterten wenig Nutzen bieten.

Schlankeres Design

Viele Computeruhren haben ein Manko: Sie sehen klobig aus. Das gilt auch für die erste Generation der Samsung-Smartwatch (hier der Test), die der Konzern im Herbst vorgestellt hatte. Die Gear Fit ist im Vergleich dazu deutlich schlanker und schmiegt sich dank des gebogenen Displays ans Handgelenk. Für mich ist es die erste Smartwatch, mit der ich mich in der Öffentlichkeit sehen lassen würde. Dass ich mit ihr weder telefonieren noch fotografieren kann, ist kein Nachteil – dafür habe ich immer noch das Mobiltelefon in der Tasche.

Wie andere Computeruhren auch dient die Gear Fit als Zubehör fürs Smartphone: Sie zeigt eingehende Gespräche, E-Mails oder Twitter-Nachrichten an. Ist man beschäftigt, kann man eine vordefinierte SMS an den Anrufer schicken – etwa „Ich rufe zurück“. Für den Notfall lässt sich eine Hilfenachricht formulieren, die an bestimmte Personen verschickt wird, wenn man den Ein- und Ausschalter drei Mal drückt. Und wenn das Telefon verschwunden ist, kann die Smartwatch ein Suchsignal aussenden, zumindest in Bluetooth-Reichweite. E-Mails lesen kann man mit dem Gerät indes nicht, es bietet nur eine Vorschau.

Kurz und knapp: Gear Fit

Was genau ist es?

Smartwatch und Fitness-Tracker in einem: Die Gear Fit vermeldet Anrufe und E-Mails, führt aber auch über zurückgelegte Strecken Buch.

Was sagt die Werbung?

„Auch beim Workout eine gute Figur machen.“

Was ist in der Verpackung?

Uhr, Netzteil, Lade-Adapter, Anleitung – das reicht auch.

Was ist gelungen?

Die Gear Fit ist schlank und schmiegt sich ans Handgelenk. Das Display ist leuchtstark. Und der Schrittzähler leistet gute Dienste bei einer akzeptablen Abweichung.

Was ist weniger gelungen?

Bislang versteht sich das Gerät nur mit ausgewählten Samsung-Smartphones. Die Messung von gelaufenen Distanzen ist – anders als die Schrittzählung – nicht sehr präzise. Und die Software zur Auswertung der Daten bietet vergleichsweise wenige Funktionen.

Wie viel kostet ist?

Samsung empfiehlt einen Preis von 200 Euro, farbige Armbänder kosten extra.

Ist es empfehlenswert?

Wer als Sportler ein elektronisches Trainingstagebuch führen will, sollte lieber das Smartphone oder eine dezidierte Sportuhr nutzen. Wer sich selbst zu mehr Bewegung motivieren will und am Smartwatch-Konzept Spaß hat, bekommt ein hübsches Gerät.

Die Einrichtung des Gerätes erfolgt mit einer übersichtlichen App. Im „Gear Fit Manager“ wird festgelegt, welche Dienste die Smartwatch per Bluetooth anfunken dürfen, wie der Bildschirmhintergrund aussieht und in welchem Format die Uhrzeit angezeigt werden soll – das Hochformat ist deutlich bequemer. Bislang sind 17 Samsung-Modelle mit dem Gerät kompatibel (hier die Übersicht), eine Ausweitung auf Smartphones anderer Hersteller ist nach Angaben des Unternehmens nicht geplant.

Mit einem verstohlenen Blick aus dem Augenwinkel wird man die Zeit allerdings nicht erkennen können: Der Bildschirm ist normalerweise aus, um die Batterie zu schonen. Er lässt sich entweder mit einem Tastendruck oder einer Geste aktivieren. Immerhin hält das Gerät so rund drei Tage durch und damit deutlich länger andere Computeruhren.

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