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26.06.2013

10:17 Uhr

Leit-Artikel Txtr Beagle

Der will doch nur lesen!

VonThomas Trösch

Handlich, hübsch und unkompliziert – der Txtr Beagle macht seinem tierischen Namensgeber alle Ehre. Zum treuesten Freund des Lesers taugt der E-Reader aber trotzdem nur bedingt, wie unser Test belegt.

Lese-Leichtgewicht: Der Txtr Beagle wiegt kaum 130 Gramm.

Lese-Leichtgewicht: Der Txtr Beagle wiegt kaum 130 Gramm.

Wer mir eine Ware mit den Worten „read only“ anpreist, kann sich meiner ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Lesen gehört zu den Beschäftigungen, denen ich mich selten erlahmender Ausdauer widmen kann. Entsprechend wohlwollend ist meine Stimmung, als ich den Txtr Beagle erstmals aus der Verpackung hole.

Der erste Eindruck: schick und leicht. Kaum 130 Gramm wiegt der Beagle mit seinem fünf Zoll großen Display. Das sehr flache Gehäuse läuft am unteren Ende in einer Wulst aus, die den Reader angenehm griffig macht. Nebenbei dient sie auch der Aufnahme von zwei AAA-Batterien, die laut Hersteller genügend Saft für die Lektüre von bis zu 15 Büchern liefern sollen. Da Txtr offenbar glaubt, dass dies dem Jahreskonsum eines durchschnittlichen Lesers entspricht, wird die Betriebszeit für eine Ladung Batterien mit bis zu einem Jahr angegeben. Na ja.

Vorteile und Nachteile von E-Readern

Ausdauernder Akku

Die E-Ink-Displays sind sehr energieeffizient, daher muss der E-Reader erst nach mehreren tausend Seiten wieder an die Steckdose – das reicht für Wochen.

Angenehmes Lesen

Dank der E-Ink-Technik ähnelt der Bildschirm von E-Readern einer Buchseite – das ist für die Augen angenehm. Zudem lässt sich damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesen. Geräte mit Beleuchtung wie Kindle Paperwhite und Tolino Shine ermöglichen es zudem, auch im Dunkeln zu lesen.

Geringes Gewicht

Die meisten E-Reader sind Leichtgewichte, die um die 200 Gramm wiegen. Tablet-Computer im Sieben-Zoll-Format bringen oft das Doppelte auf die Waage, Zehn-Zöller sogar das Dreifache. Zudem sind die meisten Lesegeräte so kompakt, dass sie auch in die Jackentasche passen.

Große Kapazität

Aktuelle E-Reader haben mehrere Gigabyte Speicher und erlauben teils noch eine Erweiterung per Micro-SD-Karte. Selbst wenn man Bildbände oder Comics aufspielt, reicht das für Hunderte Bücher – das spart beispielsweise im Urlaub Gepäck.

Strenger Kopierschutz

Viele E-Books haben einen Kopierschutz. Damit können Käufer ihre digitalen Bücher nicht einfach an Freunde verleihen. Zwar ist es möglich, ein E-Book auf mehreren Geräten gleichzeitig zu öffnen, allerdings ist das an das eigene Benutzerkonto geknüpft.

Formate-Wirrwarr

Nicht jeder E-Reader kann jedes E-Book öffnen. Marktführer Amazon nutzt das AZW-Format, das sich nur mit dem Kindle öffnen lässt. Die Tolino-Allianz, der die Buchhändler Thalia, Hugendubel, Weltbild und Club Bertelsmann angehören, setzen auf das EPUB-Format, das die meisten Modelle öffnen können, der Kindle jedoch nicht. Bei E-Books ohne Kopierschutz ist aber eine Konvertierung relativ einfach machbar.

Eingeschränkte Möglichkeiten

E-Reader sind Lesegeräte – nicht mehr, nicht weniger. Wer nur gelegentlich ein E-Book liest, ist mit einem Tablet-Computer besser bedient. Mit dem kann man auch im Internet surfen und Filme gucken.

Ein wenig widerspenstig gibt sich der hintere Abdeckung des Readers, als ich die Batterien einlegen will. So viel Kraft, wie ich fürs Öffnen und Schließen des Deckels aufwenden muss, bekommt Plastik normalerweise nicht gut – da würde ich beim Dauergebrauch um die Unversehrtheit meines Readers fürchten. Immerhin, da ein erstes Aufladen entfällt und bereits einige Bücher aufgespielt sind, kann ich gleich mit der Lektüre beginnen – und so schnell realisieren, dass Txtr das „read only“ sehr wörtlich gemeint hat.

Tatsächlich kann ich außer Umblättern eigentlich nichts machen. Zwei Tasten auf der Gerätevorderseite ermöglichen das Vor- und Zurückblättern, dazu gibt es noch einen Menüknopf, um ein anderes Buch aufzurufen – das war’s dann schon. Weder kann ich gezielt einzelne Seiten oder Kapitel aufrufen, noch Notizen erstellen, Lesezeichen setzen oder wenigstens die Schriftgröße verändern. Da bin ich von anderen Readern mehr gewöhnt.

Zur Ehrenrettung des Beagle muss allerdings gesagt werden, dass er von der Grundidee eigentlich gar kein ausgewachsener E-Book-Reader sein will. Ursprünglich sollte er in Kooperation mit Netzbetreibern als reines Smartphone-Begleitgerät auf den Markt kommen. Doch die Kooperationspartner blieben aus, und so entschloss man sich zum Alleingang.

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