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16.10.2013

09:31 Uhr

Leit-Artikel Z30

Blackberrys allerletzte Chance

VonTill Simon Nagel

In der tiefsten Krise der Firmengeschichte stellt Blackberry sein „größtes und fortschrittlichstes“ Smartphone Z30 vor. Unser Test zeigt: Die wichtigste Neuerung ist die Software – und die gibt es auch für andere Geräte.

Handelsblatt Techniktest

Das Blackberry Z30 im Test

Handelsblatt Techniktest: Das Blackberry Z30 im Test

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DüsseldorfEs ist keine leichte Zeit für den Smartphone-Pionier Blackberry. Das Geschäft läuft schlecht, der kanadische Hersteller streicht tausende Stellen und stellt sich selbst zum Verkauf. Mitten in diese turbulente Zeit fällt die Vorstellung des neuen Modells Z30, angekündigt als „größtes, schnellstes und fortschrittlichstes Blackberry“. Lohnt sich der Kauf des Gerätes, trotz aller Zweifel an der Zukunft der Firma?

Größtes Blackberry, das ist wörtlich zu verstehen: Das Gerät überrascht durch seine Ausmaße. Der 5-Zoll-Bildschirm misst es noch einmal ein ganzes Stück mehr als die bisherigen Spitzenmodelle Z10 und Q10. Dank der abgerundeten Kanten und der griffigen Rückwand liegt das 170 Gramm schwere Smartphone angenehm in der Hand. Die Bedienung erfolgt beinahe ausschließlich über den Touchscreen – Knöpfe gibt es nur für die Bildschirmsperre, die Lautstärkeregelung und die Sprachsteuerung.

Für ein Telefon dieser Größe ist das Z30 ziemlich dünn und handlich. Ein Blick unter die komplett abnehmbare Rückseite offenbart den Grund. Der riesige, 2880 Milliamperestunden fassende Akku ist fest eingebaut – so lässt sich Platz sparen. Ansonsten stecken hinter der Abdeckung noch die Steckplätze für SIM- und Speicherkarte, zwei Lautsprecher und mehrere Mikrofone. Alles in allem ist die Verarbeitung gut. Nichts knirscht, knackt oder wackelt.

Auch der AMOLED-Bildschirm macht eine ordentlichen Eindruck. Er verfügt über HD-Auflösung und zeigt klare Farben mit starken Kontrasten und dunklen Schwarztönen.

Die größten Neuerungen stecken beim Blackberry Z30 allerdings unter der Haube. Mit dem Betriebssystem Blackberry 10.2 liefern die Kanadier die erste Überarbeitung ihres neuen Betriebssystems, das sich nur mit Gesten steuern lässt.

Die Neuerungen von Blackberry 10

Zentrale für Nachrichten

Blackberrys sind als E-Mail-Maschinen bekannt geworden. Mit dem Betriebssystem Blackberry 10, eingeführt im Januar 2013, werden die Geräte zu multimedialen Alleskönnern: In der neuen Kommunikationszentrale – dem Blackberry Hub – sind auch Kurznachrichten, Facebook- oder LinkedIn-Meldungen, verpasste Anrufe und aktuelle Kalendereinträge zu sehen. Öffnen lässt sich die Oberfläche mit einer einzigen Geste.

Navigation ohne Knöpfe

Früher hatten praktisch alle Blackberry-Geräte Tasten – diese Zeiten sind vorbei, etliche Modelle haben nur einen Touchscreen. Deswegen hat das Unternehmen eine Navigation entwickelt, die stark auf Gesten setzt. Ein Beispiel: Das Smartphone kann mit einem Wisch vom unteren zum oberen Bildschirmrand freigegeben werden. Mit einer anderen Geste öffnet sich die Kommunikationszentrale, der Hub.

Schneller tippen auch ohne Tasten

Auch das Schreiben auf Touchscreens wird erleichtert. Zum einen erstellt die Software auf Grundlage von E-Mails oder Facebook-Nachrichten ein persönliches Wörterbuch und kennt damit häufig verwendete Begriffe. Zudem lernt das Gerät und korrigiert regelmäßige Tippfehler automatisch. Außerdem werden gleich diverse Begriffe vorgeschlagen, die der Nutzer möglicherweise eintippen will. Bis zu zwei Drittel Tastaturanschläge kann das System nach Einschätzung von Blackberry einsparen.

Privat und Dienstliches wird getrennt

Blackberry 10 richtet auf dem Gerät einen privaten und einen dienstlichen Bereich ein. Ist der Geschäftsmodus aktiviert, läuft die gesamte Kommunikation verschlüsselt über die Server des eigenen Unternehmens. Im privaten Bereich hat dagegen der Nutzer das Sagen. So sollen die Geräte einen hohen Sicherheitsstandard ermöglichen, wie ihn der Systemadministrator in der Firma fordert, aber dem Nutzer trotzdem ermöglichen, Apps zu installieren oder ins Internet zu gehen.

Mehrere Programme gleichzeitig

Blackberry 10 erlaubt Multitasking – es können also mehrere Apps gleichzeitig laufen. Mit einer Geste gelangen Nutzer zur Übersicht der aktiven Anwendungen.

Neue Funktionen dank Apps

Apps spielten bei den früheren Blackberry-Generationen kaum eine Rolle. Das hat sich mit dem Betriebssystem Blackberry 10 geändert. Allerdings ist die Auswahl bei den Konkurrenz-Systemen iOS und Android um ein Vielfaches höher. Daher erlaubt Blackberry seit dem Update auf Version 10.2 auch die Installation von Android-Apps, ohne dass Nutzer die Dateien vorher konvertieren müssen.

Das Update hat es in sich: So kündigen sich neue Nachrichten nun mit kleinen Mitteilungsfenstern am oberen Bildschirmrand an, sogenannten Toasts. Nutzer können sie dort teilweise sofort bearbeiten, ohne die aktuelle App zu verlassen.

Der Hub, also die Nachrichtenzentrale für E-Mail, Twitter, Facebook, SMS oder Anrufe, sortiert Nachrichten jetzt nach Priorität. Hier können Anwender mit eigenen Vorgaben besonders wichtige, persönliche oder sonstige Nachrichten mit einem Fingerwisch abrufen oder Anhänge durchschauen. In der systemweit verfügbaren Share-Option merkt sich das Telefon nun die Kontakte, denen man häufig Inhalte sendet, und bietet sie automatisch zur Auswahl an. Das erspart einiges Fuhrwerken im Telefonbuch. Der Blackberry-eigene Nachrichtendienst BBM schließlich erhält mit der neuen Softwareversion eine verbesserte Sprachübertragung.

Eine weitere Neuerung ist die Zusammenarbeit mit USB-Medien. Speicher-Sticks lassen sich per Adapterkabel an das Telefon anschließen und über den Dateimanager auslesen. Der Inhalt kann dann beispielsweise über den eingebauten HDMI-Ausgang direkt an Bildschirme oder Beamer weitergeleitet werden – so lassen sich Präsentationen leicht direkt vom Smartphone abspielen.

Kommentare (1)

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TomTomWeitwurf

16.10.2013, 11:30 Uhr

Endlich! Ein Handy mit USB-Anschluß zum Anschluß von marktüblichen Speichererweiterungen und USB-Messequipment! Aber USB hinter einer Klappe wie ein Batteriefach hätte mich noch mehr gefreut. Und ich will Wechselakkus, am besten mit AA Typ!

Aber dennoch: schmeiß weg das Samsung, schmeiß weg das iPhone...

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