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09.10.2013

10:18 Uhr

Leit-Artikel ZTE Open

Das Sparphone mit dem Feuerfuchs

VonChristof Kerkmann

Es ist ein Gegenentwurf zum iPhone: Das ZTE Open nutzt als erstes Smartphone das offene Betriebssystem Firefox OS, und es kostet nur 79 Euro. Das macht sich im Test leider an allen Ecken und Enden bemerkbar.

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Firefox kennt man – als offenen Browser, den eine Gemeinschaft von Programmierern ohne kommerzielle Interessen weiterentwickelt. Diese Philosophie wollen die Macher mit einem eigenen Betriebssystem auf Smartphones übertragen. Das erste Gerät mit Firefox OS, das ZTE Open, ist seit kurzem in Spanien auf dem Markt. Wir konnten es einem Test unterziehen.

Das ZTE Open kommt zu einem Kampfpreis auf den Markt: 79 Euro kostet es in Spanien – und zwar ohne Mobilfunkvertrag von Telefónica, das das Gerät vermarktet. Dieser Niedrigpreis ist kein Zufall: Die Mozilla-Stiftung will zunächst Nutzer erreichen, die noch kein Smartphone haben, gerade in Schwellenländern. Erst in den nächsten Jahren sollen Geräte für Technikliebhaber herauskommen, denen ein Preis von 300 Euro aufwärts nichts ausmacht.

Firefox OS

Erst ein Browser, jetzt ein Betriebssystem

Den Namen Firefox dürften die meisten Internetnutzer kennen: So heißt ein beliebter Browser, den die nicht-kommerzielle Mozilla-Stiftung mit einer Community ehrenamtlicher Programmierer entwickelt. Im Februar 2013 kündigte die Organisation an, auch an einem Betriebssystem für Handys zu arbeiten.

Offenes Web statt geschlossener Plattform

Anders als die Konkurrenz nutzt Firefox OS ausschließlich offene Web-Standards. Das soll es einfacher machen, Apps für Firefox-Handys zu erstellen. Die Anwendungen werden aus dem Netz abgerufen und basieren auf dem Standard HTML5.

Eine Alternative zu Apple und Android

Mit dem Firefox OS will Mozilla den dominanten Handy-Betriebssystemen iOS (Apple) und Android (Google) die Stirn bieten. „Das Internet sollte nie von irgendwelchen Firmen kontrolliert werden“, sagte der damalige Mozilla-Chef Gary Kovacs beim Start mit Blick auf die führenden Unternehmen der Branche.

Kampf um den dritten Platz

Allerdings trifft Firefox OS auf viel Konkurrenz. Gerade in Schwellenländern in Android beliebt. Außerdem adressiert Marktführer Samsung mit dem System Tizen diesen Markt. Drittgrößte Plattform ist derzeit Windows Phone von Microsoft, auch Blackberry hat noch seine Fans.

Breite Unterstützung aus der Branche

Der Mozilla-Stiftung ist es gelungen, eine Gruppe von Netzbetreibern, Geräte- und Chipherstellern hinter sich zu bringen. So unterstützen die Mobilfunker Deutsche Telekom und Telefónica das System. Weil das Betriebssystem sich der Open-Source-Idee verschrieben hat und der Quellcode offen ist, können sie wieder mehr Kontrolle übernehmen. Die Handybauer ZTE und Alcatel haben bereits Geräte mit dem System gebaut, auch LG und Sony unterstützen es.

Smartphones für die Schwellenländer

Die Hardware-Anforderungen des Betriebssystems sind relativ niedrig. Daher ist es möglich, Geräte mit der Software vergleichsweise billig anzubieten. Zielmärkte sind vor allem Schwellenländer wie Brasilien und Indien, wo sich die Menschen die teuren Smartphones der Marktführer Apple und Samsung kaum leisten können.

High-End-Geräte kommen später

Auch wenn Firefox OS zunächst auf das Billigsegment zielt, soll das Betriebssystem nicht darauf beschränkt bleiben. in den kommenden Jahren dürften auch teurere Firefox-Smartphones auf den Markt kommen. Tablet-Computer mit dem System sind noch nicht geplant, es gibt aber bereits Entwickler, die das ausprobieren.

Start in mindestens 15 Ländern

2013 kam Firefox OS beispielsweise in Spanien und Polen auf den Markt, außerdem in einigen südamerikanischen Ländern. In Deutschland hat die Deutsche Telekom das Alcatel One Touch Fire in den Handel gebracht.

Wer schon einmal ein Smartphone in der Hand hatte, wird mit der Benutzeroberfläche des ZTE Open schnell zurechtkommen. Der Startbildschirm zeigt Datum und Uhrzeit, darunter sind Schnellstart-Logos für Telefon, SMS, Browser, Kamera und UKW-Radio, die überall zu sehen sind. Mit Wischbewegungen nach rechts kommt man zu den installierten Anwendungen; links liegen diverse Ordner, mit denen Nutzer ihre Programme organisieren können – vorgegeben sind beispielsweise Soziale Netzwerke und Spiele.

Um den Kampfpreis zu ermöglichten, musste ZTE jedoch offenbar an allen Ecken und Enden sparen. Das fängt an beim Äußeren: Das Gerät ist kein schlanker Handschmeichler, sondern ein pummeliges Stück Plastik. Immerhin liegt es mit seinen abgerundeten Kanten prima in der Hand.

In Inneren mühen sich Komponenten, die schon seit Jahren nicht mehr zeitgemäß sind. Der Prozessor hat einen Rechenkern mit 1 Gigahertz Taktfrequenz – die heutigen Spitzenmodelle haben vier Kerne.  Der Arbeitsspeicher ist mit 512 Megabyte schmal bemessen, noch schmaler ist jedoch der interne Speicher mit 130 Megabyte. Um das Gerät sinnvoll nutzen zu können, muss man ihn per Micro-SD-Karte aufrüsten. Telefónica legt eine bei.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.10.2013, 12:36 Uhr

Es ist wirklich an der Zeit, dass es im mobilen Internet ein Gegengewicht zu Apple und Google gibt! Man darf auf die nächsten, technisch besseren Modelle gespannt sein.

flyinghorse

12.10.2013, 10:56 Uhr

Für einen vermeintlich gerade zwei Tage jungen Test allerdings schlecht recherchiert: das ZTE Open kostet gerade mal noch 49,00 €. Das ist im Bereich des Preis-Leistungsverhältnisses (und das ist bei diesem Telefon nun mal das Wichtigste) noch mal erheblich besser.

Siehe
http://www.movistar.es/particulares/movil/moviles-tarjeta/ficha/zte-open-prepago?pid=movilprepago1

Leider gibt es bisher keine sinnvolle Möglichkeit, das nach Deutschland zu importieren. Der ZTE eBay-Shop ist durch Wechselkurs und Versand dann doch recht teuer (ca. 85 € egal ob aus UK oder USA).

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