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28.02.2013

10:10 Uhr

Mobile World Congress

Funk' mir mal 'nen Euro!

VonChristof Kerkmann

Riesige Bildschirme, geschwätzige Maschinen, Handys als Brieftasche: Die Mobilfunkbranche hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona aktuelle Trends vorgestellt. Was wichtig war, was wichtig bleibt – ein Überblick.

Das Smartphone immer im Blick: Die Mobilfunkbranche hat in Barcelona die neuesten Trends vorgestellt. AP/dpa

Das Smartphone immer im Blick: Die Mobilfunkbranche hat in Barcelona die neuesten Trends vorgestellt.

Smartphone statt Kleingeld?

Schon seit Jahren sprechen Mobilfunker und Banken vom elektronischen Portemonnaie – dieses Jahr könnte den Bezahlsystemen im Handy tatsächlich der Durchbruch gelingen. Denn es haben sich zwei Schwergewichte zusammengetan: Alle künftigen Smartphones von Samsung enthalten das mobile Zahlungssystem von Visa. Dessen Konkurrent Mastercard kündigte das System Masterpass an, das als eine Art digitale Brieftasche für alle Lebenslagen gedacht ist.

Dieses Angebot dürfte sich Paypal genau angesehen: Der Zahlungsdienstleister will ebenfalls die Plastikkarten ablösen. Und auch Blackberry ermöglicht den Geldtransfer per Smartphone, zunächst allerdings nur in Indonesien: Dort können Nutzer über den Kommunikationsdienst BBM Beträge an andere überweisen. Ob das Verfahren auch andernorts eingeführt wird, ist unklar.

Der Erfolg der digitalen Brieftasche hängt auch davon ab, ob sich eine Technologie durchsetzt: NFC.

Das Wichtigste zum kontaktlosen Bezahlen

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert per Funk. Die Karten mit Girogo-, Paypass- oder Paywave-Technologie sind mit einem speziellen Chip (NFC - Near Field Chip) ausgestattet. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte im Abstand von maximal vier Zentimetern davorgehalten wird. Der Inhaber gibt seine Kreditkarte oder Girocard dabei nicht aus der Hand.

Für welche Beträge ist das gedacht?

Vor allem für Kleinbeträge, die üblicherweise bar bezahlt werden: Tageszeitung, Kaffee. Nutzer neuartiger Visa- oder Mastercard-Karten können kontaktlos bis zu einem Betrag von 25 Euro ohne Geheimnummer (PIN) oder Unterschrift bezahlen. Liegt der Betrag darüber, sind PIN oder Unterschrift notwendig. Wer die SparkassenCard nutzt, muss - wie zuvor bei der Geldkarte - ein Guthaben von höchstens 200 Euro auf die Karte laden und kann dann Beträge bis 20 Euro kontaktlos bezahlen. Nächstes Jahr entscheidet die Kreditwirtschaft über höhere Summen.

Ist die Technik sicher?

Nach Angaben der Sparkassen werden beim Bezahlvorgang nur zahlungsrelevante Daten wie Betrag und Kartennummer ausgetauscht: „Es werden keine Kundeninformationen, keine Namen, an den Handel weitergegeben“, sagt Werner Netzel, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands. Visa führt aus, Zahlungen seien „besonders sicher“. Weil nur noch der Chip und nicht der Magnetstreifen zum Einsatz komme, gebe es keine Chance für Kriminelle, die durch manipulierte Automaten Kartendaten abschöpfen. Auch Mastercard will die Sorge vor ungewollten Abbuchungen nehmen: Die Karte funktioniere nur, wenn sie sich im Abstand von höchstens vier Zentimetern vom Terminal befinde.

Was passiert beim Vorhalten zweier Karten?

Wird mehr als eine Karte während des Bezahlvorganges an das Bezahlterminal gehalten, findet keine Abbuchung statt. Der Vorgang wird dann abgebrochen.

Wie kontrolliere ich meine Abbuchungen?

Auf der Karte mit Girogo werden die letzten 15 Bezahlvorgänge und die letzten drei Ladevorgänge gespeichert. Um sie auslesen zu können, brauchen die Kunden allerdings eine Applikation (App) für ihr Smartphone oder müssen einen Terminal im Handel aufsuchen. Bei Paypass und Paywave findet sich jede einzelne Buchung auf dem Kontoauszug.

Wo kann heute schon kontaktlos bezahlt werden?

Abgesehen von den Händlern, die Paypass akzeptieren, kann heute schon in den Stadien von Bayer Leverkusen und Mainz 05 kontaktlos bezahlt werden. Auch in vielen Universitäten und Kantinen gibt es bereits solche Bezahlkarten.

Wie könnte die Entwicklung weiter gehen?

Die NFC-Technik kann auch in Mobiltelefone integriert werden - so wie es heute bereits Google Wallet nutzt. Mit einer speziellen Software könnte das Smartphone dann nicht nur die Geldbörse des Kunden, sondern auch den Kassenterminal des Verkäufers ersetzen. Auf diese Weise könnte man etwa bei Taxifahrern oder Paketboten mobil bargeldlos bezahlen.

Funk mir mal 'nen Euro

Die Nahfunk-Technologie NFC ist ein Phantom: Die Mobilfunkbranche spricht seit Jahren darüber, aber sinnvolle Einsatzmöglichkeiten gibt es kaum. Dabei funktioniert sie – etwa um auf die Schnelle Kontaktdaten zu tauschen, Fotos vom Handy auf den Fernseher zu übertragen oder die Daten auf einer externen Festplatte zu sichern. Sony zeigte auf dem Mobile World Congress eine Reihe von Geräten aus eigenem Haus, mit denen das reibungslos funktioniert.

Doch die mobilen Bezahlsysteme mit der Funktechnologie gibt es bislang fast ausnahmslos nur auf der Messe zu sehen. „Der Erfolg wird sich nicht einstellen, wenn es nicht eine kritische Masse an Bezahlmöglichkeiten im Handel gibt“, sagte Blackberry-Manager Andrew Bocking im Gespräch mit Handelsblatt Online. Um die Nutzer zu locken, dürfe NFC nicht nur das Bezahlen vereinfachen, sondern auch das Drumherum, etwa die Verwaltung von Kundenkarten. „Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich mein Portemonnaie zu Hause lasse und mein Smartphone mitnehmen kann“, sagte Bocking.

Groß, größer, Phablet

Ob die vielen neuen Riesen-Smartphones praktisch oder unpraktisch sind, hängt ganz von der Nutzung ab. Zum Telefonieren sind die Klopper reichlich unhandlich. Dagegen eignen sich die großen Bildschirme prima, um bequem im Internet zu surfen, E-Mails zu tippen oder Videos anzuschauen. Marktforscher halten die oft als Phablets bezeichneten Geräte für den nächsten – nun ja – großen Trend. Ganz vorne ist übrigens Asus mit dem Fonepad, ein Tablet mit Telefonfunktion: Es misst in der Diagonale stolze 7 Zoll, fast 18 Zentimeter.

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