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22.01.2007

18:32 Uhr

Mobilfunk: 10-Cent-Tarif

E-Plus heizt Preiskampf weiter an

Mit der Einführung eines neuen Tarifs hat E-Plus eine neue Runde beim Wettrennen um das billigste Angebot im deutschen Mobilfunk eingeleitet. Mit einem Minutenpreis von zehn Cent unterbietet der drittgrößte Anbieter Deutschlands das aktuelle Marktniveau um rund 50 Prozent. Experten erwarten, dass die Konkurrenz bald nachzieht

E-Plus-Sitz in Düsseldorf. Foto: dpa Quelle: dpa

E-Plus-Sitz in Düsseldorf. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Vom 1. Februar an können E-Plus-Kunden rund um die Uhr für zehn Cent je Minute in alle deutschen Mobilfunk- wie auch in alle Festnetze telefonieren, wie das Düsseldorfer Unternehmen am Montag ankündigte. Damit liegt der Preis niedriger als die Tarife bisheriger Discount-Angebote, bei denen die Telefonminute zwischen 14 und 16 Cent kostet. Allerdings schreibt E-Plus anders als die "No frills"-Anbieter seinen Kunden in dem Tarif einen Mindestumsatz von zehn Euro pro Monat vor.

E-Plus untermauert mit dem neuen Tarif seinen Anspruch als günstigster Anbieter in Deutschland. Mit der Einführung der Zweitmarke Simyo Mitte 2005 hatten die Düsseldorfer den Preiskampf in der Branche eingeleitet - seitdem sind die Preise für Handy- Telefonate nach Angaben Statistischen Bundesamts um ein Fünftel gefallen. Tendenz weiter stark sinkend, sind sich Experten sicher.

Mittelfristig gebe es einen Spielraum für ein Absenkung von über 20 Prozent, sagt der Chef von blau.de, Martin Ostermayer. "Mit dem Minutenpreis von zehn Cent kratzt E-Plus an einer für die Kunden wichtigen Marke", sagt ein Experte. Bei einem einstelligen Minutenpreis sähen viele Nutzer Mobilfunkgespräche nicht mehr als teuer an - würden also auch stärker zum Handy greifen. Unter dem Strich stünde mit der höheren Nutzung ein Umsatzplus.

Möglich wird der Preisabschlag durch staatlich verfügte Absenkungen der so genannten Terminierungsentgelte. Hinter dem sperrigen Wort verbergen sich die Gebühren, die die Unternehmen für Anrufe in ihr Netz erhalten. "Wir haben für die Senkung der Weiterleitungspreise gekämpft und geben die Vorteile jetzt an die Kunden weiter", sagt E-Plus-Vorstand Thorsten Dirks.

Die Bundesnetzagentur als Regulierer will die Entgelte von derzeit neun bis zehn Cent mittelfristig auf rund sechs Cent senken. Die Kunden können sich also auf einen weiteren Preisrutsch freuen. Der Eingriff des Regulierers sorgt bei den Managern von T-Mobile & Co für Sorgenfalten auf der Stirn: Denn die Terminierungsentgelte sind eine wichtige Einnahmequelle. Wenn diese wegfällt, dann drohen kräftige Abschläge bei der Marge.

Die Auswirkungen der Entwicklung haben die Handy-Anbieter bereits zu spüren bekommen. Quer durch die Bank haben die Gesellschaften daher zum Teil tief greifende Sparprogramm eingeleitet. So senkte T Mobile - seine Kosten im Milliardenumfang und baute dabei auch Stellen ab. Vodafone lagert einen Teil seiner Technik aus und auch E-Plus kam nicht an Einschnitten vorbei. Mit den Einsparungen machen sich die Anbieter fit für den Wettbewerb.

Antreiber will dabei E-Plus bleiben. Das Vorpreschen der Düsseldorfer kommt aber nicht von ungefähr: Die Gesellschaft steht von allen Mobilfunkern am stärksten unter Druck. Während die Marktführer T-Mobile und Vodafone D2 üppige Margen von über 40 Prozent ausweisen, kam die KPN-Tochter nur auf einen Bruchteil der Summe. Trotz eines ordentlichen Kundenwachstums bekam E-Plus die Kosten nicht in den Griff. Mit der neuen Mehrmarken-Strategie (Simyo, Base) besserte sich die Lage des Branchendritten deutlich. Dazu gehört aber auch ein massives Sparprogramm, das den Abbau von zehn Prozent der Belegschaft umfasst.



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