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16.05.2017

13:53 Uhr

Neues Smartphone Key One

Ein schwerer Neuanfang für Blackberry

VonChristof Kerkmann

Es macht wieder Klick: Heute kommt das Blackberry Key One mit echter Tastatur heraus. Dahinter steckt der chinesische Konzern TCL, der die bekannte Marke nutzt – und die Frage beantworten muss: Wer braucht noch Tasten?

Das Key One ist das erste Modell, das unter der Ägide der TCL-Tochter Blackberry Mobile entstanden ist – das Unternehmen Blackberry ist nur noch am Rande beteiligt. Blackberry Mobile

Neues Blackberry Key One

Das Key One ist das erste Modell, das unter der Ägide der TCL-Tochter Blackberry Mobile entstanden ist – das Unternehmen Blackberry ist nur noch am Rande beteiligt.

DüsseldorfAuf der Vorderseite glänzen die kleinen, abgerundeten Tasten. Über den weißen Buchstaben stehen, ganz klein, Ziffern und Sonderzeichen. Und auf der Rückseite fällt das stilisierte B ins Auge, das in die Abdeckung eingelassen ist. Wer über 30 Jahre alt ist und die vergangenen Jahre nicht in medialer Abstinenz verbracht hat, der erkennt gleich: Dieses Smartphone ist ein Blackberry.

So unwahrscheinlich das klingt: Die traditionsreiche Marke feiert gerade ein Comeback. Das Key One kommt am heutigen Dienstag in Deutschland auf den Markt, große Elektronikhändler und Mobilfunkanbieter werden es vertreiben. Dahinter steckt jedoch nicht der Konzern Blackberry, sondern der chinesische Hersteller TCL, der die Markenrechte erworben hat und nun neue Modelle entwickelt und fertigt.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

„Die Menschen kennen die Marke“, sagt François Mahieu, der das Europageschäft der TCL-Tochter Blackberry Mobile leitet. Sie sei immer noch ein Zeichen für Erfolg, „fast ein Statussymbol“. Mit einer Marketingkampagne will er nun den spektakulären Niedergang des Blackberry-Geschäfts vergessen machen. Und er will zeigen, dass Handys mit Tasten immer noch gefragt sind – trotz der vielen Konkurrenten, die schon den Original-Blackberrys vor einigen Jahren das Leben schwer machten.

Das Key One soll die Stärken ausspielen, für die Blackberry steht: Es hat eine Tastatur mit echten, klickenden Tasten, ergänzt um intelligente Wortvorschläge auf dem Bildschirm. Es bietet einige Sicherheitsfunktionen, etwa eine App namens DTEK, die permanent den Zustand des Gerätes überwacht und vor Risiken warnt. Und es enthält einen Akku, der auch bei intensiver Nutzung mindestens den ganzen Tag durchhalten soll.

Damit die Nutzer nicht auf eine große Auswahl an Apps, Musik und Filme verzichten müssen, nutzt TCL aber kein eigenes Betriebssystem, wie es Blackberry bei seinen E-Mail-Maschinen lange tat, sondern installiert Android. Allerdings handelt es sich um eine besonders abgesicherte Version, die Schwachstellen des Betriebssystems ausbessern soll. Der Hersteller bewirbt das Gerät als „das sicherste Android-Smartphone“.

Die Software stammt übrigens von Blackberry. „Wir arbeiten sehr eng mit TCL zusammen, um Sicherheit in jede Schicht des Key One einzubauen“, versicherte Blackberry-Manager Alex Thurber bei der Präsentation im Februar. Der kanadische Konzern steuert auch einige Anwendungen bei, etwa eine Zentrale für alle Arten von Nachrichten.

Kommentare (1)

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Herr Peter T. Kroeger

16.05.2017, 15:13 Uhr

Dann doch lieber ein Oppo oder Xiaomi. Besser als Samsung, Blackberrry und sogar iphone allemal.

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