Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2011

08:46 Uhr

"Playbook" im Test

Wie Blackberry das iPad angreift

VonAxel Postinett

Mit dem Playbook steigt Blackberry in den Tablet-Markt ein. Axel Postinett hat es auf seine Teststrecke geschickt. Sein Fazit: Das Gerät überzeugt größtenteils, lohnt sich aber nicht für alle Kunden.

Blackberry Playbook in einem Best-Buy-Laden in San Francisco. Technik-Reporter Axel Postinett hat das Gerät ausprobiert. Quelle: dapd

Blackberry Playbook in einem Best-Buy-Laden in San Francisco. Technik-Reporter Axel Postinett hat das Gerät ausprobiert.

San Francisco

Die Testumgebung besteht aus einem Blackberry Torch (9800) mit Corporate-E-Mail und einem Playbook (US-Version) mit 16 GB Massenspeicher als WLAN-Modell. Die Hardware ist vom Feinsten. Ein massiv verarbeitetes Gehäuse mit schlankem Design und griffiger, gummierter Rückseite, das mit 425 Gramm Gewicht allerdings nicht gerade leicht ist. Dafür ist die Schnittstellenausstattung mit 3,5 mm-Klinke, micro-USB und HDMI für den Flachbildschirm vorbildlich. Jedoch fehlt ein microSD-Card-Slot für Datentransfer oder Speichererweiterung. Der An-Aus-Schalter ist außerdem winzig, und es fehlt ein klarer Druckpunkt mit Rückmeldung.

Der schnelle Doppelkern-Prozessor mit 1 Ghz-Takt und 1GB Arbeitsspeicher reichen locker für zügiges Arbeiten und das Ausführen mehrerer Programme gleichzeitig. Zusammen mit dem brillanten Touchscreen (1024 x 600 Pixel) gibt es ein angenehmes Multimedia-Erlebnis. Während der Testphase lieferte Blackberry zwei Updates des Betriebssystems mit Fehlerbereinigungen. Videos in HD-Qualität liefen danach ruckelfrei. Die Hauptkamera mit fünf Megapixel Auflösung ist allerdings nur Durchschnitt. Sehr gut: Das Playbook wird von einem PC und Mac als Festplatte erkannt.

Mit dem Playbook startet der Hersteller RIM eine völlig neue Plattform namens QNX, die einmal das alte Betriebssystem ablösen wird. QNX ist schnell und mit der Bedieneroberfläche hat man sich schnell angefreundet. Der Startbildschirm ist in Statuszeile, Programmfenster und minimiertem Menübereich aufgeteilt. Ein Fingerstrich von unten zur Bildschirmmitte öffnet die Übersicht mit Programm-Icons, von oben zur Mitte zusätzliche Einstellungsoptionen.

Was fehlt, ist ausgerechnet ein E-Mailclient für Blackberrys E-Maildienst. Nur mit der Software "Blackberry Bridge" kann eine Bluetooth-Verbindung zu einem Blackberry-Smartphone hergestellt werden. Dann werden E-Mails, Kontakte, Kalender, Aufgaben und Inhalt der SD-Karte des Blackberrys auf dem Tablet gespiegelt. Vorteil: sicherer Zugriff auf das Firmen-E-Mailkonto. Nachteil: ohne Blackberry und geladenem Akku läuft nichts.

Die Verbindung der Geräte verlief genial einfach: Nach der Installation auf dem Smartphone wird mit der Kamera ein Barcode auf dem Playbook-Bildschirm abfotografiert und alles klappt wie am Schnürchen. In der getesteten Version (1.0.0.6.7) zeigten sich etliche Fehler. Der größte Schwachpunkt sind die Apps. Es gibt nur wenige Playbook-Apps, die normalen Blackberry-Apps laufen nicht, und die versprochene Zusammenarbeit mit tausenden Android-Apps aus dem Google-Online-Shop lässt auf sich warten. Nicht einmal auf dem Blackberry installierte Apps lassen sich per Bridge steuern.

Fazit: Das Playbook ist prima für Kunden mit bestehender Blackberry-Infrastruktur. Was mir fehlt, ist eine Version mit 10-Zoll-Bildschirm im iPad-Format. Das Playbook ist voraussichtlich ab Juli in Deutschland erhältlich.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×