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09.08.2017

12:22 Uhr

Polar M430 und Suunto Spartan im Test

GPS-Boliden für sportliche Höchstleistung

VonCarina Kontio

Präzision trifft Smart Coaching: Wir haben mit dem M430 und der Spartan Wrist HR zwei topaktuelle GPS-Trainingscomputer unter die Lupe genommen, die Läufern schnelle Beine machen wollen. Die fetten Tage sind nun vorbei.

Links die Suunto Spartan Sport Wrist HR, rechts der Nachfolger von Polars erfolgreicher M400-Laufuhr, der M430. Carina Kontio

Die beiden neuen Sport-Uhren im Test

Links die Suunto Spartan Sport Wrist HR, rechts der Nachfolger von Polars erfolgreicher M400-Laufuhr, der M430.

BonnSie wollen schneller Laufen? Sie wollen Ihre Gegner hinter sich lassen und sich auch beim nächsten Firmenlauf erfolgreich mit den keuchenden Arbeitskollegen messen? Das ist alles keine Hexerei. Mit einigen ganz legalen Hilfsmitteln lässt sich Ihr Training optimal tunen - etwa mit einer der beiden brandneuen GPS-Laufuhren von Polar und Suunto, die wir in den vergangenen Wochen für Sie ausführlich getestet haben. Los geht’s, wir verraten Ihnen, was die smarten Gadgets können und ob und für wen sich der Kauf lohnt.

Fakten zur Herzfrequenzmessung am Handgelenk

Was bedeutet das für mich?

Kurz gesagt, wird bei der Herzfrequenzmessung am Handgelenk das Volumen des Blutflusses am Handgelenk durch LED-Sensoren gemessen. Dies bedeutet, dass Sie Ihre Herzfrequenz während einer bestimmten Aktivität, oder im täglichen Gebrauch, ohne Brustgurt-Herzfrequenzsensor sehen können.

Wie funktioniert das?

Im optischen Herzfrequenzsensor auf der Unterseite der Uhr befinden sich LEDs, die auf die Haut am Handgelenk leuchten. Das durch den Blutfluss zerstreute Licht wird durch den Sensor gemessen. Dies beruht auf der Tatsache, dass in den Körper eingedrungenes Licht je nach der Dynamik des Blutflusses berechenbar verstreut wird, wie beispielsweise bei Veränderungen des Pulses oder im Blutvolumen (Herzleistung).

Welche Vorzüge hat die optische Messung?

Die Vorzüge liegen vor allem in der Möglichkeit, die Herzfrequenz ohne einen Brustgurt-Herzfrequenzmesser oder anderen Sensor zu messen.

Ist die Messung genau und zuverlässig?

Die Technologie der Herzfrequenzmessung am Handgelenk hat in den letzten Jahren zwar große Fortschritte erzielt, kann jedoch noch nicht den Genauigkeitsstatus der Herzfrequenzmessung über einen Brustgurt erreichen.

Wie groß sind Abweichungen zum Brustgurt?

Aktuell liegt die Abweichung der besten Messung am Handgelenk in 90 Prozent der Fälle von der am Brustkorb gemessenen Herzfrequenz bei 5 Prozent. Die optische Herzfrequenzmessung reagiert sensibel auf Bewegungen der Uhr. Deshalb ist es wichtig, dass die Uhr gut am Handgelenk anliegt und etwas höher am Arm getragen wird, als eine normale Uhr. Die Messwerte variieren auch aufgrund der Durchblutung der Hautoberfläche des Trägers.

Was muss ich dabei beachten?

Am besten ist die Herzfrequenzmessung am Handgelenk für Aktivitäten geeignet, in denen die Uhr die Herzfrequenz konstant am Arm des Trägers ablesen kann, d. h. wenn der Blutfluss konstant ist und die Uhr kontinuierlich in Hautkontakt bleibt. Zu den geeigneten Aktivitäten gehören Laufen, Radfahren und Aktivitäten des täglichen Lebens (einschließlich des Messens der Herzfrequenz im Ruhezustand).

Welche Sportarten sind ungeeignet?

Bei Aktivitäten mit unregelmäßigen Armbewegungen und starken Variationen in der Intensität, wie beispielsweise bei sehr intensivem Intervall-Krafttraining, Crossfit oder Sportarten mit Schlägern, können die vom Gerät angezeigten Werte weniger genau sein. Dies rührt vom schnellen, unregelmäßigen Blutfluss und den Handbewegungen ab, die es für einen optischen Sensor schwieriger machen, genaue Werte abzulesen. Während der Ruheperioden kehrt die Uhr jedoch wieder zu ihrem normalen Genauigkeitsgrad zurück.

Und Schwimmen?

Auch beim Schwimmen ist die Herzfrequenzmessung am Handgelenk schwierig, da die Genauigkeit der mit dem optischen Sensor gemessenen Herzfrequenz durch Wasser zwischen der Uhr und der Haut beeinträchtigt wird.

Wie kann ich die bestmögliche Genauigkeit sicherstellen?
  • Die Uhr muss direkt auf der nackten Haut getragen werden. Auch der dünnste Stoff zwischen dem Sensor und Ihrer Haut würde störend wirken.
  • Möglicherweise müssen Sie die Uhr etwas höher am Arm tragen als Uhren normalerweise getragen werden. Der Sensor misst den Blutfluss über das Gewebe. Je mehr Gewebe er abtasten kann, desto besser kann er die Werte erfassen.
  • Armbewegungen und Muskelreflexe, wie beispielsweise beim Greifen eines Tennisschlägers, können sich auf die Genauigkeit der Sensordaten auswirken.
  • Bei sehr niedriger Herzfrequenz liefert der Sensor evtl. keine stabilen Messwerte. Hier ist eine kurze Aufwärmphase über einige Minuten vor Beginn der Aufzeichnung hilfreich.
  • Der optische Sensor zeigt beim Schwimmen evtl. ungenaue Messwerte für die Herzfrequenz an.
  • Dunkle Pigmentierung der Haut und Tattoos können den Lichteinfall blockieren und zuverlässige Messungen durch den optischen Sensor verhindern.
Was ist die Alternative?

Viele Hersteller empfehlen zur genauen, schnell reagierenden Messung der Herzfrequenz einen kompatiblen Brustgurt-Herzfrequenzsensor zu verwenden. Wenn Sie einen Brustgurt verwenden, erhalten Sie auch dann Herzfrequenzwerte, wenn Sie die Uhr am Fahrradlenker befestigen, oder über dem Ärmel tragen.

Die Smart-Trainer fürs Handgelenk stammen beide aus Finnland, wo die Menschen bekanntlich schon von Natur aus äußerst sportbegeistert sind. Das neueste Modell von Polar hört auf den Namen “M430” und fällt optisch gegenüber dem Vorgänger “M400” - eine der beliebtesten und am weitesten verbreiteten GPS-Uhren in Deutschland - nicht sofort als neu auf.

Seine Werte liegen im Innern, denn der M430, seit kurzem für 229,95 Euro im Fachhandel, misst die Herzfrequenz dort, wo es das bis vor einem Jahr noch bei Polar nicht gab: am Handgelenk. Wie das funktioniert? Ein optischen Sensor wirft über sechs LEDs (üblich sind drei oder vier) Licht auf die Haut am Arm und misst dann die Lichtmenge, die reflektiert wird. Daraus errechnet eine flinke Software dann wiederum die Herzfrequenz pro Minute und macht damit einen Brustgurt, wie man ihn als Läufer sonst kennt, überflüssig (na ja, zumindest fast. Aber dazu kommen wir später).

Der M430 ist ein wahrer Alleskönner: Er berechnet relativ genau per GPS Distanz und Laufgeschwindigkeit (Pro-Hinweis für Wearble-Nerds: das Signal wird dank A-GPS Technologie schnell gefunden und bleibt auch im Wald zuverlässig verbunden), zeigt beim Wandern in den Alpen die Höhenmeter an, speichert zurückgelegte Schritte und Kalorienverbrauch, ist wasserdicht und analysiert sogar in der Nacht den Schlaf des Trägers. Schließlich ist ein gesunder Schlaf eine wichtige Trainingseinheit, denn während der Nachtruhe hat der Körper Zeit, sich an die körperlichen Herausforderungen des Trainings anzupassen. Schlafen Sie schlecht, laufen Sie also auch schlecht. Außerdem werden faule Schreibtischtäter nach einer inaktiven Stunde an die nächste Bewegungseinheit zur Kaffeeküche oder ins Treppenhaus erinnert.

Im Test besonders positiv aufgefallen sind mir neue Funktionen, etwa Runden, Auto-Pause, Stoppuhr, ein Intervalltimer, Schrittfrequenz, die Berechnung der Zielzeit und die wirklich guten und ausführlichen Trainingsprogramme (“Mein erster Halbmarathon”, “Schneller 5km-Lauf” usw. Selbstverständlich können Sie aber auch eigene Trainingspläne erstellen), die auf dem persönlichen Fitness-Level basieren und mit denen Sie sich als ambitionierter Hobby-Athlet einen kostspieligen Trainingsplan aus der Feder eines Sportwissenschaftlers sparen können.

Mein nächstes Ziel: den 5km-Lauf im Kölner Rheinaufhafen unter 20 Minuten zu finishen. Die Polar-Wettkampf-Vorhersage klingt schon mal nicht schlecht: “Anhand deines Running-Index Mittelwerts schätzen wir, dass du deinen Wettkampf in einer Zeit von 00:18:50 absolvieren wirst.” Bäm! Drücken Sie mir die Daumen, ich habe jetzt noch neun Wochen Zeit!

Einen dicken Pluspunkt gibt es für die richtig guten Kraft- und Athletik-Trainingseinheiten, die online sehr anschaulich per Mitmach-Video in den Trainingsplan integriert sind und sich zu Hause, in einem Hotelzimmer oder sogar im Büro durchführen lassen - das Training erfordert nämlich weder Vorbereitungszeit noch Ausrüstung oder anderes neumodisches Equipment. Sie wissen ja, das beste Trainingsgerät haben wir immer mit dabei: unseren eigenen Körper.

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