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02.08.2011

07:48 Uhr

Psychologie

Wenn das Smartphone die Realität ersetzt

Den Nutzen mobiler Geräte stellt kaum jemand mehr infrage. Doch Smartphones verändern auch das Sozialverhalten – und das kann für manche Menschen zum Problem werden.

Smartphones erleichtern den Alltag - für manche Menschen können sie aber auch zum Problem werden. Quelle: dapd

Smartphones erleichtern den Alltag - für manche Menschen können sie aber auch zum Problem werden.

New YorkSmartphones werden immer beliebter. Zugleich wächst das Bewusstsein für die Gefahren durch Hacker-Angriffe und Datenmissbrauch - gerade auch beim mobilen Zugang zum Internet. Nach Ansicht von Psychologen sollte die Sorge mancher Smartphone-Nutzer jedoch vielmehr einem ganz anderen Problem gelten: der Suchtgefahr.

Vielen Menschen ist das Smartphone heute ein ständiger Begleiter. Oft weiß es mehr über seinen Besitzer als dessen Mutter. Selbst im Schlafzimmer liegt es stets griffbereit auf dem Nachttisch. Es wird mit Kosenamen bedacht und sorgt mitunter für Panikreaktionen, wenn es einmal kurzfristig nicht auffindbar ist.

Den Nutzen der mobilen Geräte stellt kaum einer infrage. Was einst einen kleinen Rucksack füllte, passt nun bequem in die Hosentasche: Kamera, Walkman, Stadtplan, Adressbuch und manches mehr. Doch während Smartphones auf der einen Seite vieles im Leben einfacher machen, werfen sie zugleich auch einige neue Probleme auf.

Dass Teenager vermehrt über Akronyme wie LOL („laughing out loud“ / „lautes Lachen“) oder BRB („be right back“ / „bin gleich zurück“) kommunizieren, mag verkraftbar erscheinen. Wenn Unfälle gebaut werden, weil Autofahrer am Steuer im Internet surfen, dann ist das schon gravierender. Experten warnen darüber hinaus aber auch vor erheblichen Auswirkungen auf das Sozialverhalten.

Viele Nutzer kapseln sich ab

Die Psychotherapeutin Lisa Merlo von der Universität Florida sieht eine Reihe von Entwicklungen, die sie als problematisch erachtet. Einige ihrer Patienten täten in Gesellschaft manchmal so, als würden sie mit ihrem Smartphone telefonieren oder irgendwelche Apps bedienen, bloß um Augenkontakt zu vermeiden. Andere seien wirklich oft derart in die Nutzung ihrer mobilen Geräte versunken, dass sie die Menschen um sie herum kaum noch wahrnähmen. „Je mehr Schnickschnack die Geräte bieten“, sagt Merlo, „desto größer die Gefahr einer übertriebenen Fixierung“.

Die Abiturientin Michelle Hackman gewann kürzlich einen von dem Chiphersteller Intel ausgeschrieben Nachwuchsforschungspreis für eine Arbeit über die Smartphone-Abhängigkeit ihrer Altersgenossen. Viele Schüler fühlen sich den Ergebnissen zufolge ohne ihre mobilen Geräte unausgelastet. Dies spiegle sich oft in einem verlangsamtem Puls wider, sagt die Nachwuchsforscherin aus Long Island. Viele Teenager wüssten zudem ohne ihre Smartphones kaum etwas mit sich anzufangen.

Kommentare (3)

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trottellumme

02.08.2011, 09:51 Uhr

Smartphones sind schlimmer als ein Fernsehgerät zu Hause. Besonders die Kombination Internetzugang und Smartphone ist ein absoluter Kommunikationsstrangulator. Da sitzt man im Restaurant, will sich unterhalten, und sofort wird das Iphone gezückt, weil facebook ja so wichtig ist. DAsselbe gilt, wenn man im AUto vor der roten Ampel steht. Diese Dinger gehören in den Müll. Besonders intelligent ist die Anwednung Toilettenfinder auf offener Flur, wenn die nächste Toilette 3 km entfernt liegen soll..und der Busch um die Ecke.

kuac

02.08.2011, 10:56 Uhr

Der Beitrag ist marktfeindlich. Es geht darum, mehr Geräte an den Mann/Frau zu bringen, dann das Verhalten der Kunden zu
analysieren und anschliessend deren Wünsche zu steueren.
Was ist denn daran so schlimm? Abhängigkeit ist gerade erwünscht.

Thomas-Melber-Stuttgart

02.08.2011, 11:08 Uhr

Kritisch wird es dann, wenn das "phone" smarter ist als dessen Nutzer.

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