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20.04.2016

11:35 Uhr

Samsung Gear VR im Test

Verschwitzter Wahnsinn

VonAxel Postinett

„Ein atemberaubendes Erlebnis“: Samsung macht derzeit groß Werbung für seine Virtual-Reality-Brille Gear VR. Mit dem Gerät erleben Nutzer virtuelle Flugmanöver, Safaris oder Spiele. Der erste Zauber verfliegt aber bald.

Ausflug in eine andere Welt: Der erste Eindruck ist für jeden, der noch nie mit virtuelle Realität zu tun hatte, ohne Zweifel unbeschreiblich. AP

Gear VR von Samsung

Ausflug in eine andere Welt: Der erste Eindruck ist für jeden, der noch nie mit virtuelle Realität zu tun hatte, ohne Zweifel unbeschreiblich.

Der Effekt war gewaltig. Li hatte noch nie eine Virtual-Reality-Brille aufgehabt. Aber die geborene Chinesin war schon immer neugierig und so setzte die gestandene Frau in ihren 50ern die Gear VR von Samsung auf. Und was dann folgte, ließ die Teenager-Töchter ihre Mutter in einem völlig neuen Licht sehen.

„Oh my God“ war eigentlich das einzige, was zwischen spitzen Aufschreien oder verängstigen Ausrufen zu hören war, während sich die Hände krampfhaft am Bürostuhl festhielten oder durch die Luft wedelten. Die Mutter dreier Kinder absolvierte mit der Flugstaffel der Blue Angels gewagte Flugmanöver, sah sich auf Augenhöhe Löwen in Afrika gegenüber oder amüsierte sich laut kreischend auf den wildesten Achterbahnen der Welt. Die kurze Zusammenfassung nach der wilden Fahrt durch die virtuellen Welten: „Wahnsinn!“

Galaxy S7 und S7 Edge in aller Kürze

Mehrere Spitzenmodelle

Samsung bringt sein neues Spitzenmodell wie im Vorjahr in zwei Varianten auf den Markt: Das S7 mit einem 5,1-Zoll-Bildschirm sowie das S7 Edge, das mit abgerundeten Bildschirmecken einige Zusatzfunktionen bietet und über einen 5,5-Zoll-Bildschirm verfügt.

Bewährtes Design

Äußerlich ähneln die neuen Geräte ihren Vorgängermodellen, Glas und Metall bestimmen die Optik. Die Kameralinse ragt weniger aus dem Gehäuse, zudem ist die Rückseite nach vorne geboten. Die Geräte werden in vier Farben angeboten: Dunkelblau, Weiß, Gold und Schwarz, später auch Silber.

Weniger Pixel, größerer Sensor

Es mag erstaunen, dass die Kamera mit 12 Megapixeln eine geringere Auflösung hat als bei den Vorgängern. Dafür ist der Chip größer, so dass die Bilder gerade bei schlechtem Licht deutlich besser ausfallen sollen. Auch die Blende ist größer.

Bildschirm immer an

Weil viele Menschen das Smartphone als Uhr nutzen, hat Samsung – wie auch LG – ein Always-On-Display entwickelt. Dieses zeigt die Zeit und den Kalender an, ohne viel Strom dafür zu benötigen. Die Option lässt sich aber abschalten.

Schutz gegen Wasser und Staub

Samsung hat die neuen Geräte nach dem Standard IP68 versiegelt, sie sind damit gegen Wasser und Staub geschützt. Wenn sie in die Badewanne fallen, kann nicht viel passieren: Sie sollen bis zu 30 Minuten unter Wasser aushalten können.

Mehr Tempo, mehr Akku

Wie in jedem Jahr hat Samsung bessere Komponenten verbaut. Der Proezssor S7 sei um 30 Prozent schneller als der des S6, der Grafikchip bringe sogar ein Plus von 60 Prozent, erklärte das Unternehmen. Zudem rüstet es die Akkus auf.

Erweiterbarer Speicher

Die Geräte soll es mit 32 und 64 Gigabyte Speicher geben. Wie bei früheren Modellen können Nutzer mit einer Micro-SD-Karte zusätzliche Kapazität nachrüsten – ein häufig geäußerter Kritikpunkt am Galaxy S6.

Baldige Einführung

Die Geräte sollen ab dem 11. März auf den Markt kommen. Als Preis veranschlagt Samsung rund 700 Euro für das S7 und rund 800 Euro für das S7 Edge. Wer vorbestellt, bekommt die Virtual-Reality-Brille Gear VR im Wert von 99 Euro kostenlos dazu.

Es sind solche Wow-Effekte, auf die die Hersteller hoffen. Geht es nach Samsung, Google oder HTC, wird Virtual Reality (VR) das nächste große Dinge. Erste Geräte sind nun auf dem Markt. Die Gear VR ist mit 99 Euro verhältnismäßig preisgünstig, die zusammen mit den Samsung-Smartphones Galaxy S6 und S7 sowie dem älteren Modell Galaxy Note 4 funktioniert, das in Deutschland weit verbreitet ist. Nach einer „Innovator's Edition“ für experimentierfreudige Nutzer (hier geht's zum Test) gibt es nun eine Serienversion, die frühe Käufer der neuen Smartphones sogar als kostenlose Zugabe bekommen haben.

Die Mobiltelefone werden mit dem Display in Richtung Gesicht in eine Halterung mit Micro-USB-Anschluss geschoben. Danach schirmt das Gerät den Brillenträger hermetisch von der Außenwelt ab. Über zwei Linsen werden stereoskopische Bilder projiziert, die den dreidimensionalen Eindruck erstehen lassen.

Der erste Eindruck für jeden, der noch nie mit virtuelle Realität zu tun hatte, ist ohne Zweifel unbeschreiblich. Das Gefühl, alles sei unecht, weicht nach wenigen Minuten einem Gefühl der echten Realität. So sitzt der Betrachter zum Beispiel in der ersten Reihe am Spielfeldrand eines Basketball-Spiels und verfolgt das Geschehen, als ob er dabei wäre. Eine Kopfbewegung nach links oder rechts zeigt die Sitznachbarn, die Körbe. Beim beängstigend realen Fallschirmsprung gibt es nur die endlose Tiefe da unten und links, rechts und oberhalb die Freunde, die ebenfalls gesprungen sind.

Ganz klar: Mit der Gear VR hat Samsung einen echten Treffer gelandet. Das Gerät öffnet ein Fenster öffnet in das, was in Zukunft möglich sein wird. Allerdings nur einen Spalt breit. Denn nach wenigen Stunden Gebrauch ist klar, dass das nur der Anfang sein kann.

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