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20.01.2010

10:30 Uhr

Samsung H1

Smartphone mit Kinderkrankheiten

VonAxel Postinett

Die Idee ist bestechend: Alle Kontakte auf einen Blick, die Statusmeldungen der Freunde inklusive. E-Mails, Telefonnummern und soziale Netzwerke - alles ist nur einen Klick entfernt. So lautet die Philosophie des Web-Dienstes Vodafone 360 auf dem Mobiltelefon Samsung H1. Allerdings liegen Theorie und Praxis bisweilen weit auseinander.

Das H1 macht einen gediegenen Eindruck. Leider zeigt das Handy im Test reichlich Schwächen. ©Ralf Krieger/Vodafone

Das H1 macht einen gediegenen Eindruck. Leider zeigt das Handy im Test reichlich Schwächen.

DÜSSELDORF. Zunächst macht die Hardware einen gut verarbeiteten und eleganten Eindruck. Mattschwarzes, hochwertiges Gehäuse, brillanter und reaktionsschneller AMOLED-Touchscreen, 16 Gigabyte interner Speicher, Vollausstattung. Das H1 liegt gut in der Hand.

Beim langfristigen Test zeigte das Handy dann allerdings reichlich Schwächen. Das Gerät verlor gelegentlich den Kontakt zum Server ("Sie sind abgemeldet"), bis zuletzt funktionierte die Synchronisation mit Yahoo - und Google-Kontakten nicht. Yahoo lieferte nicht einmal die E-Mails auf dem H1 ab. Der App-Shop ist nur dürftig bestückt, vorinstallierte Anwendungen wie "Bild.de" darf der Anwender nicht löschen. Die Startzeit der Programme ist oft zu lang, die Reaktion träge. Die fünf Startbildschirme lassen sich kaum individualisieren - dabei hätte man einen der sogenannten "People"-Bildschirme, die Adressbuch- und Social-Media-Daten vereinen, für Kalender-, Foto- oder Musikplayer reservieren können.

Die Integration des sozialen Netzwerks Facebook ist nur in Grundzügen vorhanden. Das Gerät zeigt zwar Status oder Neuigkeiten eines Kontakts an - doch drückt man auf den Facebook-Antwortknopf, öffnet sich nur der Web-Browser. Das ist öde. Short-Links, die Freunde in Statusmeldungen eingefügt haben, lassen sich nicht aufrufen. Da es auch keine Kopierfunktion gibt, müssen Papier und Zettel herhalten - einem Smartphone ist das nicht angemessen. Dass die Telefon- und SMS-Funktionen einwandfrei funktionieren, ändert am Gesamtbild leider nichts mehr.

Im Ausland erweist sich als problematisch, dass ein reiner W-Lan-Betrieb ohne eingeschaltetes Mobilnetz nicht vorgesehen ist. Das verursacht unnötig Kosten, wenn Anwender nicht unter "Internet-Optionen" manuell "W-Lan" als Priorität auswählen.

Fazit: Der Name Vodafone 360 soll für völlige Offenheit stehen, aber das Gegenteil ist der Fall. Auf dem aktuellen Stand ist das H1 mit vorinstalliertem Vodafone 360 nur eingeschränkt zu empfehlen. Die Kinderkrankheiten sind noch zu ausgeprägt, die Einschränkungen zu groß für ein Smartphone, das 539 Euro kostet. Da lohnt sich das Warten auf das Android-Gerät Nexus One von Google, das bald ebenfalls bei Vodafone erhältlich und kaum teurer sein wird. Und: 360 wird es auch auf Android geben. Wer den Dienst nicht will, kann ihn dann einfach runterschmeißen. Das geht beim H1 nicht. Ein Firmware-Update soll bald aus Korea kommen, verspricht Vodafone - wir werden berichten.

Kommentare (4)

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segelfreund

22.01.2010, 15:00 Uhr

Hallo mit ihrem bericht zu dem H1 haben Sie voll ins schwarze getroffen.
Und sind damit die erste kompetente Zeitschrift die auch mal die Schattenseiten aufzeigt.
Egal ob Connect oder Chip alle finden das Ding klasse.
Aus eigener Erfahrung kann ich das nicht bestätigen, sondern mich ihrem Artikel nur voll und ganz anschließen.
Dank kompetenten Ansprechpartner bei Vodafone konnte ich allerdings den Kauf wieder rückgängig machen.

Aldebaran

22.01.2010, 15:36 Uhr

Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Obwohl das Handelsblatt kein iT-Magazin ist (wie Connect, PC-Magazin) hat der Verfasser des Artikels das Samsung H1 gründlich untersucht und die Schwachstellen entdeckt. Hut ab vor dem HANDELSbLATT! Das Connect-Magazin werde ich zukünftig nicht mehr konsultieren! Da schaue ich lieber ins Handelsblatt.

ich habe zwar nur den kleinen bruder Samsung M1, aber die Software und die Probleme überdecken sich aktuell mit denen vom H1.

ich wundere mich, dass Vodafone weiterhin die Werbung mit Facebook, etc... schalten darf, obwohl die Funktionalität eingeschränkt ist.

Vielen Dank für diesen Artikel!

Hans Wurst

22.01.2010, 16:27 Uhr

"Dank kompetenten Ansprechpartner bei Vodafone" ?

Das ist ein Widerspruch in sich.

MfG

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