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04.09.2013

20:36 Uhr

Samsungs Smartwatch

„Es ist ein Science-Fiction-Gerät“

VonChristof Kerkmann

Mit markigen Worten hat Samsung seine Smartwatch Galaxy Gear vorgestellt. Dank der Computer-Uhr soll das Smartphone in der Tasche bleiben. Damit kommt der Konzern Apple zuvor.

Einer der Entwickler präsentiert Samsungs neue Smartwatch „Galaxy Gear“ auf der IFA in Berlin. Reuters

Einer der Entwickler präsentiert Samsungs neue Smartwatch „Galaxy Gear“ auf der IFA in Berlin.

BerlinEs war das am schlechtesten gehütete Geheimnis der Technologiebranche: Samsung hat am Mittwoch wie erwartet seine Computeruhr Galaxy Gear vorgestellt. Nutzer können damit Anrufe tätigen, Nachrichten anzeigen und SMS diktieren, wie der Konzern im Vorfeld der Elektronikmesse IFA in Berlin demonstrierte. Im Armband ist eine kleine Kamera für Schnappschüsse eingelassen. Gear funktioniert nur in Verbindung mit dem Smartphone – zunächst ist die Zusammenarbeit auf bestimmte Geräte des südkoreanischen Herstellers beschränkt.

Bei seiner Pressekonferenz präsentierte Samsung außerdem das Galaxy Note 3 – eine neue Generation seines Riesen-Smartphones – sowie den Tablet-Computer Note 10.1. Die Geräte sollen am 25. September in 149 Ländern auf den Markt kommen. Preise für Deutschland nannte Samsung zunächst nicht, in den USA soll die Smartwatch rund 300 Dollar kosten.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Gerüchte um Apple

Offiziell ist noch nichts, doch Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer Smartwatch. Den Namen „iWatch“ hat das Unternehmen offenbar bereits in mehreren Ländern schützen lassen. 100 Entwickler sollen an dem Geheimprojekt beteiligt sein. Auch Microsoft wird großes Interesse an diesem Markt nachgesagt. Google bestätigte, ein Start-up mit Smartwatch-Technologie übernommen zu haben. Der Wettbewerb dürfte also hart werden.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Ähnlich wie Smartphones lässt sich die Galaxy Gear mit Anwendungen erweitern, die für den kleinen Bildschirm angepasst sind. Zum Start stehen 70 zur Verfügung - mit diversen Fitness-Apps lassen sich beispielsweise Laufzeit und Strecke messen, das digitale Notizbuch Pocket liest gespeicherte Texte vor.

Das Gerät verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone. Samsung verspricht eine Akkulaufzeit von mehr als 25 Stunden – sollte dieser Wert realistisch sein, würde eine Ladung zumindest für einen ganzen Tag reichen. Das Gehäuse ist aus leichtem Edelstahl und wiegt gut 70 Gramm. Gear ist sechs Farben verfügbar.

Mit der Galaxy Gear heizt Samsung dem Wettbewerb im Markt für Smartwatches an. Bislang verkaufen Sony sowie eine Handvoll Start-ups internetfähige Uhren, am Mittwoch kündigte auch der Chiphersteller Qualcomm ein Gerät namens Toq an. Medienberichten zufolge arbeiten aber sowohl Apple als auch Google an eigenen Geräten. Marktforscher erwarten, dass der Markt in den kommenden Jahren rasant wächst: ABI Research rechnet damit, dass im kommenden Jahr 6,5 bis 8 Millionen Smartwatches verkauft werden, bis 2017 sollen es bereits 100 Millionen sein.

Kommentare (4)

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Atom

04.09.2013, 21:23 Uhr

Tja, sobald Samsung nicht von Apple abkupfern kann, kommt ein derart grausames Design dabei heraus. Wer soll sowas bloß tragen?

Observer

04.09.2013, 21:57 Uhr

Wieder mal jemand, der wegen des relativ erschwinglichen Preises, sich als Apple user zeigen will und das ist mit iphone natuerlich auch noch Publikumswirksamer als mit den wirklich ordentlichen Computern von Apple!
Durch iphone hat Apple viele solcher Moechtegerne als Kunden gewonnen, einfach laecherlich!

Vision

04.09.2013, 22:20 Uhr

kopieren ist nicht immer schlecht. Das ist auch ein Grund warum wir in Deutschland weder originale noch kopierte Geräte herstellen. Schade. Wieder sind weder als Smartphone Player noch als Smartphone Nr. 2,3,4,5,6 oder etwas. Wir sind NICHTs und wir können uns nur über die Chinesen und Koreaner aufregen, weil die etwas schaffen, was wir nichts ansatzweise schaffen.

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