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03.10.2017

13:15 Uhr

Sharp setzt auf 8K

Noch schärfer als superscharf

Die meisten TV-Zuschauer in Deutschland haben noch nicht mal einen 4K-Fernseher im Wohnzimmer. Das hindert den japanischen Konzern Sharp nicht daran, seine Vision vom extrem hochauflösenden Standard 8K voranzutreiben.

Ein Endoskop zeigt das Innere einer Paprika – auf dem Fernseher mit 8K-Auflösung ist jedes Detail zu sehen. dpa

Fernseher mit 8K-Auflösung

Ein Endoskop zeigt das Innere einer Paprika – auf dem Fernseher mit 8K-Auflösung ist jedes Detail zu sehen.

ChibaSharp will mit einer breit angelegten Initiative die Verbreitung des TV-Formats 8K (Super Hi-Vision) mit deutlich detailreicheren Bildern dank extrem hoher Auslösung vorantreiben. Auf der Elektronikmesse Ceatec 2017 in Chiba stellte der japanische Elektronikkonzern ein Projekt vor, um ein komplette 8K-Ökosystem aufzubauen, das die gesamte Kette von der Erstellung und Verarbeitung der 8K-Inhalte über die Distribution bis hin zur Präsentation abdeckt.

8K sei nicht nur für den klassischen Fernseh- und Heimkino-Markt interessant, sagte ein Sharp-Sprecher am Dienstag auf der Ceatec. Auf der Messe demonstrierte das Unternehmen unter anderem Anwendungen aus der Medizin und Kultur. So wurde ein 8K-System in der Medizin zur inneren Ausleuchtung und Inspektion von Hohlorganen und Körperhöhlen (Endoskopie) vorgeführt. Außerdem demonstrierte Sharp eine Museumsanwendung, bei der Besucher ausgestellte Meisterwerke in höchster Auflösung auf einem 8K-Fernseher betrachten können.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

8K

Einige Hersteller arbeiten bereits an der nächsten Generation: Nach 4K soll irgendwann 8K kommen. Die Auflösung der Bilder ist erneut um den Faktor vier höher und beträgt 33,2 Megapixel. Damit erlaubt sie noch größere Bildschirme. Allerdings sind die technischen Voraussetzungen noch mangelhaft – so gibt es kaum passende Kameras, auch an geeigneten Komprimierungsverfahren fehlt es. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie groß das Wohnzimmer für solche Fernseher sein muss.

Quantum Dots

Eine vergleichsweise neue Technologie sind Quantum Dots, deutsch: Quantenpunkte. Dabei handelt es sich um winzig kleine Nanokristalle, die Licht sehr exakt in bestimmten Wellenlängen ausstrahlen können. So lassen sich sehr satten Farben erzeugen. Quantum Dots ermöglichen es, die Bildqualität von herkömmlichen LCD-Displays weiter zu verbessern.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

DVB-T2 HD

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T wird weiterentwickelt: Über DVB-T2 HD bekommen Zuschauer mehr Kanäle mit zumeist besserer Auflösung. Für den Empfang der Privatsender wird dann allerdings eine Abogebühr fällig, die bisher mit einem einstelligen Eurobetrag taxiert wird.

Fixdatum für Sharp bleibt aber „Tokio 2020“: Japan plant, die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio in der ultra-hohen Auflösung zu übertragen. Auf dem Weg zu diesem Ziel hat im August 2016 ein erster Feldversuch mit der Übertragung von 8K-Signalen in Japan begonnen. Vor einem Jahr stellte Sharp auf der Ceatec auch den ersten dazu passenden Satelliten-Receiver vor, mit dem 8K-Signale empfangen werden können.

Bei einem Video-Signal in 8K besteht ein Einzelbild aus 33,1 Megapixeln. Zum Vergleich: 4K-Geräte zeigen 8 Millionen Pixel, Full-HD-Fernseher nur 2 Millionen Pixel pro Einzelbild. Wegen der großen Datenmengen stehen die Entwickler von Kameras, Sende-Equipment und Empfangsgeräten vor großen technischen Herausforderungen, den kompletten Übertragungsweg in dieser hohen Auflösung zu realisieren. Die Anforderungen sind bei Live-Sendungen noch größer, weil man in diesem Fall keine Pufferspeicher mit einem großen zeitlichen Vorlauf anlegen kann, sondern die Datenmengen in Echtzeit verarbeiten muss.

Ende August hatte Sharp bereits einen 8K-LCD-Fernseher mit einer 70-Zoll-Bildschirmdiagonale angekündigt. Das Gerät soll im Februar auf dem deutschen Markt erhältlich sein, sagte ein Sharp-Sprecher auf der Ceatec. Zuvor kommt es in China, Japan und Taiwan in den Handel.

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