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01.11.2016

07:03 Uhr

Eva Chen

„Die Nutzer werden erpressbar“

VonIna Karabasz

Viele vernetzte Geräte sind unsicher. Eva Chen, Chefin des Sicherheitsanbieters Trend Micro, nennt die Gründe und erklärt, warum die Japaner ins Sachen IT-Sicherheit voraus sind.

Die Expertin für Cybersicherheit leitet die Firma Trend Micro seit elf Jahren. Trend Micro

Eva Chen

Die Expertin für Cybersicherheit leitet die Firma Trend Micro seit elf Jahren.

Eva Chen kennt die Branche: Mit ihrer Schwester und ihrem Schwager gründete sie 1989 die japanische Firma Trend Micro. Seit elf Jahren ist sie deren Chefin.

Frau Chen, Ihre Firma warnt bereits seit Jahren vor Attacken über vernetzte Geräte. Nun gab es einen großen Angriff. Haben Sie nicht laut genug gerufen?
Es ist in der Tat schwierig. Wir sprechen seit zwei Jahren über die Gefahr von „Inside-out-Attacken“, also vernetzten Geräten, die gekapert werden, um darüber andere anzugreifen. Ein Problem dabei ist, dass die Kunden meist nicht einmal wissen, wie man das Passwort für das Produkt ändern könnte, wenn man es wollte. Das liegt auch daran, dass die Hersteller es ihnen nicht erklären. Sicherheit war ihnen lange Zeit nicht so wichtig.

Hat sich das geändert?
Ja, die Hersteller erkennen langsam das Problem. Besonders Autohersteller legen viel Wert auf die Sicherheit, wenn sie ihre Fahrzeuge vernetzen. Allerdings werden viele vernetzte Geräte für Privatkunden von kleineren Unternehmen hergestellt, und die haben oft nicht genug Mitarbeiter für diese Aufgaben.

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Sicherheit hat immer noch nicht die höchste Priorität?
Leider ja. Aber ich hoffe, dass der Angriff von vorletzter Woche dazu beiträgt, das zu ändern. Die Zahl der vernetzten Geräte steigt rasant. Die Folge ist eine riesige Rechenkraft, mit der man alles Mögliche anstellen kann. Ich kann mich noch erinnern, dass es Leute gab, die sich fragten, warum jemand vernetzte Geräte angreifen sollte, gerade bei Privatkunden. Schließlich sei dort nichts zu holen.

Was gibt es denn dort zu holen?
Die Nutzer werden erpressbar. Denken Sie einmal darüber nach, wie viel Sie bereit wären zu bezahlen, wenn in Ihrem Haus auf einmal nichts mehr funktioniert. Oder in Ihrem Auto. Erpressung ist bereits heute ein gut erprobtes Geschäftsmodell von Cyberkriminellen.

Was wirkt dagegen?
Die Hersteller müssen darauf achten, die Software auf dem neuesten Stand zu halten. Die Kunden können das selber nicht, besonders wenn die Zahl der vernetzten Geräte steigt. Es ist auch die Aufgabe der Regierungen, sie zu hohen Sicherheitsstandards zu verpflichten. Schließlich kann über die Geräte das ganze Land angegriffen werden.

Können die Kunden selber gar nichts tun?
Wir werden in diesem Monat in Japan ein Produkt auf den Markt bringen, das unter anderem das WLAN nach ungewöhnlichen Aktivitäten scannt und checkt, ob die Geräte ein Standard-Passwort benutzen. Der Nutzer kann es dann ändern. Dazu benutzen wir Software, die wir sonst bei Geschäftskunden einsetzen. Wenn in einem Haus zehn oder mehr vernetzte Geräte sind, dann ist das fast wie in einer kleinen Firma.

Sind uns die Japaner bei der Sicherung des Internets der Dinge voraus?
Ein Stück weit schon. Dort sind die Getränkeautomaten auf der Straße vernetzt. Wir setzen auch stark auf den Einsatz von Robotern, was im Wesentlichen auch nur ein vernetztes Gerät ist. Außerdem fiebert das ganze Land auf die Olympischen Spiele 2020 hin und will zeigen, was es im Bereich des Internets der Dinge kann. Dabei spielt Sicherheit natürlich eine große Rolle.

Frau Chen, vielen Dank für das Interview.

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