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15.09.2016

13:17 Uhr

Privatsphäre im Netz

Das Datenschutz-Paradoxon

VonAlexander Dziedeck

Datenschutz ist für die Deutschen nach wie vor sehr wichtig. Doch in Zeiten von sozialen Netzwerken, Fitness-Trackern und Co. ist die Privatsphäre in Gefahr. Nicht nur die Nutzer, auch die Unternehmen können etwas tun.

Wer sein Betriebssystem aktualisiert, muss die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Doch nur die Wenigsten lesen das Kleingedruckte. dpa

Softwareaktualisierung

Wer sein Betriebssystem aktualisiert, muss die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Doch nur die Wenigsten lesen das Kleingedruckte.

Düsseldorf„Wir haben unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert. Bitte bestätigen Sie die neuen Nutzungsbedingungen.“ Ob Whatsapp, Facebook, IOS und Co. – eine Mitteilung, die wohl jeder kennt und mit gemischten Gefühlen aufnimmt. Die Nutzer wissen, dass sie zustimmen müssen. Im schlimmsten Fall kann nämlich die App, das soziale Netzwerk oder die neueste Version des Betriebssystems nicht mehr verwendet werden.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) zeigt: Die große Mehrheit, das sind 86 Prozent der Befragten, hält es für wichtig, die Inhalte der AGBs und Datenschutzbestimmungen zu kennen. Allerdings gaben auch mehr als 60 Prozent an, dass sie sich nur wenig bis gar nicht damit auseinandersetzen und die Bestimmungen gar nicht lesen.

So wappnen Sie sich für EDV-Angriffe

Was kann man tun?

Der Gedanke, das eigene Unternehmen könnte Ziel eines Hackerangriffs werden, ist nicht weit verbreitet. Doch das Öffnen einer täuschend echt aussehenden E-Mail oder das Eingeben des eigenen Kennworts in eine gefälschte Bank-Internetseite kann jedem Nutzer passieren. Schon mit einfachen, frei zugänglichen Hackerprogrammen kann großer Schaden angerichtet werden. Dies wird insbesondere für Bankgeschäfte immer wichtiger, da die Zahl der Menschen wächst, die für ihre Transaktionen das Internet oder das Smartphone nutzen. Was kann man tun, um gewappnet zu sein?

Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter

Nutzen Sie alle Kommunikationsmedien in Ihrem Unternehmen, um Mitarbeiter über mögliche Risiken zu informieren – sei es das Intranet, die Mitarbeiterzeitung und das persönliche Gespräch. Auch in der Mitarbeiterkommunikation gilt: Was selbst erlebt wird, bleibt im Gedächtnis. Schulungen mit Live-Anwendungen erscheinen aufwändig, sind jedoch mit Abstand die beste Plattform für eine wirksame Sensibilisierung.

Meldewesen für Sicherheits- und Verdachtsfälle

Informieren Sie Ihre Teams, sobald sich eine Bedrohung abzeichnet. Benennen Sie einen Sicherheitsbeauftragten, der die Vorfälle sammelt und aufbereitet, einschätzt und ggfs. Maßnahmen einleitet. Wählen Sie dazu einen Mitarbeiter aus, der sich sowohl durch hohe fachliche Kompetenz als auch durch Akzeptanz im Unternehmen auszeichnet. Geben Sie im Zweifelsfall Unterstützung durch externe Experten, da die technischen Entwicklungen in diesen Themen komplex sind und schnell voranschreiten.

Das Öffnen unbekannter Programme verhindern

Viele Verstöße erfolgen, weil das notwendige Wissen fehlt und nicht, weil der Mitarbeiter dem Unternehmen schaden möchte. Legen Sie fest, welche Programme gestartet werden dürfen. Verhindern Sie, dass ein Ausführen unerwünschter Programme mit Hilfe von Standard-Bordmitteln überhaupt möglich ist. Letzteres ist schon mit einfachen Mitteln möglich.

Sichern Sie Ihre Daten

Ein gut funktionierendes Datensicherungskonzept ist unerlässlich. Gesicherte Daten können herangezogen werden, falls ein Virus doch einmal einen Schaden anrichtet und Daten verschlüsselt, verändert oder löscht. Vermeintliche Lösungsgelder für die Entschlüsselung von Daten können so vermieden werden. Bitte beachten Sie hier unbedingt die an Datensicherungen geknüpften Aufbewahrungsplichten.

Nutzen Sie sichere WLAN-Strukturen

Es klingt einfach, sollte aber in dieser Auflistung trotzdem nicht fehlen. Nutzen Sie Funkverbindungen nur, wenn Sie unbedingt benötigt werden. Verbinden Sie sich ausschließlich mit WLAN-Umgebungen, die sich in einem bekannten Umfeld befinden. Seien Sie kritisch, wenn Ihnen das Heimnetz an davon entfernten Orten angeboten wird. Stellen Sie deshalb eine automatische Anmeldung in Ihrem Smartphone ab. Dies spart zudem als Nebeneffekt die Akkulaufzeit des Geräts.

Quelle: DHPG

Die DHPG ist eines der führenden, mittelständischen Beratungsunternehmen in Deutschland, das sich auf die Kernbereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung sowie Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung spezialisiert hat. Das inhabergeführte Unternehmen gehört mit mehr als 500 Mitarbeitern an zehn Standorten zu den 15 größten seiner Branche.

Matthias Kammer, Direktor des DIVSI, ist von dem Ergebnis kaum überrascht: „Wer heute online kommunizieren will, kommt an Messengern und E-Mail-Diensten nicht vorbei – und damit auch nicht am Kleingedruckten – das erklärt das auf den ersten Blick paradoxe Verhalten.“ Dieser Gegensatz zeigt aber auch ein großes Problem auf: Datenschutz scheint wichtig zu sein, für viele Menschen ist die zunehmende digitale Vernetzung unserer Welt aber eine enorme Herausforderung.

Dem einzelnen Nutzer fällt es schwer, sich zwischen dem praktischen Nutzen von digitalen Inhalten und dem richtigen Umgang mit den eigenen Daten zu entscheiden. Das stellten die Kommunikationswissenschaftlerinnen Alice Ruddigkeit und Jana Penzel fest: „Der Lernprozess hinkt der rasend schnellen technischen Evolution ständig hinterher. Nutzer müssen sich daher auf ihr eigenes Bauchgefühl und begrenztes technisches Verständnis verlassen, wenn sie sich in neues Territorium wagen.“

Für Versicherer, Marketingstrategen und Finanzdienstleister sei es bisher zu aufwendig gewesen, gezielte Informationen über Kunden zu bekommen. Das Problem: Zu viele Informationen können sich negativ auswirken. Versicherungen könnten durch den Lebensstil teurer werden oder Kredite aufgrund einer Erkrankung verweigert werden. Dass sich bisher jeder selber entscheiden konnte, möglichst „unvollständige Informationen“ herauszugeben, ändere sich allerdings in Zeiten von Big Data.

So ist es heute möglich, durch eine gezielte Suche bei Google und in sozialen Netzwerken, viele Informationen zusammenzufügen. „Aus vielen kleinen Puzzleteilen entsteht jetzt ein sehr detailliertes Bild einer Person.“, lautet das Urteil der beiden Forscherinnen. Über den Namen, einen Eintrag im Telefonbuch und per Google Maps lässt sich zum Beispiel leicht überprüfen, wie jemand wohnt. Und wer mit einem leicht zu identifizierenden Nicknamen in Online-Foren unterwegs ist, muss damit rechnen, dass auch die intimsten Sorgen öffentlich werden. Ähnlich verhält es sich mit privaten Angaben bei Facebook.

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