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24.01.2014

12:45 Uhr

Smartphone-App für Paare

Der digitale Partnerschaftsring

Soziales Netzwerk für zwei: Mit der Smartphone-App Between können Paare den Rest der Online-Welt aussperren. Die Gratis-Software erobert inzwischen ganz Fernost und die USA. Worin besteht der Reiz von Between?

Was schreibt der Liebste? Smartphone-Apps für Paare sollen ein bisschen Intimität ermöglichen. AFP

Was schreibt der Liebste? Smartphone-Apps für Paare sollen ein bisschen Intimität ermöglichen.

SeoulHat Ihr Partner Bindungsprobleme? Testen Sie ihn doch mal mit einer App! In Asien ist bei jungen Paaren Between stark im Kommen, eine Software fürs Smartphone. Das kostenlose Programm ist ein soziales Netzwerk, zu dem exakt zwei Personen Zutritt haben.

Während auf Facebook, Twitter und Co. Eltern, entfernte Bekannte und sogar der Chef mitlesen können, soll Between ein digitaler Schutzraum sein, der den Rest der Welt außen vor lässt. Nur man selbst und der oder die Liebste haben hier Zutritt und Zugriff auf die konservierten Erinnerungen.

Das vom südkoreanischen Unternehmen Value Creators entwickelte Programm ist in den vergangenen zwei Jahren fünf Millionen Mal heruntergeladen worden. Zwei Drittel der Nutzer kommen aus Südkorea, durchschnittlich sind sie Mitte 20. Aber auch in Japan, China und den USA findet die App Hunderttausende Nutzer, in Thailand und Singapur zeigt die Kurve nach oben. Auch andere Apps wollen Paaren einen gemeinsamen Kommunikationsraum schaffen, etwa das von früheren Google-Mitarbeitern gegründete Avocado oder das bezeichnend benannte Couple.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Reizüberflutung durch soziale Medien sei der Hauptgrund für die Entwicklung von Between gewesen, sagt Value-Creators-Chef Park Jaeuk. Mit wachsenden Nutzerzahlen der sozialen Netzwerke und Chat-Dienste könne auch das Interesse an Between steigen, so Park.

Between ist sowohl für iPhones erhältlich als auch für Smartphones, die mit dem Android-Betriebssystem laufen. Mit der Anwendung kann man seinem Gegenüber Kurz- oder Sprachnachrichten schicken, gemeinsam Tagebuch führen oder Bilder posten und kommentieren. Es lassen sich Erinnerungen für Jahrestage, Geburtstage oder besondere Termine einrichten. Auf die Inhalte können nur die beiden Nutzer zugreifen, die App lässt sich durch Passwörter schützen.

Man habe eine Art „digitalen Partnerschaftsring“ vor Augen gehabt, sagt Park. Natürlich müssten die beiden Nutzer der App keine Liebesbeziehungen miteinander führen, aber viele Kunden würden die Anwendung als Zeichen der Bindung und Treue ansehen, sagt Park und vergleicht Between mit den Ringen, die südkoreanische Paare tragen, bevor sie beschließen zu heiraten. Schüchterne Südkoreaner würden vielleicht lieber erst einmal zur gemeinsamen Nutzung von Between einladen, als sich mit jemandem zu verabreden, sagt der Value-Creators-Chef.

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