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10.10.2013

13:53 Uhr

Smartphone für Einsteiger

Congstar bringt Firefox-Handy auf den Markt

Den roten Panda von Firefox kennen viele Nutzer vom Internetbrowser. Inzwischen wuselt er auch über das Smartphone - und zwar in Form des Firefox OS. Die zugehörigen Handys kommen jetzt auch auf den deutschen Markt.

So soll das Congstar-Smartphone aussehen, das mit einem Firefox-Betriebssystem ausgestattet ist. dpa

So soll das Congstar-Smartphone aussehen, das mit einem Firefox-Betriebssystem ausgestattet ist.

München/BerlinDie Telekom-Tochter Congstar bringt als erster Anbieter in Deutschland ein Smartphone mit dem Firefox-Betriebssystem heraus. Congstar will so Smartphone-Einsteiger überzeugen. Firefox-Handys gibt es bisher vor allem in Lateinamerika oder Osteuropa. Das Firefox-Betriebssystem wird von der Mozilla-Stiftung entwickelt, die auch hinter dem Firefox-Internetbrowser steht. Es soll den dominanten Handysystemen von Apple (iOS) und Google (Android) Konkurrenz machen.

Congstar nimmt ab 15. Oktober ein Handy mit dem Firefox OS ins Programm, sagte Geschäftsführer Martin Knauer am Donnerstag in München. Das Gerät soll als Einsteiger-Smartphone Nutzer ansprechen, die noch mit einem traditionellen Handy ohne Internetfunktionen unterwegs sind. „Wir wollen Kunden überzeugen, die heute noch ein sogenanntes Feature Phone haben, auf ein Smartphone zu wechseln.“ Das Gerät des Herstellers Alcatel soll knapp 90 Euro kosten.

Firefox OS

Erst ein Browser, jetzt ein Betriebssystem

Den Namen Firefox dürften die meisten Internetnutzer kennen: So heißt ein beliebter Browser, den die nicht-kommerzielle Mozilla-Stiftung mit einer Community ehrenamtlicher Programmierer entwickelt. Im Februar 2013 kündigte die Organisation an, auch an einem Betriebssystem für Handys zu arbeiten.

Offenes Web statt geschlossener Plattform

Anders als die Konkurrenz nutzt Firefox OS ausschließlich offene Web-Standards. Das soll es einfacher machen, Apps für Firefox-Handys zu erstellen. Die Anwendungen werden aus dem Netz abgerufen und basieren auf dem Standard HTML5.

Eine Alternative zu Apple und Android

Mit dem Firefox OS will Mozilla den dominanten Handy-Betriebssystemen iOS (Apple) und Android (Google) die Stirn bieten. „Das Internet sollte nie von irgendwelchen Firmen kontrolliert werden“, sagte der damalige Mozilla-Chef Gary Kovacs beim Start mit Blick auf die führenden Unternehmen der Branche.

Kampf um den dritten Platz

Allerdings trifft Firefox OS auf viel Konkurrenz. Gerade in Schwellenländern in Android beliebt. Außerdem adressiert Marktführer Samsung mit dem System Tizen diesen Markt. Drittgrößte Plattform ist derzeit Windows Phone von Microsoft, auch Blackberry hat noch seine Fans.

Breite Unterstützung aus der Branche

Der Mozilla-Stiftung ist es gelungen, eine Gruppe von Netzbetreibern, Geräte- und Chipherstellern hinter sich zu bringen. So unterstützen die Mobilfunker Deutsche Telekom und Telefónica das System. Weil das Betriebssystem sich der Open-Source-Idee verschrieben hat und der Quellcode offen ist, können sie wieder mehr Kontrolle übernehmen. Die Handybauer ZTE und Alcatel haben bereits Geräte mit dem System gebaut, auch LG und Sony unterstützen es.

Smartphones für die Schwellenländer

Die Hardware-Anforderungen des Betriebssystems sind relativ niedrig. Daher ist es möglich, Geräte mit der Software vergleichsweise billig anzubieten. Zielmärkte sind vor allem Schwellenländer wie Brasilien und Indien, wo sich die Menschen die teuren Smartphones der Marktführer Apple und Samsung kaum leisten können.

High-End-Geräte kommen später

Auch wenn Firefox OS zunächst auf das Billigsegment zielt, soll das Betriebssystem nicht darauf beschränkt bleiben. in den kommenden Jahren dürften auch teurere Firefox-Smartphones auf den Markt kommen. Tablet-Computer mit dem System sind noch nicht geplant, es gibt aber bereits Entwickler, die das ausprobieren.

Start in mindestens 15 Ländern

2013 kam Firefox OS beispielsweise in Spanien und Polen auf den Markt, außerdem in einigen südamerikanischen Ländern. In Deutschland hat die Deutsche Telekom das Alcatel One Touch Fire in den Handel gebracht.

Das „Alcatel One Touch“ kommt in einer bunten Plastikhülle und mit einer Bildschirmdiagonalen von 8,9 Zentimeter daher. Die Kamera hat 3,2 Megapixel. Damit liegt die Ausstattung weit hinter aktuellen Spitzenmodellen. „Das ist nicht die Art von Coolness, die von einem bekannten Smartphone-Hersteller an der Westküste der USA propagiert wird“, sagte Eric Vallet von Alcatel mit Blick auf Vorreiter Apple. Das One Touch sei „das ideale Einsteiger-Smartphone“. Vallet verglich das Vorgehen mit großen Kleidungsketten, die Trends günstig auf den Massenmarkt bringen. „Würden wir Kleidung verkaufen, wären wir Zara oder H&M.“

Die günstigen Firefox-Handys sollen vor allem Menschen in Schwellenländern in Lateinamerika oder Osteuropa den Zugang zum mobilen Internet ermöglichen. Die Mozilla-Stiftung verfolgt daneben ein weiteres Ziel: Sie will den geschlossenen Systemen von Google und Apple etwas entgegen setzen. „Was Firefox OS so besonders macht... ist, dass dieses System komplett offen ist“, sagte Andreas Gal, der bei Mozilla für die mobile Entwicklung zuständig ist.

Der Quellcode ist auf der Mozilla-Webseite einsehbar, Apps für Firefox-Handys nutzen mit HTML5 eine Programmiersprache, die auch im Web verwendet wird. Das soll es für Entwickler attraktiver machen, Apps für Firefox-Handys zu bauen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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PeterK

10.10.2013, 19:30 Uhr

Da wird sich glaube ich noch mancher die Augen reiben von den stolzen iphone-Nutzern, die sicher auch in der HB-Redaktion zahlreich vertreten sein werden. Ein Handy, das nach den Bedürfnissen der Anwender entwickelt wird, , ohne festverlöteten Akku, keine jailbreaks weil alles opensource ist, niemand der apps nach seinen Moralvorstellungen zensiert, kein Standardbrowser der permanent "nach Hause" telefoniert und per GPS lokaliesiert, und und und
Ich bin gespannt was daraus noch wird. Das Potential ist jedenfalls perspektivisch enorm.

oh_mann

11.10.2013, 18:30 Uhr

Der rote Panda sieht auf meinem Firefox eher wie ein Fuchs aus. Das kann evtl. auch damit zusammenhängen, dass Fuchs auf Englisch Fox heißt.
Liest sich beim HB eigentlich keiner mehr durch, was er schreibt? Ist der Rest des Artikel genauso gut recherchiert?

Joto

16.10.2013, 20:02 Uhr

@peterK
Sorry, aber ich denke sehr wohl, dass sich apple an den Bedürfnissen der Anwender orientiert. Die Verkaufszahlen und die Kundenzufriedenheit der Iphone-besitzer sprechen da eine ganz deutliche Sprache.
Ich glaube nicht, dass das Potential des Handys/BS von Firefox sehr groß sein wird.
Denn müssten die von ihnen gelobten Merkmale nicht eigentlich auch weitestgehend den Smartphones von RIM ein "perspektivisch ernormes Potential" eröffnen...

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