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02.09.2013

10:22 Uhr

Tester zu Googles Datenbrille

„Die Leute glotzten mich an“

Mehrere tausend Testpersonen hat Google auf seine Datenbrille „Google Glass“ angesetzt. Die Urteile fallen gemischt aus: Mobile Anwendungen kommen gut an, die Reaktion der Außenwelt ist eher skeptisch.

Francesca Marie Smith, eine Testnutzerin der Datenbrille „Google Glass“. AFP

Francesca Marie Smith, eine Testnutzerin der Datenbrille „Google Glass“.

San FranciscoGoogles neue Datenbrille Google Glass ist nicht nur etwas für Computerfreaks. Geht es nach dem Internetkonzern, wird Google Glass den Umgang des Menschen mit der Onlinewelt revolutionieren. Der Nutzer setzt die Datenbrille, die wie ein Smartphone funktionieren soll, einfach auf und fertig. Rund 10 000 Menschen testen derzeit Google Glass, darunter auch Lehrer, Zahnärzte, Friseure, Architekten, Sportler und sogar ein Zoowärter. Die Nachrichtenagentur AP hat sich bei einigen Testern umgehört, wie ihre Erfahrungen mit Google Glass sind.

Zu den Testpersonen gehören die ehemalige US-Fernsehmoderatorin Sarah Hill, die sich inzwischen für Kriegsveteranen einsetzt, und die Hausfrau Deborah Lee. Besonders gefallen an Google Glass hat Hill und Lee die Möglichkeit, mit der an der Brille befestigten Kamera Fotos und Filme zu produzieren, und zwar allein durch Sprachsteuerung. Auch der einfache Zugang zum Internet gefiel ihnen. Man tippt gegen den rechten Rahmen von Glass und scrollt dann per Wischbewegung durchs Menü. Darüber lässt sich beispielsweise der Kartendienst von Google aufrufen oder eine Suchmaschinenabfrage starten. Die Informationen erscheinen auf einem daumennagelgroßen transparenten Bildschirm oberhalb des rechten Auges, so platziert, dass das Sichtfeld des Nutzers möglichst nicht eingeschränkt wird.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Negativ bewerteten die beiden Frauen die kurze Akkulaufzeit. Besonders rasch lehrt sich die Batterie, wenn viel mit der Videokamera gearbeitet wird. Google gibt an, dass der Akku von Google Glass bei normaler Nutzung einen ganzen Tag reichen sollte, aber Hill berichtet, dass manchmal nach anderthalb bis zwei Stunden nichts mehr ging, wenn sie die Kamera viel benutzt hat.

Auch der Lautsprecher sei noch nicht optimal, sagten die Testerinnen. Der Lautsprecher arbeitet mit Knochenschall, der Ton sei jedoch außerhalb stiller Räume nur schwer zu verstehen, so die Frauen. „Draußen auf der Straße oder an einem anderen lauteren Ort versteht man überhaupt nichts“, sagt Lee. „Das ist schon anstrengend, weil es sich nicht korrigieren lässt. Eine Lautstärkeregelung würde meiner Meinung nach viele Probleme lösen.“

Hill ist begeistert, seit sie Google Glass im Mai das erste Mal getestet hat. „Es ist, als ob man das Internet im Auge hat, dabei aber weniger störend, als ich es gedacht hätte.“ Einen Vorteil entdeckte sie ziemlich früh, als sie bei einer Taxifahrt eine Videokonferenz einleitete. Als das Taxi am Flughafen ankam, wollte sie die Konferenz abbrechen, um die Hände für ihr Gepäck frei zu haben.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

02.09.2013, 11:47 Uhr

Endlich wird man dann die ›ferngesteuerten digitalen Affen‹ (Spiegel) von denjenigen eindeutig unterscheiden können, die sich noch ein Stück persönliche Autonomie, Urteilsfähigkeit und Willensfreiheit erhalten haben.

Atom

02.09.2013, 12:12 Uhr

Für jemanden, der sowieso Brillenträger ist, mag so ein Gerät vielleicht eine Option sein. Für mich als Nicht-Brillenträger käme so ein Teil niemals in Frage.

Einanderer

02.09.2013, 12:44 Uhr

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