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27.02.2014

12:50 Uhr

Tragbare Technologie

Wenn der Trainer am Handgelenk schlapp macht

VonChristof Kerkmann

Die Elektronikbranche will die Käufer mit schlauen Uhren und Fitness-Armbändern begeistern. Doch viele Geräte sind noch nicht ausgereift – sie sind klobig und nicht besonders ausdauernd. Immerhin, Abhilfe ist in Sicht.

Wie der tragbare Computer der Zukunft aussehen könnte, zeigt Samsung mit der Gear Fit: dünn, leicht, unaufdringlich. ap

Wie der tragbare Computer der Zukunft aussehen könnte, zeigt Samsung mit der Gear Fit: dünn, leicht, unaufdringlich.

BarcelonaTragbare Technik ist eines der großen Themen auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Elektronikkonzerne wie Samsung, Sony und Huawei, aber auch Dutzende Start-ups wollen die Begeisterung schüren – mit Fitness-Armbändern, die zurückgelegte Distanzen oder den Herzschlag messen; aber auch mit Uhren mit Computertechnik, die E-Mails und Anrufe dezent ankündigen oder die Wetterprognose zeigen. Doch die Geräte haben noch etliche Macken, der große kommerzielle Erfolg dürfte daher noch auf sich warten lassen.

In der schnelllebigen Technologiebranche gelten vernetzte Fitnessgeräte und ultratragbare Computer als nächster Wachstumsmarkt. „Gerade das Interesse an Fitness ist riesig“, sagt Lars-Christian Weißwange, Deutschland-Chef von Huawei, dessen Firma in Barcelona ein Fitness-Armband vorstellt. „Wir wollen dem Markt ein Signal geben, dass wir über das Mobiltelefon hinausdenken“ - damit steht Huawei wohl stellvertretend für viele. Auch Apple, Google und Microsoft sollen an Wearable Technology (so der Fachbegriff) arbeiten.

Smartwatches auf dem MWC

Samsung

Samsung gehört zu den Vorreitern: Im Herbst brachte der südkoreanische Konzern die erste Generation seiner Smartwatch heraus, nun folgen drei neue Modelle. Gear 2 und Gear 2 Neo zeichnen sich vor allem durch einen besseren Akku und ein schlankeres Design als der Vorgänger aus. Die Gear Fit zielt auf Sportler, indem sie die Herzfrequenz misst und Schritte zählt. Gleichzeitig informiert sie über neue Anrufe und E-Mails.

Sony

Sony kombiniert beim Smartband ein Fitness-Armband mit einem digitalen Tagebuch. Das Gerät lässt sich mit dem Smartphone koppeln und zeigt beispielsweise eingehende Anrufe an oder steuert das Musikprogramm. Eine Smartwatch hat der Konzern ebenfalls im Angebot, seit dem Herbst gibt es die Smartwatch 2.

Huawei

Ein Hybridgerät hat auch Huawei entwickelt: Das Talkband zählt nicht nur Schritte, sondern hat auch ein Display, das sich herausnehmen und als Headset fürs Handy nutzen lässt. Das Unternehmen arbeite derzeit an weiteren Geräten, sagt Deutschland-Chef Lars-Christian Weißwange.

Motorola

Motorola will einen neuen Anlauf im Geschäft mit Computeruhren machen. Das Gerät solle später in diesem Jahr auf den Markt kommen, kündigte Manager Rick Osterloh an. Der Handy-Konzern hatte bereits Ende 2011 die Smartwatch MotoACTV herausgebracht, die jedoch kein Hit wurde. Beim neuen Versuch wolle sich Motorola auf Design und Batterielaufzeit konzentrieren, sagte Osterloh.

Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen derzeit noch weit auseinander. Viele der Produkte seien noch nicht ausgereift genug, um die Nutzer zu begeistern, sagt Christopher Jones, Analyst bei Canalys. „Der Markt entwickelt sich gerade erst“, beobachtet er. 2013 setzten die Hersteller weniger als zwei Millionen Smartwatches ab, im laufenden Jahr erwartet Canalys einen weltweiten Absatz von 8 Millionen Stück. Zum Vergleich: So viele Smartphones verkauft Samsung in zehn Tagen.

Bei den Smartwatches sieht der Marktforscher drei eklatante Probleme: Schwache Akkus, klobiges Designs, unklaren Nutzen. Und das für Preise von mehreren hundert Euro. Die erste Generation der Galaxy Gear, die Samsung im Herbst mit großem Tamtam herausgebracht hatte, steht stellvertretend dafür. Auch die Fitness-Armbänder hätten noch Schwächen, sagt Jones: „Die Sensoren sind nicht gut genug, sie können nur Schritte zählen, versagen aber zum Beispiel beim Fahrradfahren oder Schwimmen.“

All das ist jedoch eine Momentaufnahme. Die Chiphersteller arbeiten bereits an sparsameren und kleineren Komponenten, die sich in kompakten Gehäusen verstecken lassen. Auch neue Displays, die sich beispielsweise an den Arm schmiegen, sind in der Entwicklung, ebenso schlauere Sensoren. Gleichzeitig hilft ein ehernes Gesetz der IT-Branche: Die Preise für Komponenten sinken schnell – und machen einst futuristisch wirkende Technologie bald erschwinglich.

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